Windturbinen: EU-Prüfung kann deinen Strompreis bewegen

Stand: 03. February 2026
Berlin

Auf einen Blick

Die EU nimmt Windturbinen aus China unter die Lupe. Für dich zählt vor allem: Das Verfahren kann zu Auflagen oder Zöllen führen – oder zu gar nichts. Kurzfristig ändert sich dein Strompreis kaum, langfristig kann ein teurerer oder langsamerer Wind-Ausbau die Preise aber nach oben drücken.

Das Wichtigste

  • Die EU-Kommission startete im April 2024 eine Untersuchung zu chinesischen Windturbinen unter der Foreign Subsidies Regulation (FSR) (u.a. von WindEurope dokumentiert).
  • Laut EU-JRC kamen rund 63% der Extra-EU-Importe von „wind generating sets“ im Schnitt 2020–2022 aus China; 2022 wies die EU laut Bericht ein Handelsdefizit von 464 Mio. Euro mit China in dieser Kategorie aus.
  • Bei klassischen EU-Anti-Subventionsverfahren liegen vorläufige Maßnahmen oft nach Monaten und endgültige Entscheidungen typischerweise innerhalb etwa eines Jahres – die EU diskutiert seit Jahren, diese Verfahren zu beschleunigen (EU-Parlament-Studie).

Einleitung

Wenn Brüssel Windturbinen zum Handels-Thema macht, geht es nicht nur um Industriepolitik. Es geht darum, wie schnell Europa neue Windparks ans Netz bringt – und damit indirekt um Wettbewerb, Versorgungssicherheit und Stromkosten. Gerade für Deutschland ist das relevant: Wir hängen bei der Energiewende am Tempo des Ausbaus, und jedes Risiko in der Lieferkette landet am Ende in Projektkalkulationen.

Was neu ist

Die EU-Kommission hat im April 2024 eine Prüfung eingeleitet, die sich auf mögliche marktverzerrende Subventionen bei chinesischen Windturbinen stützt. Anders als ein klassisches Anti-Dumping-/Anti-Subventionsverfahren (das am Ende oft Zölle hervorbringt) läuft dieses Vorgehen über die Foreign Subsidies Regulation (FSR) – ein Instrument, mit dem die EU ausländische Subventionen untersuchen und Abhilfemaßnahmen anordnen kann.

WindEurope berichtet in diesem Kontext von sehr aggressiven Angeboten: Entwickler hätten teils deutlich niedrigere Turbinenpreise gesehen und Finanzierungs-/Zahlungsmodelle wie aufgeschobene Zahlungen (WindEurope nennt bis zu mehrere Jahre). Die chinesische Seite kritisierte laut Reuters die Untersuchung politisch als diskriminierend.

Wichtig: Eine Prüfung ist noch keine Sanktion. Erst wenn die EU eine Verzerrung belegt und rechtlich sauber begründet, kann sie Maßnahmen festlegen – von Auflagen/Verpflichtungszusagen bis hin zu (separaten) handelspolitischen Instrumenten wie Zöllen.

Was das für dich bedeutet

1) Was so eine EU-Handelsprüfung praktisch heißt
Für dich als Stromkunde ist die Mechanik entscheidend: Das Verfahren kann Importpreise verändern oder Lieferbedingungen verschieben. Das schlägt zuerst bei Windpark-Projekten durch (Investitionskosten, Finanzierung, Risikoaufschläge). Erst danach wirkt es – mit Zeitverzug – auf den Energiemarkt.

2) Warum Deutschland nicht „einfach ausweichen“ kann
Europa baut zwar viel selbst, aber die Abhängigkeit sitzt häufig in Teilkomponenten und Vorprodukten. Der EU-JRC beschreibt zum Beispiel eine wachsende Importrolle Chinas bei kompletten „wind generating sets“ sowie Risiken bei kritischen Materialien und Verarbeitungsschritten. Das heißt: Selbst wenn Turbinen in Europa montiert werden, bleiben bestimmte Lieferketten empfindlich.

3) Drei Szenarien – und was sie für Ausbau & Preise bedeuten
Szenario A: keine Zölle / keine spürbaren Maßnahmen
Dann bleiben günstige Angebote im Markt. Projekte können schneller finanzieren und bestellen, der Ausbau bekommt Rückenwind. Für Strompreise wirkt das nicht über Nacht, aber ein zügigerer Ausbau unterstützt langfristig ein niedrigeres Preisniveau im Großhandel.

Szenario B: moderate Maßnahmen (Auflagen, Transparenz, ggf. begrenzte Abgaben)
Das ist der „Reibungsverlust“-Fall: Entwickler rechnen mehr Bürokratie, längere Verhandlungen und leicht höhere Beschaffungskosten ein. Viele Projekte laufen weiter, aber mit konservativeren Kalkulationen. Wahrscheinlich steigt der Druck, Lieferanten zu diversifizieren (mehr EU-Anbieter, mehr verschiedene Zulieferketten).

Szenario C: harte Maßnahmen (hohe Zölle oder strenge Auflagen)
Dann wird es für Projekte, die stark auf importierte Turbinen/Komponenten setzen, schnell teuer oder langsam: Lieferzeiten strecken sich, Finanzierung wird schwieriger, Ausschreibungsgebote müssen höher ausfallen oder Projekte rutschen. Das kann den Ausbau bremsen – und eine Bremsung beim Ausbau erhöht langfristig das Risiko höherer Strompreise, weil weniger günstiger Windstrom ins System kommt.

Rechenhilfe (bewusst vereinfacht)
Der EU-JRC nennt für Onshore-Wind in der EU (unter Bezug auf Marktanalysen) Investitionskosten in einer Größenordnung von rund 1.060 bis 1.425 Euro pro kW. Wenn regulatorische Maßnahmen in einem Projekt die Gesamtkosten z.B. um 5% erhöhen, macht das bei 1.200 Euro/kW grob 60 Euro/kW aus – bei großen Parks wird daraus schnell ein siebenstelliger Betrag. Ob das in Auktionen durchgeht, hängt vom Strompreis- und Zinsumfeld ab.

Service-Box: Was heißt das für mich in Deutschland?
Als Stromkunde: Kurzfristig fast keine direkte Wirkung; mittelfristig kann ein langsamerer Ausbau den Preisdruck nach oben erhöhen, ein stabilerer Ausbau wirkt dämpfend.
Für Jobs: Harte Maßnahmen können EU-Hersteller und Zulieferer stärken, wenn Bestellungen in Europa bleiben – gleichzeitig riskieren Projektverzögerungen weniger Aufträge für Bau, Netzanschluss und Service.
Für Sicherheit: Weniger Lieferkettenrisiko klingt gut, aber nur, wenn Europa Alternativen realistisch skalieren kann (Materialien, Komponenten, Fertigung).

Wie es weitergeht

In solchen EU-Verfahren lohnt ein Blick auf die formale Spur: Fragebögen, Fristen, Anhörungen – und am Ende eine veröffentlichte Entscheidung. Unter der FSR kann die Kommission nach einer vertieften Prüfung Abhilfemaßnahmen festlegen; bei klassischen Trade-Defence-Verfahren (Anti-Subvention) wären als Ergebnis eher Ausgleichszölle möglich.

Worauf du als Beobachter achten kannst:
Offizielle Veröffentlichungen der EU (Mitteilungen/Entscheidungen) statt Gerüchte aus der Branche.
• Änderungen in Ausschreibungen und in Lieferkonditionen (z.B. Preis- und Finanzierungsmodelle).
• Signale aus der Lieferkette, ob Entwickler Bestellungen umschichten oder Projekte „pausieren“, weil Kalkulationen kippen.

Wir haben in den für diese Recherche herangezogenen öffentlichen Dokumenten und Berichten keine belastbar bestätigte Aussage gefunden, welche konkreten Maßnahmen am Ende in diesem Windturbinen-Komplex tatsächlich beschlossen wurden. Sobald es eine offizielle EU-Entscheidung gibt, lässt sich die Preiswirkung viel präziser beziffern.

Fazit

Die EU-Prüfung zu chinesischen Windturbinen ist für Deutschland kein „Brüssel-Drama“, sondern ein Kosten- und Tempo-Thema. Günstige Importe beschleunigen oft den Ausbau, harte Maßnahmen bremsen ihn potenziell – können aber zugleich europäische Hersteller und Lieferketten stabilisieren. Für deinen Strompreis gilt: Der Effekt kommt nicht morgen, aber er kann über die nächsten Jahre spürbar werden, wenn Ausbaupläne kippen oder sich verteuern.

Würdest du lieber schnellere Windparks durch günstige Importe sehen – oder strengere Regeln, selbst wenn das den Ausbau kurzfristig verteuert? Schreib uns, welches Szenario du für Deutschland für realistischer hältst.

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