Der Ausbau der Windkraft schreitet voran, doch eine Windstrom-Flaute kann die reale Einspeisung stark drücken. Dieser Artikel erklärt verständlich, warum installierte Leistung nicht mit tatsächlicher Erzeugung gleichzusetzen ist, wie sich windarme Phasen in Deutschland kurzfristig auf Börsenpreise und Tarife auswirken und welche Folgen das für Haushalte und Unternehmen hat. Auf Basis öffentlich zugänglicher Daten wird gezeigt, warum Windstrom-Flauten trotz Rekordkapazitäten zu höherer Volatilität führen können und was das konkret für Abschläge und Entscheidungen im Alltag bedeutet.
Einleitung
Viele Stromkundinnen und Stromkunden wundern sich, warum ihre Kosten steigen, obwohl immer mehr Windräder gebaut werden. Im Alltag zählt nicht die Zahl der Anlagen, sondern wie viel Strom sie in einer bestimmten Stunde tatsächlich liefern. Genau hier liegt das Problem der Windstrom-Flaute. Wetterlagen mit wenig Wind können die Einspeisung deutlich reduzieren, selbst wenn die installierte Leistung neue Rekorde erreicht.
Öffentliche Datenportale zeigen diesen Unterschied klar. Während die installierte Windleistung in Deutschland kontinuierlich wächst, schwankt die reale Erzeugung stark. In einzelnen Wochen oder Stunden kann sie weit unter dem liegen, was die Anlagen theoretisch leisten könnten. Für den Strommarkt hat das unmittelbare Folgen, denn fehlender Windstrom muss kurzfristig ersetzt werden.
Dieser Artikel trennt deshalb sauber zwischen Leistung und Erzeugung. Er erklärt, was in windarmen Phasen im Stromsystem passiert, warum Börsenpreise dann steigen können und wie sich das zeitversetzt oder direkt in Tarifen und Abschlägen bemerkbar macht. Ziel ist, dir eine realistische Entscheidungsgrundlage für deinen eigenen Stromverbrauch zu geben.
Installierte Leistung und reale Einspeisung
Installierte Leistung beschreibt die maximale elektrische Leistung aller Windkraftanlagen zusammen. Sie sagt aus, was theoretisch möglich wäre, wenn ausreichend Wind weht. Die reale Einspeisung zeigt dagegen, wie viel Strom tatsächlich im Netz ankommt. Daten von Fraunhofer Energy-Charts machen deutlich, dass zwischen beiden Größen oft eine große Lücke besteht.
Selbst ein hohes Ausbauniveau schützt nicht vor Stunden oder Tagen mit sehr niedriger Windstromerzeugung.
In windarmen Wetterlagen sinkt der sogenannte Kapazitätsfaktor stark. Das bedeutet, ein großer Teil der installierten Leistung bleibt ungenutzt. Diese Schwankungen sind kein Ausnahmefall, sondern ein strukturelles Merkmal der Windenergie. Sie erklären, warum kurzfristige Flauten auch in Jahren mit viel neu gebauter Leistung auftreten.
| Merkmal | Beschreibung | Einordnung |
|---|---|---|
| Installierte Leistung | Maximal mögliche Leistung aller Anlagen | Langfristig steigend |
| Reale Einspeisung | Tatsächlich erzeugter Strom | Stark wetterabhängig |
Preiseffekte in windarmen Stunden
Fällt viel Windstrom weg, greift am Strommarkt die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke. Zuerst werden Anlagen mit niedrigen Grenzkosten genutzt, danach teurere Optionen. In Flautenstunden müssen häufiger Gaskraftwerke, Kohlekraftwerke oder Stromimporte einspringen. Diese Optionen sind in der Regel teurer als Windstrom.
Analysen auf Basis von SMARD-Daten der Bundesnetzagentur zeigen, dass solche Situationen mit höheren Börsenpreisen einhergehen können. Besonders im Day-Ahead- und Intraday-Handel steigt die Volatilität. Es gibt mehr Stunden mit deutlich höheren Preisen, während in windreichen Phasen das Gegenteil passiert.
Für den Markt bedeutet das keine dauerhafte Preisexplosion, sondern stärkere Ausschläge. Diese Ausschläge sind wichtig, weil sie Signale für flexible Verbraucher und Erzeuger setzen. Für Endkundinnen und Endkunden sind sie vor allem dann relevant, wenn der eigene Tarif die Börsenpreise direkt widerspiegelt.
Was Tarife und Abschläge spüren
Ob eine Windstrom-Flaute deinen Abschlag beeinflusst, hängt stark vom Tarifmodell ab. Dynamische Stromtarife geben Börsenpreise nahezu in Echtzeit weiter. In windarmen Stunden kann der Strom dann deutlich teurer werden. Wer Verbrauch flexibel verschieben kann, etwa beim Laden eines E-Autos, kann diese Effekte teilweise abfedern.
Klassische Festpreis- oder Grundversorgungstarife reagieren langsamer. Energieversorger beschaffen Strom im Voraus und glätten kurzfristige Preisspitzen. Steigen die Beschaffungskosten jedoch über längere Zeit, können sich diese Effekte verzögert in höheren Abschlägen oder Neukundenpreisen zeigen.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen kurzfristigem Börsenpreis und langfristigen Kosten. Eine einzelne Flaute führt nicht automatisch zu einer Preiserhöhung. Häufen sich jedoch windarme Phasen in Kombination mit hohen Brennstoffpreisen, steigt der Druck auf die Kalkulation der Versorger.
Systemkosten, Reserven und Gegenmaßnahmen
In windarmen Phasen aktiviert das Stromsystem zusätzliche Reserven. Dazu zählen Regelenergie und sogenannte Netz- oder Kapazitätsreserven. Diese Kraftwerke stehen bereit, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht regelmäßig Informationen zu diesen Reserven und ihren Kosten.
Zusätzlich entstehen Kosten durch Redispatch. Kraftwerke werden angewiesen, ihre Leistung zu erhöhen oder zu senken, um Netzengpässe zu vermeiden. Diese Maßnahmen erhöhen die Systemkosten, auch wenn sie nicht immer direkt im Börsenpreis sichtbar sind.
Langfristig gibt es mehrere Stellschrauben, um die Effekte von Windstrom-Flauten zu dämpfen. Dazu gehören der Netzausbau, mehr Stromspeicher, eine bessere regionale Verteilung von Windanlagen und flexible Nachfrage. Für Haushalte und Unternehmen bedeutet das, dass Flexibilität an Wert gewinnt.
Fazit
Eine Windstrom-Flaute ist kein Zeichen gescheiterten Ausbaus, sondern eine Folge physikalischer und meteorologischer Grenzen. Entscheidend ist, wie das Stromsystem damit umgeht. Kurzfristig führen windarme Phasen zu höherer Preisvolatilität und zu mehr Einsatz teurer Kraftwerke. Das kann sich direkt oder zeitversetzt in Tarifen und Abschlägen zeigen.
Für dich als Stromkundin oder Stromkunde lohnt es sich, das eigene Tarifmodell zu verstehen. Dynamische Tarife bieten Chancen, bergen aber auch Risiken. Klassische Tarife reagieren langsamer, sind dafür planbarer. Insgesamt zeigt sich, dass Flexibilität, Speicher und Netze entscheidend sind, um die Kostenfolgen von Flauten zu begrenzen.





