Waymo Driver 6 soll Robotaxis günstiger und sicherer machen. Doch was bedeutet das konkret für Deutschland? Dieser Artikel erklärt, welche technischen Neuerungen tatsächlich auf Kosten pro Kilometer, Sicherheitsnachweise und eine mögliche Zulassung hierzulande einzahlen. Auf Basis veröffentlichter Sicherheitsdokumente, technischer Details und eines transparenten Kostenmodells wird eingeordnet, ob Robotaxi Deutschland realistisch näher rückt – und in welcher Preis-Spanne sich eine Fahrt bewegen könnte.
Einleitung
Du steigst ein, kein Fahrer vorne, nur ein Bildschirm und das Gefühl, dass das Auto selbst weiß, was es tut. In Teilen der USA ist das Alltag. In Deutschland dagegen stellt sich zuerst eine andere Frage: Darf so ein System hier überhaupt fahren – und zu welchem Preis?
Mit Waymo Driver 6 hat Waymo Anfang 2026 eine neue Generation seines autonomen Fahrsystems vorgestellt. Laut Unternehmensangaben soll sie günstiger in der Herstellung sein und gleichzeitig robuster im Stadtverkehr funktionieren. Genau diese beiden Punkte sind für Deutschland entscheidend. Denn ohne belastbare Sicherheitsnachweise gegenüber dem Kraftfahrt-Bundesamt und ohne halbwegs konkurrenzfähige Kosten pro Fahrt bleibt das Robotaxi ein US-Phänomen.
Im Kern geht es also um drei Dinge: technische Änderungen, regulatorische Hürden und die Frage, ob sich eine Fahrt preislich zwischen Taxi und ÖPNV einordnen könnte.
Was Waymo Driver 6 technisch verändert
Waymo beschreibt den Driver 6 als Weiterentwicklung seines Level-4-Systems. Neu sind unter anderem 17-Megapixel-Kameras mit höherem Dynamikumfang, eine überarbeitete Lidar-Generation, sogenanntes Imaging-Radar und externe Audio-Sensoren, die Sirenen oder Bahnwarnsignale orten können. Gleichzeitig spricht das Unternehmen von weniger benötigten Kameras und kostengünstigeren Sensorchips.
Ein zentraler Punkt ist die eigene Rechenhardware. Waymo setzt laut eigener Darstellung stärker auf maßgeschneiderte Chips. Das senkt langfristig Stückkosten, weil Standardserver-Hardware im Fahrzeug entfällt und Energie effizienter genutzt wird. Für den Betrieb zählt jedes Watt, denn Stromverbrauch und Kühlung schlagen direkt auf die Kosten pro Kilometer durch.
Hinzu kommt die Auslegung auf industrielle Skalierung. Waymo nennt Produktionskapazitäten im Bereich von zehntausenden Fahrzeugen pro Jahr. In Kombination mit Partnerschaften wie der geplanten Lieferung von bis zu 50.000 Hyundai IONIQ 5 Fahrzeugen deutet das auf eine Serienstrategie hin, nicht auf Einzelumbauten.
All diese Änderungen zielen auf einen einfachen Hebel: niedrigere Hardwarekosten pro Fahrzeug und weniger Wartungsaufwand. Ob das reicht, hängt davon ab, wie hoch der Anteil der Technik an den Gesamtkosten tatsächlich ist.
| Merkmal | Beschreibung | Relevanz für Kosten |
|---|---|---|
| 17-MP-Kameras | Höhere Auflösung, weniger Kameras nötig | Reduziert Sensoranzahl und Wartung |
| Custom-Chips | Eigene Rechenhardware im Fahrzeug | Senkt Stückkosten bei hoher Produktion |
| Neues Lidar & Radar | Verbesserte Erkennung bei Regen und Spray | Weniger Fehlfunktionen, weniger Stillstand |
Sicherheitsnachweise und EU-Zulassung
Technik allein reicht in Deutschland nicht. Entscheidend ist die Zulassung. Waymo hat 2023 ein umfangreiches Sicherheitskonzept veröffentlicht, in dem das Unternehmen erklärt, wie es Risiken systematisch bewertet. Dort werden sogenannte Akzeptanzkriterien definiert, etwa für das Verhalten in Konfliktsituationen oder bei Systemeinschränkungen.
Das Dokument orientiert sich an internationalen Normen wie ISO 26262 oder UL 4600. Für Europa relevant sind zusätzlich die Vorgaben der UNECE und die nationale Umsetzung durch das Kraftfahrt-Bundesamt. Ohne formale Typgenehmigung oder eine Sonderzulassung für autonome Systeme darf kein Robotaxi regulär in deutschen Städten verkehren.
Ein Blick in die USA zeigt, dass selbst etablierte Systeme nachjustiert werden müssen. 2025 kam es zu einem Rückruf, nachdem Fahrzeuge an haltenden Schulbussen vorbeigefahren waren. Solche Ereignisse führen zu Untersuchungen und Anpassungen. Für deutsche Behörden sind genau diese realen Vorfälle Teil der Bewertung.
Hinzu kommen Fragen der Haftung und der Datenerhebung. Ein Robotaxi sammelt kontinuierlich Umgebungsdaten. In der EU greift hier die DSGVO. Betreiber müssen nachweisen, wie Daten verarbeitet und gespeichert werden. Das ist kein Detail, sondern ein Kernpunkt jeder Zulassung.
Was eine Robotaxi-Fahrt kosten könnte
Konkrete Preise für Europa veröffentlicht Waymo nicht. Deshalb hilft nur ein offenes Rechenmodell mit klaren Annahmen. Ein Fahrzeug inklusive autonomer Technik kann, konservativ geschätzt, rund 120.000 US-Dollar kosten. Wird es über 300.000 Meilen genutzt, ergibt das etwa 0,40 Dollar Abschreibung pro Meile.
Dazu kommen Strom, Wartung, Versicherung, Leitstelle und Infrastruktur. Rechnet man diese Posten zusammen, ergibt sich ein Bereich von etwa 0,95 bis 1,70 US-Dollar pro Meile. Der größte Unsicherheitsfaktor ist die tatsächliche Hardware- und Betriebskostenstruktur.
Überträgt man das auf eine typische innerstädtische Fahrt von fünf Meilen, landet man bei grob 4,7 bis 8,5 Dollar reinen Betriebskosten. Ein Endkundenpreis müsste darüber liegen, um Investitionen und Unternehmensmarge zu decken.
Zum Vergleich: Taxitarife in deutschen Großstädten liegen für kurze Strecken oft im zweistelligen Eurobereich. ÖPNV-Einzeltickets sind deutlich günstiger. Ein Robotaxi müsste sich also preislich zwischen beiden Optionen einordnen, um attraktiv zu sein.
Was das für deutsche Städte bedeutet
Selbst wenn Waymo Driver 6 technisch bereit ist, heißt das nicht, dass er sofort in Berlin oder München fährt. Autonome Systeme operieren in klar definierten Einsatzgebieten, dem sogenannten Operational Design Domain. Das umfasst etwa bestimmte Stadtviertel, Wetterbedingungen oder Geschwindigkeitsbereiche.
Für Deutschland würde das vermutlich mit begrenzten Testfeldern beginnen. Denkbar sind Industriegebiete, Campuslösungen oder klar abgegrenzte Stadtteile. Eine flächendeckende Verfügbarkeit ist regulatorisch und organisatorisch deutlich komplexer.
Für dich als Nutzer ändert sich im Alltag vor allem eines: die Verfügbarkeit. Ein Robotaxi wäre per App buchbar, ohne Fahrerinteraktion. Gleichzeitig bleibt ein Restrisiko technischer Fehlentscheidungen. Behörden verlangen daher den Nachweis, dass das System insgesamt sicherer fährt als ein durchschnittlicher menschlicher Fahrer.
Ob Waymo diesen Nachweis für Deutschland erbringt, hängt weniger von Marketingankündigungen ab als von formalen Prüfungen durch Behörden und transparenten Sicherheitsdaten.
Fazit
Waymo Driver 6 bringt technische Änderungen, die tatsächlich auf geringere Stückkosten und stabileren Betrieb zielen. Eigene Chips, weniger Sensoren und industrielle Skalierung können die Kosten pro Kilometer drücken. Ein realistisches Modell landet derzeit bei unter zwei US-Dollar pro Meile reinen Betriebskosten, mit deutlicher Bandbreite.
Für Deutschland entscheidet jedoch nicht die Technik allein. Zulassung durch das Kraftfahrt-Bundesamt, Einhaltung der UNECE-Regeln, Datenschutz und Haftungsfragen sind die eigentlichen Hürden. Erst wenn diese Punkte geklärt sind, wird aus einer US-Technologie ein Angebot auf deutschen Straßen.





