Virtuelles Kraftwerk battery-only: Lohnt sich der Akku?

Ein Virtuelles Kraftwerk battery-only verspricht Einnahmen mit einem Heimspeicher, auch ohne eigene PV-Anlage. Klingt nach zusätzlichem Geld für ohnehin installierte Technik. Doch Vergütung, Mindestverfügbarkeit und mögliche Strafzahlungen sind vertraglich geregelt und stark vom jeweiligen Aggregator abhängig. Dieser Artikel zeigt dir, wie das Modell technisch funktioniert, welche Erlösarten realistisch sind, wo Risiken wie Degradation oder Komfortverlust liegen – und für welche Haushalte sich ein Heimspeicher ohne PV im VPP-Modell eher rechnen kann.

Einleitung

Strompreise schwanken im Tagesverlauf, Netze geraten bei Lastspitzen unter Druck, und viele suchen nach Möglichkeiten, ihre Energiekosten zu senken. Ein Heimspeicher, der sich einem Virtuellen Kraftwerk battery-only anschließt, soll genau hier ansetzen. Dein Akku wird Teil eines größeren Pools und kann auf Abruf Strom aufnehmen oder einspeisen.

Anders als beim klassischen Modell mit Photovoltaik geht es hier um Speicher ohne eigene PV-Vergütung. Der Aggregator bündelt viele kleine Batterien und bietet ihre Leistung am Markt an, etwa für Flexibilitäts- oder Regelenergieprodukte. Laut aktuellen Marktanalysen und Fachstudien sind solche technischen Integrationen inzwischen etabliert, etwa mit offenen Energiemanagement-Systemen wie OpenEMS.

Die entscheidende Frage bleibt: Reicht die Vergütung aus, um Zusatzkosten, Zyklenverschleiß und mögliche Komforteinbußen auszugleichen? Und für wen passt dieses Modell wirklich?

Wie ein battery-only VPP technisch funktioniert

Ein Virtuelles Kraftwerk verbindet viele kleine Anlagen über eine Software-Plattform. Bei einem Heimspeicher ohne PV misst ein lokaler Controller ständig Ladezustand, Leistung und Verfügbarkeit. Diese Daten gehen verschlüsselt an den Aggregator, der entscheidet, wann dein Akku laden oder entladen soll.

Für die Teilnahme sind kurze Messintervalle und eine zuverlässige Datenverbindung nötig, da Verfügbarkeit und Leistung minutengenau nachgewiesen werden müssen.

Technisch üblich sind Mess- und Steuerintervalle zwischen wenigen Sekunden und 15 Minuten, je nach Marktprodukt. Der Aggregator bündelt viele Haushalte, weil einzelne Heimspeicher die geforderten Mindestleistungen meist nicht allein erreichen. Studien zu Virtuellen Kraftwerken zeigen, dass Aggregation die Voraussetzung für Marktzugang ist, insbesondere bei Regelenergie.

Gleichzeitig muss der lokale Controller Sicherheitsgrenzen beachten. Ein Mindest-Ladezustand bleibt oft reserviert, damit du bei Bedarf noch Strom hast oder ein Notstrommodus funktioniert. Diese Reserve reduziert die tatsächlich vermarktbare Leistung.

Typische technische Anforderungen im VPP-Modell
Merkmal Beschreibung Wert
Messintervall Übermittlung von Leistungs- und SoC-Daten 5 Sekunden bis 15 Minuten
Aggregation Bündelung mehrerer Haushalte für Marktzugang Erforderlich bei vielen Produkten

Vergütung, Mindestverfügbarkeit und Vertragslogik

Die Erlösmodelle unterscheiden sich je nach Produkt. In der Praxis gibt es vor allem drei Formen: Zahlungen für bereitgestellte Leistung pro Kilowatt, Vergütung pro tatsächlich gelieferter Kilowattstunde und Erlöse aus Regelenergie- oder Flexibilitätsmärkten. Konkrete Beträge sind nicht einheitlich geregelt, sondern vertragsspezifisch.

Verträge definieren meist feste Verfügbarkeitsfenster. In diesen Zeiträumen musst du eine zugesagte Leistung bereithalten. Fällt dein Speicher aus oder ist der Ladezustand zu niedrig, kann eine Pönale greifen. Üblich sind Formeln, die eine Leistungsabweichung in Kilowatt oder eine Energiemenge in Kilowattstunden mit einem vertraglich festgelegten Satz multiplizieren.

Ein weiterer Punkt ist die Mindestgebotsgröße. Viele Märkte verlangen Leistungen, die deutlich über einem einzelnen Heimspeicher liegen. Deshalb bleibt die Rolle des Aggregators zentral. Marktberichte und wissenschaftliche Übersichten betonen, dass Wirtschaftlichkeit stark vom jeweiligen Marktsegment abhängt.

Für dich heißt das: Ohne Blick in die konkreten Vertragsklauseln zu Verfügbarkeit, Straflogik und Kündigungsfristen lässt sich kein belastbares Einnahmeszenario berechnen.

Für wen sich ein Heimspeicher ohne PV lohnen kann

Haushalte mit hohem und verschiebbarem Stromverbrauch profitieren eher. Ein Beispiel ist ein E-Auto, das überwiegend zu Hause lädt. In Kombination mit zeitvariablen Tarifen kann der Speicher günstig laden und bei hoher Nachfrage einspeisen.

Ohne E-Auto und ohne größere Lasten sinkt der Spielraum. Dann konkurriert die VPP-Nutzung mit deinem Eigenbedarf. Jede externe Entladung kann bedeuten, dass du später Strom teurer aus dem Netz beziehen musst.

Studien zur Effizienz von Heimspeichern zeigen zudem, dass die Rundtrip-Wirkungsgrade meist zwischen 85 und über 90 Prozent liegen. Verluste sind also real. Bei häufigen Zyklen steigt zusätzlich der Verschleiß. Diese Faktoren gehören in jede Wirtschaftlichkeitsrechnung.

Kurz gesagt: Wer ohnehin einen Speicher plant und flexible Lasten hat, kann zusätzliche Erlöse erzielen. Wer nur wegen der VPP-Vergütung investiert, sollte sehr genau rechnen.

Risiken: Degradation, Garantie, Daten und Notstrom

Jeder zusätzliche Lade- und Entladevorgang wirkt sich auf die Alterung der Batterie aus. Hersteller geben Garantien oft in Zyklen oder über eine bestimmte Restkapazität. Wenn das VPP-Modell deutlich mehr Zyklen verursacht als im Standardbetrieb, kann sich die Lebensdauer verkürzen.

Auch Garantie- und Haftungsfragen sind wichtig. Wer darf in die Steuerung eingreifen, und was passiert bei Fehlsteuerung? Einige Verträge sehen vor, dass der Aggregator Zugriff auf Leistungsparameter erhält. Das erhöht die Komplexität.

Ein weiteres Thema ist Resilienz. Wenn dein Speicher in ein Virtuelles Kraftwerk eingebunden ist, muss klar geregelt sein, ob ein Notstrom- oder Inselbetrieb jederzeit Priorität hat. Technisch lässt sich eine Mindestreserve definieren, doch das schmälert die vermarktbare Kapazität.

Schließlich spielt die Datenverbindung eine Rolle. Fällt die Internetverbindung aus, kann das als Nichtverfügbarkeit gewertet werden. Das Risiko liegt oft beim Betreiber des Speichers.

Fazit

Ein Virtuelles Kraftwerk battery-only eröffnet zusätzliche Erlösquellen für Heimspeicher, ersetzt aber keine solide Wirtschaftlichkeitsprüfung. Technisch ist die Einbindung erprobt, doch Vergütung, Mindestverfügbarkeit und Straflogik unterscheiden sich je nach Anbieter und Marktprodukt deutlich. Entscheidend sind deine Verbrauchsstruktur, flexible Lasten wie ein E-Auto und die konkreten Vertragsbedingungen.

Bevor du unterschreibst, prüfe Mindestleistung, Verfügbarkeitsfenster, Pönalen, Garantieauswirkungen und die Rolle des Notstrombetriebs. Nur wenn Einnahmen, Zusatzkosten und Verschleiß sauber gegeneinander gerechnet sind, ergibt sich ein realistisches Bild.

Teile deine Erfahrungen mit Heimspeicher und VPP-Modellen in den Kommentaren und diskutiere, welche Vertragsklauseln für dich entscheidend wären.

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