Verbrenner-Verbot 2035: EU öffnet Regeln – so trifft’s Deutschland

Stand: 07. February 2026
Berlin

Auf einen Blick

Verbrenner-Verbot 2035 bleibt rechtlich erst einmal bestehen – trotzdem hat die EU-Kommission im Dezember 2025 laut Reuters einen Kurswechsel angestoßen. Entscheidend ist: Es geht um Regeln für Neuwagen, nicht um Bestandsfahrzeuge. Für Deutschland wächst vor allem die Planungs- und Restwert-Unsicherheit.

Das Wichtigste

  • Rechtslage: Das EU-Ziel, dass neue Pkw ab 2035 faktisch nur noch ohne CO₂ am Auspuff zugelassen werden sollen, gilt bis zu einer möglichen Gesetzesänderung weiter.
  • Politik-Shift: Reuters berichtet, die EU-Kommission wolle die 2035-Linie nach Druck der Autoindustrie aufweichen – das ist (Stand heute) keine beschlossene Änderung, sondern politischer Vorlauf.
  • Deutschland-Effekt: Der VDA fordert in einer Stellungnahme mehr Flexibilität und verweist auf Infrastruktur und Verfügbarkeit klimafreundlicher Inputs – das erhöht die Unsicherheit für Investitionen, Leasing-Restwerte und den Gebrauchtwagenmarkt.

Einleitung: Verbrenner-Verbot 2035

Wenn du gerade über Kauf oder Leasing nachdenkst, ist das Timing nicht zufällig: Seit Monaten läuft in Brüssel eine Debatte, ob die EU das Verbrenner-Verbot 2035 in der Praxis entschärft. Der Punkt ist weniger Ideologie als Geld: Planungsunsicherheit kostet Hersteller, Zulieferer und am Ende auch dich – über Preise, Lieferentscheidungen und Restwerte.

Was neu ist

1) Die EU diskutiert einen Kurswechsel – aber noch ohne finalen Beschluss. Reuters berichtete Mitte Dezember 2025, die EU-Kommission wolle nach Lobbydruck der Autoindustrie von der harten 2035-Linie abrücken. Wichtig für dich: Solange Parlament und Rat nichts beschlossen haben, ändert sich an der geltenden Rechtslage nichts.

2) Parallel schiebt die Kommission Regeln für Firmenflotten an. Mit COM(2025)994 liegt ein Kommissionsvorschlag zu „clean corporate vehicles“ vor. Das zielt auf den großen Hebel „Dienstwagen/Flotten“ – also genau den Markt, der in Deutschland Neuwagenabsätze und den späteren Gebrauchtwagenstrom prägt.

3) Verbände positionieren sich öffentlich. Der VDA begrüßt grundsätzlich den Ansatz, verlangt aber mehr Flexibilität und verweist auf Voraussetzungen außerhalb der direkten Kontrolle der Hersteller (z. B. Infrastruktur und verfügbare klimafreundliche Inputs).

Faktencheck (Stand 07.02.2026): In belastbaren Quellen finden sich aktuell Berichte und Vorschläge über eine Aufweichung, aber keine von Parlament und Rat verabschiedete neue 2035-Regel. Deshalb behandeln wir Details zu möglichen Ausnahmen/Quoten nicht als feststehend, solange der konkrete Gesetzestext nicht final beschlossen ist.

Was das für dich bedeutet

Für Deutschland geht es jetzt vor allem um zwei Dinge: Investitions-Timing und Restwert-Risiko. Ein politisch „weicheres“ 2035-Signal kann kurzfristig Druck aus dem System nehmen – es kann aber auch genau die Unsicherheit verlängern, die Produktionsplanung so teuer macht.

Hersteller & Produktionsplanung: Deutsche OEMs planen Modellzyklen über viele Jahre. Wenn Brüssel das Ziel neu justiert, müssen Entwicklungsbudgets, Plattform-Strategien und Kapazitäten neu gerechnet werden. Das kann sich auf Neuwagenpreise auswirken, weil Unternehmen Risikoaufschläge einpreisen oder Programme verschieben.

Zulieferer: Für viele Mittelständler entscheidet der Pfad (schneller Umstieg vs. längerer Parallelbetrieb), ob Investitionen in neue Fertigung sich rechnen. Je unklarer der Pfad, desto eher entstehen „Warteschleifen“: weniger Mut zu großen Umrüstungen, aber weiter laufende Kosten im Bestand.

Gebrauchtwagenmarkt: Für Privatkäufer ist die wichtigste Wahrheit banal: Das 2035-Ziel betrifft Neuzulassungen, nicht deinen bestehenden Wagen. Trotzdem beeinflusst Politik die Nachfrage nach gebrauchten Verbrennern – und damit Restwerte. Leasinggesellschaften kalkulieren Restwerte über 3–5 Jahre: Je größer die Unsicherheit über Regeln und Nachfrage, desto eher steigen Leasingraten oder es werden strengere Vertragskonditionen üblich.

Faktenbox: Was das für dich als Käufer bedeutet

  • Du darfst deinen Verbrenner nach 2035 weiter fahren. Die Debatte dreht sich um neue Autos.
  • Leasing: Achte auf garantierten Restwert / Rückgaberegeln, Kilometer- und Schadenkatalog. Im Zweifel lieber kürzere Laufzeit statt 5 Jahren.
  • Kauf: Wenn du das Auto lange fährst (7–10 Jahre), zählt weniger der Wiederverkauf 2030+, sondern Betriebskosten und Alltagstauglichkeit. Wenn du nach 3–4 Jahren wieder verkaufen willst, ist Restwert-Sicherheit heute ein größeres Thema.

Förderprogramme & Preise: Ob und wie nationale Förderungen angepasst werden, hängt nicht nur von Brüssel, sondern stark von der deutschen Politik ab. Was du aber bereits jetzt einkalkulieren solltest: Wenn Firmenflotten (Dienstwagen) stärker auf „sauber“ umgestellt werden, kann das mittelfristig das Angebot an gebrauchten E-Autos erhöhen – und damit Preise im Gebrauchtmarkt drücken. Umgekehrt kann ein längerer Verbrenner-Parallelmarkt kurzfristig Gebraucht-Verbrenner stabilisieren, aber das ist ohne Transaktionsdaten kein sicherer Trend.

Wie es weitergeht

Entscheidend ist das Gesetzgebungsverfahren. Selbst wenn die EU-Kommission eine Änderung der 2035-Regeln anstößt, braucht es dafür die Zustimmung von Europäischem Parlament und Rat. Bis dahin bleibt das geltende Regelwerk der Maßstab für Hersteller-Strategien, Flotten und Leasingkalkulationen.

Was du beobachten solltest: (1) Ob aus politischen Ankündigungen ein konkreter, veröffentlichter Gesetzestext wird, (2) wie sich Firmenflotten-Regeln entwickeln und (3) welche Signale Leasinggesellschaften bei Restwerten senden (Raten, Laufzeiten, Rückgabe-„Schärfe“). Das ist oft der früheste „Markt-Read“ auf die tatsächliche Richtung.

Fazit

Der EU-Kurswechsel rund um das Verbrenner-Verbot 2035 ist aktuell vor allem eins: ein Signal, das die Unsicherheit verlängert. Für Deutschland trifft das besonders Hersteller, Zulieferer und den großen Dienstwagenmarkt – und damit indirekt Leasingraten und Restwerte. Für Privatnutzer gilt: Nicht hektisch handeln, aber Verträge und Wiederverkaufspläne sauber absichern.

Planst du gerade Kauf oder Leasing? Welche Laufzeit würdest du heute noch unterschreiben – und warum?

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