Utilitas nimmt 1,1-GWh-Fernwärmespeicher in Tallinn in Betrieb

Stand: 12. February 2026, 13:46 Uhr
Berlin

Auf einen Blick

Der estnische Fernwärmeversorger Utilitas hat in Tallinn einen Fernwärme-Speicher mit 1,1 GWh Kapazität in Betrieb genommen. Der Wassertank soll Lastspitzen ausgleichen und die Einbindung unterschiedlicher Wärmeerzeuger erleichtern. Das Projekt gilt in der Region als Großanlage und wurde auch mit EU-Mitteln kofinanziert.

Das Wichtigste

  • Utilitas hat am Energiekomplex Väo in Tallinn einen 1,1-GWh-Fernwärme-Speicher eröffnet.
  • Die Anlage arbeitet mit einem rund 20.000 m³ großen Wassertank und ist auf 80 MW Leistung ausgelegt; die Investitionssumme liegt laut Utilitas bei rund 8 Mio. Euro.
  • Der Speicher soll im Tallinner Fernwärmesystem vor allem kurzfristige Schwankungen abfedern; als Kofinanzierung nennt Utilitas 675.000 Euro aus NextGenerationEU-Mitteln.

Ereignis

Utilitas hat in Tallinn nach eigenen Angaben den größten thermischen Wärmespeicher der baltischen Staaten in Betrieb genommen. Die Anlage soll die Fernwärmeerzeugung zeitlich entkoppeln und damit die Systemführung im Tagesverlauf flexibilisieren. In Estland ist Fernwärme in den Städten ein zentraler Baustein der Wärmeversorgung.

Technische Eckdaten und Finanzierung

Laut Utilitas verfügt der Fernwärme-Speicher über eine Energiemenge von 1.100 MWh (1,1 GWh) und eine Leistung von 80 MW. Der Speicher basiert auf einem Wasserbehälter mit rund 20.000 m³ Volumen; die Tankkonstruktion wird mit etwa 42 Metern Höhe und 26 Metern Durchmesser beschrieben. Als Auftragnehmer nennt Utilitas Granitor Rodoverken, das zur Bilfinger-Gruppe gehört. Die Projektkosten beziffert Utilitas auf rund 8 Mio. Euro; zusätzlich verweist das Unternehmen auf eine Kofinanzierung in Höhe von 675.000 Euro aus NextGenerationEU-Mitteln.

Wichtig: Angaben zu Wärmeverlusten im Betrieb und zum verwendeten Temperaturbereich sind bislang offen.

Bedeutung für Deutschland und Europa

Große Fernwärme-Speicher gelten in europäischen Fernwärmenetzen als etablierte Infrastruktur, um Erzeugung und Nachfrage kurzfristig zu verschieben. Für Deutschland kann ein Projekt dieser Größenordnung als Referenz für die Skalierung dienen, etwa bei der Einbindung verschiedener Wärmeerzeuger in städtischen Netzen. Unmittelbare Auswirkungen auf deutsche oder europäische Regulierung ergeben sich aus der Inbetriebnahme in Tallinn nicht; die Umsetzung hängt in der Praxis von Netztemperaturen, Flächenverfügbarkeit und lokaler Wärmelast ab.

Wie es weitergeht

Entscheidend wird sein, wie der Speicher im Tallinner Netz gefahren wird und welche Betriebsdaten sich in der Praxis ergeben, etwa zur Nutzung über Tageszyklen. Utilitas verknüpft die Anlage nach eigenen Angaben mit dem Betrieb des Energiekomplexes Väo; weitere Angaben zu einer möglichen Ausweitung vergleichbarer Speicherkapazitäten in Tallinn wurden in den Mitteilungen nicht konkretisiert.

Einordnung

Mit 1,1 GWh Kapazität gehört der Tallinner Fernwärme-Speicher zu den großdimensionierten Wasser-Tankspeichern im europäischen Vergleich und richtet sich erkennbar auf kurzfristige Systemflexibilität. Die veröffentlichte Projektbeschreibung belegt die industrielle Skalierung der Technik; belastbare Aussagen zur Effizienz im Alltag hängen von Betriebsdaten ab.

Diskussionspunkt: In welchem Umfang sollten großvolumige Fernwärme-Speicher in kommunalen Wärmeplänen und Investitionsprogrammen berücksichtigt werden?

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