Auf einen Blick
Eine neue Analyse des Oxford Institute for Energy Studies beziffert, wie stark Netzengpässe in Großbritannien zusätzliche Erneuerbaren-Leistung ausbremsen können. Für große Projekte wie einen UK-Solarpark im Bereich von 530 MW bedeutet das: Die Wirkung auf Großhandelspreise hängt stärker vom Netzanschluss und von Abregelung ab als von der installierten Leistung.
Das Wichtigste
- Das Oxford Institute for Energy Studies (OIES) hat im Februar 2026 eine Modellstudie zu Netzengpässen und Abregelung im britischen Stromsystem (Blick auf 2030) veröffentlicht.
- Die Studie weist je nach Zone eine hohe „marginale Abregelung“ für zusätzliche Erzeugung aus, bei Solarenergie im Modell teils bis rund 0,26.
- Damit sinkt die tatsächlich ins Netz gelieferte Strommenge zusätzlicher Anlagen und die erwartete preisdämpfende Wirkung kann sich regional deutlich abschwächen.
Netz begrenzt zusätzlichen Solarstrom
Netzengpässe in Großbritannien können den Effekt neuer, großer Solarparks auf den Strommarkt deutlich begrenzen. Das geht aus einer im Februar veröffentlichten Analyse des Oxford Institute for Energy Studies hervor. Die Autoren quantifizieren, wie stark zusätzliche Erzeugung in einzelnen Netzregionen abgeregelt wird und wie sich dadurch die ökonomische Wirkung verschiebt.
Neue Zahlen zur Abregelung unter Netzengpässen
Die OIES-Studie modelliert die britische Stromversorgung mit internen Übertragungsgrenzen zwischen Zonen und berechnet die „marginale Abregelung“ für zusätzliche Leistung. Für besonders engpassgeprägte Regionen weist die Analyse bei Onshore-Wind im Modell Werte um 0,47 bis 0,48 aus. Für Photovoltaik liegen die Werte je nach Zone niedriger, erreichen im Modell aber bis zu rund 0,26. In der Logik der Studie steigt damit der aus festen Kosten abgeleitete Grenzkostenmaßstab der gelieferten Energie, weil ein Teil der potenziellen Erzeugung nicht eingespeist wird.
In Planungsunterlagen für ein britisches Infrastrukturvorhaben taucht zudem eine Größenordnung auf, die in der aktuellen Projektpipeline häufiger wird. In der nichttechnischen Zusammenfassung der Umweltverträglichkeitsunterlagen zum NSIP-Verfahren „Dogger Bank South“ ist von „11 neuen Solarparks mit zusammen 530 MW“ die Rede, ohne konkrete Angaben zu einzelnen Standorten oder Netzanschlüssen.
Folgen für Strompreise und Systemkosten
Für den Strommarkt bedeutet hohe Abregelung, dass zusätzliche Erzeugung in Engpassstunden nicht oder nur teilweise in niedrigere Preise umgesetzt wird. Stattdessen nimmt in den betroffenen Regionen der Bedarf an Netzmaßnahmen zu, etwa durch Abregelung und Umleitung von Stromflüssen. Das kann die Differenz zwischen regionalem Überschuss und nationaler Nachfrage vergrößern und die Bedeutung von Netzkapazitäten und Flexibilität erhöhen.
Für europäische Nachbarmärkte sind mögliche Effekte vor allem über den Stromhandel relevant. Die Studie trifft dazu keine Aussage, sie macht jedoch deutlich, dass die verfügbare Transportkapazität innerhalb Großbritanniens darüber mitentscheidet, wie viel zusätzlicher Solarstrom überhaupt export- und marktwirksam wird.
Netzausbau und Marktregeln rücken in den Vordergrund
Die Studie stützt die Einschätzung, dass der Ausbau von Erzeugungskapazität und der Ausbau der Netzinfrastruktur in Großbritannien enger zusammenlaufen müssen. National Grid ESO und die Regulierungsbehörden arbeiten parallel an Netzentwicklungs- und Reformprozessen, die Engpässe und Kosten der Systemführung adressieren sollen. Welche konkreten Maßnahmen priorisiert werden, hängt unter anderem von Genehmigungen, Investitionsprogrammen und der Ausgestaltung von Marktsignalen für Standorte ab.
Fazit
Die OIES-Analyse quantifiziert, dass Netzengpässe im britischen System einen spürbaren Teil zusätzlicher Erneuerbaren-Erzeugung in einzelnen Regionen abregeln können. Für große Vorhaben wie einen UK-Solarpark im Bereich von 530 MW verschiebt sich damit der Fokus von der installierten Leistung auf Netzanschluss, Abregelungsrisiko und Flexibilitätsoptionen. Die Frage, ob neue Solarleistung den Strompreis senkt, wird damit stärker eine Frage des Netzes als der Module.





