Strompreis sinkt: Warum viele Tarife günstiger werden

Der Strompreis bewegt sich wieder nach unten, und viele Versorger kündigen Preissenkungen an. Grundlage sind gesunkene Großhandelspreise, aber auch Veränderungen bei Netzentgelten und staatlichen Preisbestandteilen. Für Haushalte und kleine Betriebe heißt das: Wer seinen Stromtarif prüft, kann sparen. Dieser Artikel erklärt verständlich, wie sich der Strompreis zusammensetzt, warum Anbieter jetzt günstiger einkaufen können und worauf du beim Stromtarif wechseln achten solltest.

Einleitung

Die Stromrechnung gehört zu den festen Posten im Monat. Wenn Anbieter nun Preissenkungen ankündigen, klingt das erst einmal gut. Viele fragen sich trotzdem, ob die Entlastung wirklich ankommt oder nur ein Werbeversprechen bleibt.

Tatsächlich sind die Preise an der Strombörse in den Jahren 2024 und 2025 deutlich unter den Spitzenwerten der Energiekrise geblieben. Die Bundesnetzagentur nennt für 2024 einen durchschnittlichen Day-Ahead-Preis von 78,51 Euro pro Megawattstunde. 2025 lag der Wert bei 89,32 Euro pro Megawattstunde. Diese Großhandelspreise sind ein zentraler Baustein für den Strompreis, den du als Endkunde zahlst.

Gleichzeitig setzen Regulierer an anderen Stellschrauben an, etwa bei den Netzentgelten. Zusammengenommen führt das dazu, dass viele Stromtarife 2026 günstiger kalkuliert werden können. Entscheidend ist, wie stark dein Anbieter die gesunkenen Beschaffungskosten weitergibt.

Großhandel: Die Beschaffung wird günstiger

Versorger kaufen Strom am Großhandelsmarkt ein. Maßgeblich ist oft der sogenannte Day-Ahead-Preis. Das ist der Preis, der einen Tag vor der Lieferung an der Börse festgelegt wird. Sinkt dieser Wert im Jahresdurchschnitt, können Anbieter ihre Tarife neu kalkulieren.

Laut Bundesnetzagentur lag der durchschnittliche Day-Ahead-Preis 2024 bei 78,51 Euro pro Megawattstunde. Das entsprach einem Rückgang von 17,5 Prozent gegenüber 2023. 2025 stieg der Wert zwar wieder auf 89,32 Euro pro Megawattstunde, blieb aber unter den Krisenjahren.

Der Großhandelspreis ist ein zentraler Treiber für Endkundentarife, weil er direkt in die Beschaffungskosten der Lieferanten eingeht.

Für Haushalte ist wichtig: Der Börsenpreis macht nur einen Teil des Endpreises aus. Monitoring-Daten der Bundesnetzagentur zeigen, dass selbst bei deutlichen Schwankungen am Großhandelsmarkt nicht automatisch der gesamte Strompreis im gleichen Maß steigt oder fällt. Zwischen Januar und Oktober 2024 sanken die Preise für Neukunden im Schnitt um rund 3 Prozent. Das zeigt, dass Bewegungen am Markt mit Verzögerung und abgeschwächt beim Endkunden ankommen.

Ausgewählte Großhandelswerte laut Bundesnetzagentur
Jahr Durchschnitt Day-Ahead-Preis Veränderung zum Vorjahr
2024 78,51 €/MWh -17,5 %
2025 89,32 €/MWh +13,8 %

Netzentgelte und staatliche Bestandteile

Der Strompreis setzt sich nicht nur aus der reinen Energie zusammen. Ein erheblicher Teil entfällt auf Netzentgelte, also die Gebühren für Transport und Verteilung des Stroms, sowie auf Steuern und Umlagen. Diese Posten werden staatlich oder regulatorisch festgelegt.

Die Bundesnetzagentur hat 2024 und 2025 Anpassungen bei der Struktur der Netzentgelte angestoßen. Ziel ist es, Regionen mit hohem Anteil erneuerbarer Energien zu entlasten, in denen der Netzausbau besonders stark ins Gewicht fällt. Das kann dazu führen, dass Kunden in bestimmten Gebieten niedrigere Netzgebühren zahlen.

Für dich als Endkunde ist entscheidend, dass selbst bei gleichbleibendem Verbrauch unterschiedliche Regionen verschiedene Endpreise haben. Während der Großhandel bundesweit wirkt, sind Netzentgelte regional. Deshalb können zwei Haushalte mit identischem Verbrauch unterschiedliche Strompreise sehen.

Was das für Haushalte und kleine Betriebe bedeutet

Wenn Anbieter günstiger einkaufen, entsteht Spielraum für Preissenkungen. Ob dieser Spielraum genutzt wird, hängt vom Wettbewerb ab. In vielen Regionen ist der Markt für Stromtarife stark umkämpft. Neue Kunden profitieren häufig zuerst von sinkenden Preisen.

Kleine Betriebe mit überschaubarem Jahresverbrauch stehen vor einer ähnlichen Situation wie Haushalte. Auch hier fließen Großhandelspreise, Netzentgelte und staatliche Bestandteile in die Kalkulation ein. Wer in einem Tarif mit kurzer Preisbindung steckt, spürt Änderungen meist schneller als jemand mit langer Preisgarantie.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Bestands- und Neukundentarifen. Monitoring-Daten zeigen, dass Preisrückgänge bei Neuverträgen oft früher sichtbar werden. Wer seit Jahren im gleichen Vertrag ist, zahlt unter Umständen mehr als nötig.

Stromtarif wechseln: Die kurze Checkliste

Ein Stromtarif wechseln ist kein bürokratischer Kraftakt, aber ein paar Punkte solltest du prüfen. Zuerst die Kündigungsfrist deines aktuellen Vertrags. Viele Tarife haben Fristen von vier Wochen zum Laufzeitende. Verpasst du sie, verlängert sich der Vertrag.

Zweitens lohnt sich ein Blick auf die Preisgarantie. Eine eingeschränkte Garantie deckt oft nur den Energiepreis ab, nicht jedoch Steuern oder Netzentgelte. Drittens solltest du Boni realistisch einordnen. Ein hoher Neukundenbonus kann den Preis im ersten Jahr drücken, danach steigt der Tarif.

Schließlich ist der Abschlag wichtig. Er basiert auf deinem geschätzten Jahresverbrauch. Ist er zu hoch, bindest du unnötig Liquidität. Ist er zu niedrig, droht eine Nachzahlung. Mit diesen Punkten im Blick kannst du beurteilen, ob eine angekündigte Preissenkung für dich wirklich relevant ist.

Fazit

Der Strompreis sinkt in vielen Tarifen, weil sich die Lage am Großhandelsmarkt entspannt hat und regulatorische Anpassungen bei Netzentgelten wirken. Die Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen, dass die extremen Ausschläge der Krisenjahre hinter dem Markt liegen. Trotzdem besteht der Endpreis aus mehreren Bausteinen, und nicht jeder Rückgang an der Börse landet eins zu eins auf deiner Rechnung. Wer seinen Vertrag prüft und Angebote vergleicht, kann die aktuellen Spielräume nutzen.

Prüfe deinen aktuellen Tarif in Ruhe und teile den Artikel, wenn er dir beim Einordnen der Strompreise geholfen hat.

In diesem Artikel

Newsletter

Die wichtigsten Tech- & Wirtschaftsthemen – 1× pro Woche.

Avatar von Artisan Baumeister

→ Weitere Artikel des Autors

Newsletter

Einmal pro Woche die wichtigsten Tech- und Wirtschafts-Takeaways.

Kurz, kuratiert, ohne Bullshit. Perfekt für den Wochenstart.

[newsletter_form]