Strompreis im Griff: Uniper sichert Solarstrom für 10 Jahre

Stand: 04. February 2026
Berlin

Auf einen Blick

Strompreis absichern statt hoffen: Uniper hat einen 10‑Jahres‑PPA für Solarstrom aus Wilhelmshaven gemeldet. Solche Langfristverträge stabilisieren Kosten für Unternehmen und geben neuen Solarparks Finanzierungssicherheit. Für Haushalte sinkt die Rechnung dadurch nicht automatisch – weil Netzentgelte, Steuern und Abgaben getrennt vom Energiepreis laufen.

Das Wichtigste

  • Uniper meldet einen 10‑jährigen physischen Stromliefervertrag (PPA), der NKT Solarstrom aus dem Projekt Voslapper Groden (Wilhelmshaven) sichern soll.
  • Das Solarprojekt ist mit 17,2 MWp angegeben und soll laut Uniper rund 17.872 MWh pro Jahr liefern; als Zieltermin nennt Uniper den 31.01.2027 (TCOD).
  • Ein Vertragspreis wurde öffentlich nicht genannt – und: Ein PPA ist Industrie-Beschaffung, kein Haushaltstarif.

Einleitung

Wenn dein Strompreis schon mal sprunghaft gestiegen ist, kennst du das Gefühl: Man hat keinen Hebel. Unternehmen haben einen – sie kaufen Strom oft Jahre im Voraus. Genau darum geht es beim aktuellen Uniper‑Deal: Ein PPA ist im Kern eine Preis- und Mengenversicherung gegen die nächste große Welle am Strommarkt. Die spannende Frage für Deutschland: Wirkt so etwas irgendwann auch auf die Tarife zu Hause?

Was neu ist

Uniper hat am 04.02.2026 mitgeteilt, einen zehnjährigen physischen Power Purchase Agreement (PPA) abgeschlossen zu haben: NKT soll Strom aus dem Solarprojekt Voslapper Groden in Wilhelmshaven beziehen. Uniper nennt für den Solarpark eine Größe von 17,2 MWp und eine erwartete Jahresproduktion von 17.872 MWh. Als Ziel für die kommerzielle Inbetriebnahme (TCOD) wird der 31.01.2027 angegeben. Nach Angaben von Uniper umfasst die Vereinbarung zudem die Herkunftsnachweise (Guarantees of Origin) für die erzeugte Energie.

Faktencheck: Diese Projekt- und Vertragsdaten stammen aus der Uniper‑Mitteilung bzw. der Uniper‑Projektbeschreibung. Nicht öffentlich sind zentrale Details wie der konkrete Preis, die Preislogik (fix oder indexiert) und wer Risiken wie Abregelung oder Ausgleichsenergie trägt. Deshalb lässt sich nicht seriös berechnen, „wie günstig“ der Strom eingekauft wurde.

Was das für dich bedeutet

1) Erstmal: Was ist ein PPA?
Ein Power Purchase Agreement ist ein langfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger (oder Vermarkter) und einem Abnehmer. „Langfristig“ heißt in der Praxis oft mehrere Jahre bis über ein Jahrzehnt. Es gibt grob zwei Bauformen: physische PPAs (Strom wird tatsächlich geliefert/abgerechnet) und virtuelle/finanzielle PPAs (Differenzgeschäft, der Strom bleibt im Markt). Uniper spricht hier ausdrücklich von einem physischen PPA.

2) Warum machen Firmen das – und was hat das mit deinem Geldbeutel zu tun?
Unternehmen nutzen PPAs, um den Strompreis planbar zu machen. Je nach Vertrag kann der Preis fix sein (z. B. ein fester €/MWh‑Wert) oder indexiert (z. B. an Börsenpreise gekoppelt, oft mit Zu- oder Abschlägen, teils mit Mindest-/Höchstgrenzen). Der Nutzen ist klar: Budget-Sicherheit statt „wir schauen mal, was der Markt macht“.

3) Und warum spürst du das als Haushalt nicht sofort?
Dein Haushaltstarif setzt sich nicht nur aus der Energie selbst zusammen. In Deutschland hängen am Strompreis außerdem Netzentgelte sowie Steuern und weitere staatlich geprägte Preisbestandteile. Selbst wenn mehr Solar‑PPAs langfristig das Angebot an erneuerbarem Strom im Markt erhöhen und damit tendenziell den Großhandelsanteil drücken, bleiben diese anderen Bestandteile nicht automatisch niedriger. Genau diese Trennung erklärt, warum „billigerer Strom an der Börse“ nicht 1:1 bei dir ankommt.

4) Wer profitiert, wer nicht – und wo liegen die Grenzen?
Profitieren können (a) Abnehmer, die Preissprünge glätten, und (b) Projektentwickler/Finanzierer, weil feste Abnahmeverträge neue Solarparks „bankfähig“ machen. Nicht automatisch profitieren Haushalte, weil sie nicht Vertragspartner sind – und weil Netz/Steuern eigene Logiken haben. Grenzen sind außerdem: Erzeugung passt nicht zu jeder Stunde (Solar liefert mittags, wenig abends), und Vertragsdetails wie Abregelungs- oder Bilanzkreisrisiken entscheiden, ob ein PPA am Ende wirklich „entspannt“ ist.

Wie es weitergeht

Der nächste überprüfbare Meilenstein ist der von Uniper genannte Zieltermin für die kommerzielle Inbetriebnahme: 31.01.2027. Spannend wird außerdem, ob mehr Industrie in Deutschland ähnliche Langfristverträge abschließt – dann steigt der Anteil erneuerbarer Projekte, die ohne klassische Förderung auskommen und trotzdem finanziert werden können. Für Haushalte bleibt entscheidend, wie Energieversorger den Beschaffungsanteil in Tarifen weitergeben – und wie sich Netzentgelte und staatliche Preisbestandteile entwickeln.

Fazit

Unipers 10‑Jahres‑PPA zeigt den nüchternen Mechanismus hinter vielen „Green Power“-Schlagzeilen: Unternehmen kaufen Preisstabilität, und Solarprojekte bekommen Investitionssicherheit. Das kann die Energiewende beschleunigen, weil neue Anlagen leichter finanziert werden. Aber: Dein Haushalt‑Strompreis hängt nur zum Teil am Großhandel – der Rest kommt aus Netz und Abgaben. PPAs sind deshalb ein wichtiger Baustein, aber kein Shortcut zu sofort billigeren Rechnungen im Wohnzimmer.

Würdest du bei deinem Stromvertrag eher einen Fixpreis über mehrere Jahre wählen – oder lieber flexibel bleiben, auch wenn der Preis wieder springen kann?

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