Streaming-Abgabe: Wer zahlt – und steigen Abo-Preise?

Stand: 05. February 2026
Berlin

Auf einen Blick

Die Streaming-Abgabe (als Abgabe oder Investitionspflicht) bleibt in Deutschland politisch umkämpft – und genau das kann am Ende bei dir landen: über höhere Abo-Preise, weniger Rabatte oder kleinere Programm-Budgets. Noch ist nichts final: Entscheidend sind Prozent-Satz, Schwellenwerte und ob Investitionen in deutsche Produktionen angerechnet werden.

Das Wichtigste

  • EU-Recht setzt den Rahmen: Für Abrufdienste gilt in der EU u.a. die Pflicht zu mindestens 30% europäischen Werken im Katalog plus „Prominenz“ in der Oberfläche (AVMSD, konkretisiert durch EU-Leitlinien).
  • Deutschland diskutiert zusätzliche Pflichten: In der Branche geht es aktuell um eine mögliche Investitionsverpflichtung/Abgabe für Streamer – Medienberichte beschreiben einen offenen Streit zwischen Produzenten- und Anbieter-Seite.
  • Es gibt einen Präzedenzfall: Branchenmedien berichteten schon 2019 über Vereinbarungen, dass große Streamer zur deutschen Filmförderung beitragen – das Thema „Wer zahlt?“ ist also nicht neu.

Einleitung

Wenn Politik in Berlin über eine Streaming-Abgabe spricht, klingt das erst mal wie ein reines Branchen-Thema. In der Praxis ist es eine Alltagsfrage: Zahlen Streamer und Sender selbst – oder wandert das über Preiserhöhungen und gestrichene Deals zu dir? Genau das entscheidet sich an den Details: Wie hoch wäre der Satz, ab welcher Umsatzschwelle greift er, und ob Anbieter statt „Cash“ auch direkt in Produktionen investieren dürfen.

Was neu ist

Die Debatte um eine verpflichtende Investitionsregel für Streamer dreht eine weitere Runde. Branchenberichte (u.a. DecodeTV, Stand 04.02.2026) schildern, dass Produzentenverbände eine gesetzliche Pflicht zur Finanzierung lokaler Inhalte vorantreiben, während Teile der Anbieterseite (z.B. Verbände) eher auf freiwillige Modelle und andere Mechanismen setzen. Wichtig: Zum heutigen Stand ist entscheidend, dass es (noch) auf das konkrete Gesetzesdesign ankommt – also ob Deutschland eine echte Abgabe (Zahlung an einen Fonds), eine Investitionspflicht (direkt in Produktionen) oder ein Mischmodell wählt, welche Umsätze als Basis zählen und welche Anbieter wegen Schwellenwerten ausgenommen würden.

Was das für dich bedeutet

1) Wer zahlt am Ende – Anbieter oder du?
Eine Abgabe/Investitionspflicht trifft formal zunächst den Anbieter (Streamer, teils auch Plattformen je nach Modell). In der Realität haben Unternehmen drei Stellschrauben: Preise anheben, Rabatte kürzen (z.B. weniger „3 Monate zum halben Preis“) oder Ausgaben verschieben (weniger Lizenzen, weniger Marketing). Welche Variante wahrscheinlicher ist, hängt von Konkurrenzdruck und Vertragsstrukturen ab – das lässt sich seriös erst bewerten, wenn der endgültige Text und der Satz feststehen.

2) So funktioniert eine Investitionsabgabe in einfachen Worten
Typisch sind in Europa zwei Bauarten: (a) Prozent vom Inlandsumsatz (z.B. X% der in Deutschland erzielten Erlöse) als Zahlung in einen Film-/Medienfonds, oder (b) Investitionspflicht, bei der Anbieter einen Anteil ihres Umsatzes direkt in lokale Produktionen stecken dürfen/müssen (teilweise als „Credit“ anrechenbar). Frankreich gilt hier als bekanntes Beispiel mit etablierten Beitrags-/Investitionsmechanismen über die CNC.

3) Rechenbeispiel (nur Größenordnung): Was wären 1–2% beim Abo?
Wenn man eine Belastung vereinfacht auf ein Abo umlegt (in der Praxis hängt es am Anbieterumsatz und ist meist netto, also ohne Umsatzsteuer), ergibt sich: 9,99 € × 1% ≈ 0,10 € pro Monat, 9,99 € × 2% ≈ 0,20 € pro Monat. Das wirkt klein – aber bei Millionen Kunden sind das relevante Summen. Außerdem können Anbieter Kosten auch indirekt weitergeben, etwa über weniger Bündel-Rabatte oder das Ende besonders günstiger Einstiegspreise.

4) Welche Inhalte profitieren könnten
Der politische Zweck ist meist klar: mehr Geld für deutsche/europäische Produktionen (Serien, Filme, Dokus) und stärkere Sichtbarkeit. Das passt zum EU-Rahmen: Die EU verlangt bei Abrufdiensten ohnehin 30% europäische Werke im Katalog und „Prominenz“ in der Präsentation; nationale Investitionsmodelle setzen dann obendrauf mit Finanzierung.

5) Was das für Verfügbarkeit in Deutschland bedeuten kann
Für große Plattformen ist eine zusätzliche Pflicht eher eine Kostenposition. Für kleinere Spezial-Streamer kann es dagegen am Marktstart knabbern: Mehr Berichtspflichten, Audit-Risiko und Fixkosten können dazu führen, dass ein Dienst Deutschland später priorisiert – oder sein Angebot schlanker hält. Ob das so kommt, hängt stark von Schwellenwerten und Ausnahmen ab.

Wie es weitergeht

Bevor du mit höheren Preisen rechnest, zählt nur eins: der finale Gesetzestext. Achte in den nächsten Wochen/Monaten auf drei Signale: (1) Gilt eine reine Abgabe (Zahlung) oder eine Investitionspflicht (direkte Produktion als Anrechnung)? (2) Welche Umsatzbasis zählt (Abo, Werbung, transaktional; brutto/netto) und welche Schwellenwerte schützen kleine Anbieter? (3) Welche Übergangsfristen gibt es? Für Deutschland ist außerdem relevant, wie sich die Umsetzung mit bestehenden Regeln (EU-Rahmen über die AVMSD, nationale Filmförderstrukturen) verzahnt und welche Behörde/Institution die Details operationalisiert.

Fazit

Eine Streaming-Abgabe kann bei dir ankommen – sie muss es aber nicht sofort. Die politische Logik ist: Streamer finanzieren stärker deutsche/europäische Inhalte. Die Konsumenten-Logik ist: Anbieter suchen Wege, zusätzliche Lasten auszugleichen – oft über Preise oder weniger Promotions. Solange in Berlin noch um Modell, Satz und Ausnahmen gerungen wird, ist das Ergebnis offen. Für dich heißt das: Preisschilder im Auge behalten – und auf die Details achten, nicht auf Schlagworte.

Würdest du 0,10–0,20 € pro Monat mehr akzeptieren, wenn dafür garantiert mehr deutsche Serien und Filme entstehen – oder erwartest du eher, dass Streamer an anderer Stelle sparen?

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