Die kurzfristige Teil-Schließung der Straße von Hormus im Februar 2026 hat die Energiemärkte spürbar nervös gemacht. Für Deutschland stellt sich die Frage, welche Auswirkungen das auf Gas-, Strom- und Spritpreise hat. Der Energie-Lage-Check zeigt, wie stark Rohöl, LNG und der europäische Gaspreis TTF auf solche Störungen reagieren, welche Rolle Risikoaufschläge spielen und wie gut die EU derzeit abgesichert ist.
Einleitung
Wenn in der Straße von Hormus Schiffe nicht frei passieren können, schauen Tankstellen, Energieversorger und Börsenhändler gleichzeitig auf ihre Bildschirme. Für dich als Haushalt oder kleinen Betrieb heißt das: Wird Tanken teurer, steigen Gasabschläge, zieht der Strompreis an? Genau diese Kette interessiert jetzt.
Am 17.02.2026 berichtete Reuters, dass Teile der Meerenge vorübergehend wegen Militärübungen geschlossen wurden. Auch wenn die Maßnahme zeitlich begrenzt war, zeigt sie, wie empfindlich das globale Energiesystem auf Engstellen reagiert. Durch die Straße von Hormus läuft ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und LNG-Transports.
Für Deutschland geht es weniger um direkte Lieferungen aus dem Persischen Golf, sondern um Preiswirkungen auf den Weltmärkten. Öl, Gas und Strom werden an Börsen gehandelt. Schon die Sorge vor Unterbrechungen führt zu Risikoaufschlägen. Wie stark das durchschlägt, hängt von Dauer, Lagerbeständen und Alternativen ab.
Was ist passiert – und warum Hormus zählt
Die Straße von Hormus ist eine schmale Meerenge zwischen Iran und Oman. Täglich passieren dort nach gängigen Marktangaben rund 18 bis 20 Millionen Barrel Rohöl. Ein Barrel entspricht etwa 159 Litern. Dazu kommen große Mengen Flüssigerdgas, also LNG, das per Spezialtanker nach Europa und Asien verschifft wird.
Laut Reuters wurden Teile der Passage im Februar 2026 zeitweise gesperrt. Solche Ereignisse lösen an den Märkten meist sofortige Reaktionen aus. Händler kalkulieren dann ein, dass sich Transporte verzögern oder Versicherungsprämien steigen.
Die Internationale Energieagentur beschreibt in ihrem “Global Gas Security Review 2024”, wie empfindlich LNG-Lieferketten auf Störungen reagieren. Bereits Umleitungen über längere Routen erhöhten 2024 die sogenannte Tonnenmeilen-Nachfrage um rund 11 Prozent. Das heißt: Schiffe sind länger unterwegs, Flotten werden knapper, Frachtraten steigen.
Für Europa ist das relevant, weil seit 2022 deutlich mehr LNG importiert wird. Fällt ein Engpass wie Hormus auch nur vorübergehend aus, preisen Märkte diese Unsicherheit ein. Ob daraus ein kurzer Ausschlag oder eine längere Phase höherer Preise wird, entscheidet sich an zwei Punkten: Wie lange dauert die Störung und wie voll sind die Speicher.
Von Rohöl zu Sprit und Heizöl
Rohöl wird weltweit in Dollar pro Barrel gehandelt. Steigt der Preis an der Börse, wirkt sich das mit Verzögerung auf Benzin, Diesel und Heizöl aus. Schon eine kurzfristige Sperre kann den Brent-Preis um mehrere Dollar pro Barrel nach oben treiben, weil Händler ein mögliches Angebotsdefizit einrechnen.
Bei einer sehr kurzen Unterbrechung von Stunden oder wenigen Tagen reagieren Märkte oft über, bevor sich die Lage wieder beruhigt. Hält eine Störung länger an, etwa mehrere Tage bis zwei Wochen, können Aufschläge von fünf bis 15 US-Dollar pro Barrel entstehen. Das schlägt sich an der Zapfsäule in Cent-Beträgen pro Liter nieder.
Für Deutschland gilt: Wir beziehen Rohöl aus verschiedenen Regionen. Trotzdem orientieren sich die Preise an globalen Referenzen wie Brent. Selbst wenn physisch kein Tropfen aus dem Golf fehlt, sorgt die Unsicherheit für einen Risikoaufschlag.
Heizöl folgt dem gleichen Mechanismus. Gerade in der Heizsaison können Preisbewegungen am Weltmarkt innerhalb weniger Tage im Online-Angebot der Händler auftauchen. Wer flexibel ist, achtet in solchen Phasen stärker auf Marktbewegungen und bestellt nicht ausgerechnet am Tag eines starken Ausschlags.
Von LNG zu Gaspreis und Stromtarif
Beim Erdgas läuft die Preisbildung in Europa stark über den Handelsplatz TTF in den Niederlanden. Wird LNG knapper oder teurer transportiert, reagieren dort die Notierungen. Die IEA verweist für 2024 auf eine deutlich erhöhte Volatilität, mit realisierten Monatsschwankungen um 50 Prozent in einzelnen Quartalen.
Das Oxford Institute for Energy Studies hat 2025 in einer Analyse zur EU-Gaspolitik modelliert, dass strukturelle Angebotsänderungen den TTF-Preis im Schnitt um 0,20 bis 0,27 US-Dollar je MMBtu erhöhen können. Das entspricht rund 0,68 bis 0,92 US-Dollar je Megawattstunde. Akute geopolitische Störungen können kurzfristig deutlich stärkere Ausschläge verursachen.
Für dich wichtig: Gasversorger kaufen oft langfristig ein und sichern Preise ab. Ein kurzer Preissprung an der Börse kommt daher nicht automatisch sofort im Tarif an. Anders sieht es bei Neuverträgen oder bei variablen Tarifen aus. Dort können höhere Beschaffungskosten schneller weitergegeben werden.
Da in Deutschland ein Teil des Stroms weiterhin in Gaskraftwerken erzeugt wird, überträgt sich ein höherer Gaspreis auch auf den Strommarkt. Gas setzt in vielen Stunden den sogenannten Grenzpreis. Steigt TTF, kann das den Großhandelsstrompreis nach oben ziehen, selbst wenn Wind- und Solaranlagen viel produzieren.
Versorgungssicherheit und Risikocheck
Die gute Nachricht zuerst: Europa hat seine LNG-Infrastruktur seit 2022 deutlich ausgebaut. Neue Terminals in Deutschland und anderen EU-Staaten schaffen zusätzliche Importkapazitäten. Laut IEA bleibt der Markt zwar angespannt, verfügt aber über mehr Flexibilität als in den Krisenjahren zuvor.
Entscheidend sind die Speicherstände. Sind die Gasspeicher gut gefüllt, können kurzfristige Lieferverzögerungen abgefedert werden. Kritischer wird es in Phasen hoher Nachfrage, etwa bei Kälteperioden.
Ein weiterer Faktor sind Versicherungs- und Transportkosten. Selbst wenn genügend Gas verfügbar ist, verteuern höhere Prämien für Fahrten durch den Golf die Lieferkette. Diese Zusatzkosten schlagen sich im Endpreis nieder.
Für Haushalte und kleine Betriebe lohnt ein nüchterner Blick auf drei Indikatoren: den Brent-Ölpreis, den TTF-Gaspreis und Berichte über steigende Frachtraten oder Versicherungsprämien im Golf. Bewegen sich alle drei deutlich nach oben, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich das zeitnah in Angeboten für Sprit, Heizöl oder neue Energieverträge zeigt.
Fazit
Die kurzfristige Teil-Schließung der Straße von Hormus im Februar 2026 war ein Warnsignal für die Märkte. Solche Ereignisse führen meist zu schnellen, teils heftigen Ausschlägen bei Öl- und Gaspreisen. Ob daraus eine echte Mehrbelastung für dich wird, hängt von der Dauer der Störung, den Speicherständen und der Vertragsstruktur deines Energieanbieters ab.
Ein kurzer Spike bleibt oft ein Börsenphänomen. Längere oder wiederholte Unterbrechungen können dagegen über höhere Beschaffungskosten spürbar in Sprit-, Gas- und Stromrechnungen ankommen. Wachsam bleiben, Preise vergleichen und Vertragsdetails prüfen ist in solchen Phasen sinnvoller als Panik.





