Viele Haushalte überlegen 2026, ob sich eine PV-Anlage fürs Dach lohnt, ob für den Eigenverbrauch, eine Wärmepumpe oder das Laden eines E-Autos. Die gute Nachricht: Es gibt mehrere robuste Gründe, warum Solarmodule und damit ein wichtiger Teil der Gesamtkosten weiter unter Druck bleiben können. Entscheidend sind vor allem die enorme Produktionsausweitung, ein spürbares Überangebot in der Lieferkette und langfristige Lerneffekte der Industrie. Dieser Artikel ordnet die Solarpreise ein, erklärt die Mechanismen hinter fallenden Modulpreisen und zeigt, worauf du beim Kauf realistisch achten solltest.
Einleitung
Wenn du deine Stromrechnung senken willst, wirkt eine PV-Anlage oft wie der naheliegende Schritt. Gleichzeitig ist die Unsicherheit groß: Werden Solarmodule 2026 noch günstiger, oder ist der Tiefpunkt schon erreicht? Und woran erkennst du, ob ein Angebot wirklich fair ist oder nur mit einem „Billigpreis“ für die Hardware lockt?
Für die Einordnung hilft ein Blick hinter die Kulissen. Modulpreise entstehen nicht nur aus Materialkosten, sondern vor allem aus Produktionskapazitäten, Auslastung von Fabriken, Lagerbeständen und technologischem Fortschritt. Genau diese Faktoren haben sich 2023 und 2024 stark verschoben: Institutionelle Berichte von IEA und IEA-PVPS beschreiben ein Überangebot an Produktionskapazität und größere Lagerbestände in der Branche. Parallel liefert der Photovoltaics Report des Fraunhofer ISE globale Referenzwerte für Modulpreise und zeigt, wie stark Preise über Jahrzehnte mit wachsender Produktion sinken können.
In diesem Artikel bekommst du ein belastbares Bild: warum Solarpreise unter Druck stehen können, wie sich Techniktrends auf die Kosten auswirken und welche Posten neben Solarmodulen deine Gesamtrechnung bestimmen.
Warum Solarpreise fallen können: Angebot, Lager und Wettbewerb
Der wichtigste Grund für sinkende Modulpreise ist oft unspektakulär: zu viel Angebot trifft auf weniger stark wachsende Nachfrage. Genau diesen Effekt beschreiben IEA und IEA-PVPS für 2023 und 2024. Für 2023 nennt IEA-PVPS weltweit neu installierte PV-Leistung in einer Spanne von 407,3 bis 446 GW. Im selben Zeitraum lag die globale Produktionskapazität laut IEA bei rund 800 GW (Ende 2023) und sollte in der Pipeline weiter wachsen. Wenn Fabriken mehr herstellen können, als der Markt kurzfristig aufnehmen kann, geraten Preise typischerweise unter Druck.
Ein weiterer Preistreiber sind Lagerbestände. IEA-PVPS berichtet von etwa 150 GW an Modulen in Lagerhäusern. Solche Bestände müssen irgendwann in den Markt, was zusätzlichen Preisdruck erzeugen kann, besonders wenn Hersteller ihre Auslastung stabilisieren möchten. Die IEA beschreibt außerdem, dass die Auslastung im Durchschnitt sank: rund 60 % im Jahr 2023, mit einer Projektion von unter 40 % für 2024 bis 2028. Niedrige Auslastung bedeutet: Fixkosten verteilen sich auf weniger verkaufte Ware. Das erhöht den Wettbewerbsdruck und kann kurzfristig zu besonders aggressiver Preisgestaltung führen.
Sinngemäß nach Fraunhofer ISE: Über viele Jahre fielen Modulpreise mit wachsender Produktion deutlich; die Lernrate liegt bei rund 25,7 % Preisrückgang je Verdopplung der kumulierten Produktion.
Wichtig ist die Perspektive: Viele Zahlen sind globale Durchschnittswerte oder beziehen sich auf Großhandel und Fabrikabgabe. Der Fraunhofer ISE nennt für 2024 einen globalen, liefergewichtet gemittelten Modulpreis (ASP) von etwa 0,13 USD/Wp. Das ist ein Benchmark, aber nicht automatisch der Preis, den du als Haushalt im Komplettpaket siehst. Trotzdem wirkt dieser Druck nach: Sinkende Modulpreise reduzieren die Materialkosten der Anbieter und schaffen Spielraum bei Endpreisen, sofern andere Kostenblöcke nicht gleichzeitig steigen.
| Merkmal | Beschreibung | Wert |
|---|---|---|
| Modulpreis-Benchmark | Globaler, liefergewichtet gemittelter Modulpreis (ASP) laut Fraunhofer ISE | ≈ 0,13 USD/Wp (2024) |
| Lernrate | Langfristiger Preisrückgang je Verdopplung der kumulierten Produktion (Experience Curve) | ≈ 25,7 % |
| Neu installierte PV-Leistung | Weltweite Neuinstallationen; Spannbreite wegen unterschiedlicher Statistik (AC/DC) | 407,3–446 GW (2023) |
| Produktionskapazität | Geschätzte globale PV-Modul-Produktionskapazität | ≈ 800 GW (Ende 2023) |
| Lagerbestände | In Lagerhäusern befindliche Module laut IEA-PVPS | ≈ 150 GW |
| Auslastung | Durchschnittliche Auslastung der Industrie (und Projektion) | ≈ 60 % (2023); < 40 % (2024–2028, Projektion) |
Technik wird effizienter, nicht unbedingt teurer
Fallende Solarpreise hängen nicht nur an Fabrikkapazitäten. Ein zweiter, langfristiger Treiber ist der technische Fortschritt, der die Kosten pro erzeugter Leistung senkt. Der Fraunhofer ISE beschreibt, dass kristalline Silizium-Module (c‑Si) 2024 den Markt dominieren, mit einem Anteil von rund 98 % an der Produktion. Gleichzeitig verschiebt sich die Technologie innerhalb dieses Standards: Der Report nennt für 2024 einen n‑type-Anteil von etwa 70 % (unter Verweis auf die ITRPV). Für dich als Käufer ist das relevant, weil neue Zellarchitekturen häufig höhere Wirkungsgrade ermöglichen und damit mehr Leistung pro Fläche liefern.
Auch bei den Modulkennwerten zeigt der Report, wie stark sich die Produktpalette entwickelt hat. Für das vierte Quartal 2024 nennt Fraunhofer ISE eine liefergewichtet gemittelte kommerzielle c‑Si-Modulwirkungsgradzahl von etwa 22,7 %, mit einer Bandbreite von 18,9 % bis 24,8 % in den Daten. Gleichzeitig wachsen Modulleistungen: Im Report werden Spitzenwerte bis etwa 750 W pro Modul für 2024 genannt. Diese Entwicklung kann indirekt Kosten drücken, weil für eine bestimmte Anlagenleistung weniger Module benötigt werden können. Weniger Module bedeuten potenziell weniger Montageaufwand, weniger elektrische Verbindungen und weniger Platzbedarf.
Der Haken ist: Technik allein macht dein Projekt nicht automatisch günstiger. Höhere Wirkungsgrade sind ein Vorteil, aber der Preis pro Wattpeak zählt am Ende genauso. In Phasen von Überangebot können auch neuere Technologien preislich stark unter Druck geraten. Umgekehrt können regionale Faktoren (Lieferbedingungen, Zertifikate, Handelsregeln) bestimmte Modultypen verteuern. Für 2026 ist deshalb eine nüchterne Erwartung hilfreich: Effizientere Module werden wahrscheinlicher zum Standard, aber ob das in deinem Angebot als spürbar niedrigere Endsumme ankommt, hängt stark vom Gesamtpaket ab.
Module sind nur ein Teil der Rechnung
Selbst wenn Solarmodule billiger werden, ist das nicht gleichbedeutend mit einer „billigen PV-Anlage“. Der Grund: Für fertige Anlagen zählen neben den Modulen viele weitere Kostenblöcke. Dazu gehören Wechselrichter, Unterkonstruktion, Kabel, Zähler- und Anschlussarbeiten, Gerüst, Planung, Dokumentation und Montagezeit. Gerade bei kleineren Dachanlagen schlagen diese Posten pro kWp stärker zu Buche als bei großen Solarparks.
Ein Anhaltspunkt aus einer belastbaren Quelle: Der Fraunhofer ISE verweist (unter Nutzung von IRENA-Daten) für 2024 auf einen globalen, gewichteten Durchschnitt der Gesamtinstallationskosten großer PV-Anlagen von 639 EUR/kWp. Für Haushalte ist dieser Wert nicht direkt übertragbar, aber er zeigt die Richtung: Module sind nur ein Teil der gesamten Rechnung, und viele Kosten hängen weniger an der globalen Modulproduktion als an lokaler Arbeit, Genehmigungen und Netzanschlussbedingungen.
Hinzu kommt ein Thema, das in Zeiten sehr niedriger Hardwarepreise oft unterschätzt wird: Qualität und Gewährleistung. Die IEA empfiehlt in ihrer Analyse zur Überkapazität ausdrücklich, Beschaffung nicht allein am niedrigsten Preis festzumachen, sondern auf Qualitätssicherung und „bankable“ Garantien zu achten. Für private Käufer übersetzt sich das in praktische Fragen, die du einem Anbieter stellen kannst:
- Welche Modul- und Wechselrichtermodelle sind konkret im Angebot enthalten (nicht nur „gleichwertig“)?
- Welche Nachweise gibt es zu Produkt- und Leistungsgarantien, und wer steht dahinter?
- Wie wird die Anlage ausgelegt (Dachbelegung, Verschattung, Stringplanung), und ist das nachvollziehbar dokumentiert?
- Welche Arbeiten sind im Preis enthalten (Gerüst, Zählerschrank-Anpassung, Anmeldung, Inbetriebnahme)?
So trennst du „günstige Solarmodule“ von einem wirklich guten Gesamtangebot. Und genau das ist für 2026 entscheidend: Nicht nur der Materialpreis, sondern die Summe aus Hardware, Dienstleistung und Risikoabsicherung bestimmt deinen echten Vorteil.
Was 2026 für deinen Haushalt realistisch ist
Für 2026 spricht einiges dafür, dass der Markt weiter von hoher Produktionskapazität geprägt bleibt. Die IEA beschreibt die strukturelle Schieflage zwischen Ausbau und Fertigungskapazität bereits für 2023 und skizziert eine Phase niedriger Auslastung auch für die Jahre 2024 bis 2028. Solange die Auslastung niedrig bleibt und Lagerbestände abgebaut werden, ist anhaltender Preisdruck bei Modulen plausibel. Gleichzeitig ist das keine Garantie für eine gleichmäßige, lineare Entwicklung: Hersteller reagieren auf Verluste, Investitionen werden verschoben oder gestrichen. Die IEA nennt in diesem Kontext auch großvolumige Projektstreichungen entlang der Lieferkette (unter anderem bei Polysilizium und Wafern). Solche Anpassungen können den Markt später wieder enger machen.
Für dich als Haushalt ergibt sich daraus ein pragmatisches Bild: 2026 kannst du gute Chancen auf attraktive Hardwarepreise haben, vor allem wenn Standardmodule und Standardgrößen gut verfügbar sind. Noch wichtiger ist aber, wie Wettbewerb und Handwerkerkapazitäten in deiner Region wirken. Wenn Installationsbetriebe ausgelastet sind oder Netzanschlüsse komplex sind, können diese Faktoren die Rechnung stärker bestimmen als ein weiterer Rückgang beim Modulpreis pro Wattpeak.
Ein hilfreicher Blickwinkel ist der Nutzen, nicht nur der Preis. Eine PV-Anlage gewinnt für viele Haushalte an Wert, wenn sie mehrere Verbraucher abdeckt: Haushaltsstrom, Wärmepumpe oder das Laden eines E-Autos zu Hause. Das verändert nicht die globalen Solarpreise, aber es kann deinen Eigenverbrauch erhöhen und damit die Bedeutung eines sauber geplanten Systems steigern. Gerade deshalb lohnt es sich 2026, Angebote nicht nur nach kWp, sondern nach Konzept zu vergleichen: Dachfläche, Lastprofil, Zukunftsoptionen (z. B. Wallbox oder Speicher) und eine transparente Auslegung sind die Punkte, die „günstig“ in „gut“ verwandeln.
Fazit
Dass Solarmodule 2026 für viele Haushalte noch günstiger werden können, lässt sich mit drei stabilen Mechanismen erklären: Erstens beschreibt die IEA ein deutliches Überangebot an Produktionskapazität gegenüber dem Ausbau, inklusive hoher Lagerbestände und niedriger Auslastung. Zweitens zeigt der Fraunhofer ISE, dass Modulpreise langfristig stark von Lernkurven profitieren, mit einer bezifferten Lernrate von rund 25,7 % je Verdopplung der kumulierten Produktion. Drittens entwickelt sich die Technik weiter, während kristallines Silizium klar dominiert und Wirkungsgrade sowie Modulleistungen steigen. Gleichzeitig bleibt die wichtigste Käuferfalle bestehen: Niedrige Hardwarepreise sind nicht automatisch gleichbedeutend mit niedrigen Gesamtkosten oder guter Qualität. Für 2026 ist daher ein Vergleich von Komplettangeboten entscheidend, inklusive konkreter Komponenten, sauberer Planung und belastbarer Garantien.






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