Solarmodule: Halten sie länger als gedacht – lohnt sich Reparieren?

Wie lange halten Solarmodule wirklich, und was bedeutet das für dich, wenn die Anlage nach Jahren nicht mehr die volle Leistung bringt? Viele Anlagen laufen deutlich länger als die berühmten 25 Jahre aus der Werbung, aber die Leistung sinkt schrittweise und einzelne Bauteile können ausfallen. In diesem Artikel ordnen wir ein, welche Lebensdauer und Degradation Studien und Institutionen typischerweise ansetzen, welche Rolle Garantien spielen und warum „Reparieren“ bei PV oft anders aussieht als bei Haushaltsgeräten. Am Ende hast du einen klaren Prüfplan, um zwischen Weiterbetrieb, Teiltausch und Ersatz entscheiden zu können.

Einleitung

Du schaust in dein Monitoring und merkst: Die Erträge passen nicht mehr zu dem, was du von früher kennst. Vielleicht steht eine Dachsanierung an, vielleicht überlegst du ein E-Auto zu laden, oder du willst einfach wissen, ob deine PV-Anlage „noch gut“ ist. In solchen Momenten landet man schnell bei zwei Fragen: Halten Solarmodule länger als ihre Garantie? Und falls etwas nachlässt, lohnt sich Reparieren oder ist Austausch die bessere Route?

Wichtig ist dabei eine saubere Trennung: Ein Modul kann technisch noch funktionieren, obwohl es etwas weniger Leistung liefert. Und eine Anlage kann schwächeln, obwohl nicht das Modul das Problem ist, sondern beispielsweise ein Wechselrichter oder eine Verkabelung. Verbraucherinformationen und Studien zeigen außerdem: Viele Versprechen im Markt sind an Bedingungen geknüpft, und für eine Garantie brauchst du oft Nachweise und Dokumentation.

Dieser Artikel ordnet die wichtigsten Messgrößen, typische Alterungsmechanismen und die Praxis rund um Garantien ein. Du bekommst am Ende eine nachvollziehbare Entscheidungslogik, die ohne Spezialwissen funktioniert und dich vor teuren Fehlentscheidungen schützt.

Wie Altern von Solarmodulen messbar wird

Wenn Menschen über die „Lebensdauer“ von PV sprechen, meinen sie oft zwei Dinge gleichzeitig: Erstens, wie lange ein Modul überhaupt Strom liefert. Zweitens, wie stark die Leistung im Laufe der Jahre sinkt. Für die zweite Frage gibt es den Begriff Degradation. Er beschreibt, wie viel Prozent Leistung pro Jahr verloren gehen. Ein oft genutzter Orientierungswert ist eine mittlere Degradationsrate um 0,5 % pro Jahr, wie sie in einer großen Auswertung von Messdaten (NREL, 2016) als Medianwert berichtet wird. Diese Quelle ist von 2016 und damit älter als zwei Jahre.

Sinngemäß nach einer NREL-Auswertung von 2016: Über viele Messreihen hinweg lag die mittlere (Median-)Degradation von PV-Modulen bei etwa 0,5 % pro Jahr.

Auch in Leitfäden und Methodikpapieren wird mit solchen Größen gearbeitet. Die IEA-PVPS Methodology Guidelines (2016) nennen 0,5 % pro Jahr als Sensitivitätsannahme und ordnen typische Garantie-Logiken ein, etwa den Gedanken, dass über 25 Jahre rund 20 % Leistungsverlust als Referenz diskutiert werden. Diese Quelle ist von 2016 und damit älter als zwei Jahre. Das heißt nicht, dass sie „falsch“ ist, aber du solltest im Kopf behalten: Neue Moduldesigns können sich im Detail anders verhalten.

Ein zweiter, oft unterschätzter Punkt: Zwischen „auf dem Datenblatt“ und „im Labor gemessen“ kann es Abweichungen geben. Fraunhofer ISE berichtet 2025 über CalLab-Daten, dass gemessene Leistungen bei neueren Modulen im Durchschnitt unter den Herstellerangaben lagen (für 2023 etwa −1,3 %, für 2024 etwa −1,2 %) und stützt sich dabei auf eine große Messbasis (über 70.000 Messungen seit 2012) sowie eine ausgewertete Stichprobe von 1.034 monokristallinen Modulen. Das ist keine Degradation pro Jahr, sondern ein Hinweis, dass die Ausgangsbasis „Nennleistung“ je nach Herstellerangabe und Messung auseinanderlaufen kann. Für deine Entscheidung zählt daher nicht nur, wie schnell etwas altert, sondern auch, wie du den Ist-Zustand fair misst.

Orientierungswerte aus Quellen: Degradation, Garantielogik und Messabweichung
Merkmal Beschreibung Wert
Median-Degradation Auswertung vieler Messreihen als typischer Orientierungswert (NREL, 2016; Quelle älter als zwei Jahre) ca. 0,5 % pro Jahr
Sensitivitätsannahme in Methodik Als Ansatz für Modellrechnungen/Empfindlichkeitsanalysen (IEA-PVPS, 2016; Quelle älter als zwei Jahre) 0,5 % pro Jahr
Garantie-Referenz über 25 Jahre Typische Einordnung von Leistungsverlust als Referenzgröße (IEA-PVPS, 2016; Quelle älter als zwei Jahre) ca. 20 % nach 25 Jahren
Messabweichung vs. Datenblatt Unabhängig gemessene Leistung im Vergleich zur Herstellerangabe (Fraunhofer ISE, CalLab-Auswertung) 2023: −1,3 %, 2024: −1,2 %

Garantie ist nicht gleich Lebensdauer

Viele Diskussionen über „zu alte“ Solarmodule beginnen bei der Zahl 25. Das ist verständlich, weil Leistungs- und Produktgarantien häufig in dieser Größenordnung vermarktet werden. Verbraucherinformationen weisen aber darauf hin, dass man Garantieversprechen genau lesen muss. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz (2022) erklärt den Unterschied zwischen gesetzlicher Gewährleistung und freiwilligen Hersteller-Garantien und betont, dass Leistungszusagen oft über 20 bis 25 Jahre laufen. Diese Quelle ist von 2022 und damit älter als zwei Jahre.

Für dich ist dabei entscheidend: Eine Leistungsgarantie sagt nicht automatisch, dass ein Modul nach Ablauf „wertlos“ ist. Sie beschreibt eher einen Mindestwert, den der Hersteller unter bestimmten Bedingungen zusichert. Gleichzeitig können Garantien Grenzen haben, etwa bei Nachweispflichten, bei Transport- und Montagekosten oder bei Anforderungen an Registrierung und Dokumentation. Genau diese Reibung ist in der Praxis oft der Knackpunkt, nicht die reine Technik.

Ein weiterer Realitätscheck kommt aus der Anlagenperspektive: Nicht jedes Problem ist ein Modulproblem. Die Verbraucherzentrale nennt als Orientierungswert, dass Wechselrichter oft eine erwartete Lebensdauer von ungefähr 10 Jahren haben. Das ist relevant, weil ein Wechselrichtertausch eher „normal“ ist, während Module häufig deutlich länger auf dem Dach bleiben. Das verändert die Reparaturfrage: Du kannst bei sinkenden Erträgen zunächst bei den Komponenten suchen, die typischerweise früher drankommen.

Spannend ist auch die Sicht auf die Finanzierbarkeit solcher Langzeitversprechen. Eine Studie in Sustainability (2024) diskutiert, wie „glaubwürdig“ eine 25-Jahres-Performance-Warranty ist, wenn man Unsicherheiten in Degradation und Ausfallraten berücksichtigt, und leitet unter den dort verwendeten Modellannahmen einen notwendigen Garantie-Fonds in der Größenordnung von 1,302 % des Umsatzes ab. Das ist kein Wert, der deine Anlage direkt beschreibt, aber er hilft beim Einordnen: Langfristige Garantien sind nicht nur Technik, sondern auch Geschäftsmodell und Risikomanagement.

Reparieren in der Praxis: Was ist realistisch?

Das Wort „Reparatur“ klingt nach Schraubenzieher und Ersatzteil. Bei PV-Modulen ist es komplizierter, weil ein Modul ein laminiertes Verbundprodukt ist: Glas, Zellen, Folien und Anschlusskomponenten sind so zusammengefügt, dass man sie im Feld nur begrenzt trennen kann. Deshalb passiert bei PV-Problemen häufig eines von drei Dingen: (1) Du behebst eine Ursache außerhalb des Moduls (z. B. Stecker, Kabel, Wechselrichter), (2) du tauschst das Modul als Ganzes, oder (3) du akzeptierst eine langsam sinkende Leistung und optimierst Betrieb und Reinigung.

Was „Alterung“ verursacht, lässt sich gut an den Mechanismen festmachen, die in Fachliteratur beschrieben werden. Ein Überblick zur optischen Degradation (Fernández-Solas et al., 2021; Quelle älter als zwei Jahre) diskutiert beispielsweise Verschmutzung (soiling) und Veränderungen in Einkapselungsmaterialien wie EVA, darunter Verfärbungen und Delamination. Solche Effekte können die Lichtdurchlässigkeit verändern und damit messbar auf den Stromertrag wirken. Ergänzend beschreibt ein IEA-PVPS-Report zu Ausfällen im Feld (2017; Quelle älter als zwei Jahre) bekannte Fehlermodi und Einflussfaktoren, die erklären, warum nicht jedes Modul gleich altert: Umfeldstress, Materialwahl, Verarbeitung und Systembedingungen spielen zusammen.

Für die Reparatur-Entscheidung ist das wichtig, weil du unterscheiden musst zwischen „temporär und behebbar“ und „strukturell und dauerhaft“. Verschmutzung ist ein gutes Beispiel: Sie kann Erträge deutlich drücken, ohne dass das Modul kaputt ist. Dagegen sind Delamination oder bestimmte Korrosionsprozesse eher dauerhaft und damit näher an der Austauschfrage. Bei solchen Themen ist eine Diagnose mit geeigneten Messungen entscheidend, nicht ein Blick aufs Glas.

Praktisch heißt das: Wenn du über Reparieren nachdenkst, plane zuerst eine saubere Fehlerlokalisierung. Das kann Monitoring-Auswertung, Sichtprüfung und elektrische Messung einschließen. Und wenn es um Garantie oder Gewährleistung geht, kommt ein zweiter Layer dazu: Dokumentation. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Unterlagen und Nachweise wichtig sind. Ohne nachvollziehbare Daten ist es schwer, eine Leistungsabweichung zu belegen oder sauber abzugrenzen, ob ein Problem aus Installation, Betrieb oder einem Produktfehler stammt.

So triffst du eine saubere Entscheidung für die nächsten Jahre

Ob sich Reparieren lohnt, ist am Ende weniger eine Glaubensfrage als eine kleine Checkliste mit klaren „Wenn-dann“-Abzweigungen. Der erste Schritt ist immer: Was genau ist dein Ziel? Mehr Eigenverbrauch (z. B. fürs Laden eines E-Autos), stabile Einspeisung, oder einfach Risikominimierung? Je nachdem ist „ein bisschen weniger Leistung“ tolerierbar oder eben nicht.

Schritt zwei ist die Messbasis. Fraunhofer ISE weist mit seinen Laborvergleichen darauf hin, dass Datenblattwerte und unabhängig gemessene Werte auseinanderliegen können. Für dich heißt das: Beurteile nicht nur „kWpeak auf dem Papier“, sondern den realen Ist-Zustand. Wenn möglich, nutze Monitoringdaten über längere Zeiträume und achte darauf, ob der Rückgang eher gleichmäßig ist (typischer Alterungsverlauf) oder sprunghaft (Hinweis auf Defekt oder Teil-Ausfall).

Schritt drei: Trenne Modul- von Systemeffekten. In der Praxis kann der Wechselrichter ein limitierender Faktor sein, und Verbraucherinformationen nennen für Wechselrichter eine deutlich kürzere erwartete Lebensdauer als für Module. Ein geplanter Wechselrichtertausch kann deshalb wirtschaftlich und technisch sinnvoll sein, auch wenn du an den Modulen nichts änderst. Umgekehrt: Wenn du dauerhaft eine deutliche Minderleistung siehst, lohnt sich eine Prüfung, ob einzelne Module oder Strings auffällig sind.

Schritt vier ist die Garantie-Realität. Wenn du eine Leistungsgarantie in Anspruch nehmen willst, rechne mit Nachweispflichten. Halte Datenblätter, Seriennummern, Inbetriebnahmeprotokolle und Monitoring-Logs bereit. Je besser du dokumentiert hast, desto weniger „Gefühl“ muss eine Reklamation ersetzen. Und behalte im Hinterkopf, dass Garantien auch ein Unternehmensversprechen sind. Die Sustainability-Studie (2024) zeigt am Beispiel eines Modells, dass dafür finanzielle Rückstellungen nötig sind. Für dich ist das ein Argument, im Zweifel auf nachvollziehbare Prozesse, seriöse Herstellerkommunikation und klare Vertragsunterlagen zu achten.

In die Zukunft gedacht spricht vieles dafür, PV-Anlagen länger zu nutzen, statt sie vorschnell zu ersetzen: Aus den Degradations-Orientierungswerten folgt, dass viele Module über lange Zeit noch nennenswert Strom liefern, auch wenn sie schrittweise nachlassen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Qualitätssicherung und transparente Messungen, wenn neue Modultechnologien und neue Produktionszyklen in den Markt kommen. Unabhängige Prüfstellen und standardisierte Feldanalysen werden dadurch wichtiger, nicht weniger.

Fazit

Solarmodule sind in der Regel keine Wegwerfprodukte nach 25 Jahren. Was sich verändert, ist vor allem die Leistung, und dafür gibt es belastbare Orientierungswerte: In großen Datenauswertungen wird häufig eine typische Degradation um 0,5 % pro Jahr genannt, und Methodikleitfäden nutzen ähnliche Annahmen für Modellrechnungen. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass „lohnt sich Reparieren?“ selten bedeutet, ein Modul wie ein Gerät zu zerlegen. Meist geht es um Diagnose, um Systemkomponenten wie den Wechselrichter und um die Frage, ob ein Austausch einzelner Teile oder Module sinnvoller ist als ein vollständiger Neuaufbau.

Am meisten sparst du Geld und Nerven, wenn du strukturiert vorgehst: Ziele klären, Ist-Daten sauber interpretieren, Modul- und Systemeffekte trennen und Garantien nur mit guter Dokumentation angehen. Dann wird aus einer gefühlten Unsicherheit eine überprüfbare Entscheidung.

Welche Erfahrungen hast du mit älteren PV-Anlagen gemacht: Weiterbetrieb, Teiltausch oder kompletter Wechsel? Teile den Artikel gern und diskutiere mit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

In diesem Artikel

Newsletter

Die wichtigsten Tech- & Wirtschaftsthemen – 1× pro Woche.

Avatar von Artisan Baumeister

→ Weitere Artikel des Autors

Newsletter

Einmal pro Woche die wichtigsten Tech- und Wirtschafts-Takeaways.

Kurz, kuratiert, ohne Bullshit. Perfekt für den Wochenstart.

[newsletter_form]