Solarmodul-Recycling: Was es in Deutschland kostet

In Deutschland erreichen immer mehr Photovoltaik-Anlagen das Ende ihrer Lebensdauer. Das Thema Solarmodul Recycling wird damit vom Nischenthema zur Alltagsfrage für Hausbesitzer und Betreiber. Laut Eurostat wurden 2022 allein in Deutschland rund 16.430 Tonnen alte PV-Module erfasst. Gleichzeitig gelten klare Vorgaben aus der WEEE-Richtlinie und dem deutschen Elektrogesetz. Der Artikel erklärt, warum die Abfallmengen steigen, wer zur Rücknahme verpflichtet ist und mit welchen realistischen Kosten und Risiken du rechnen musst.

Einleitung

Viele Hausdächer tragen seit 15 oder 20 Jahren Solarmodule. Was damals als Zukunftstechnik installiert wurde, kommt Schritt für Schritt in die Phase, in der Reparaturen, Austausch oder vollständiger Rückbau anstehen. Spätestens wenn ein Modul ausfällt oder ein Dach saniert wird, stellt sich die Frage: Wohin mit den alten PV-Modulen und was kostet das?

Die Zahlen zeigen, dass das Thema größer wird. Nach Angaben von Eurostat wurden 2022 in Deutschland rund 16.430 Tonnen ausgediente Photovoltaik-Module erfasst. In 18 EU-Staaten zusammen waren es rund 48.395 Tonnen. Gleichzeitig lag die installierte Leistung in Deutschland laut Fraunhofer ISE Ende 2024 bei etwa 92 Gigawatt. Je mehr Anlagen installiert sind, desto mehr Module erreichen in den kommenden Jahren das Ende ihrer technischen oder wirtschaftlichen Lebensdauer.

Damit rückt das Solarmodul Recycling aus der Theorie in die Praxis. Es geht um gesetzliche Pflichten, um konkrete Entsorgungskosten und um die Frage, wie sicher alte Module und Heimspeicher wirklich sind.

Warum jetzt deutlich mehr PV-Module anfallen

Der Photovoltaik-Ausbau in Deutschland hat seit den 2000er-Jahren stark zugenommen. Laut Fraunhofer ISE waren Ende 2024 rund 92 Gigawatt installiert. Viele der frühen Anlagen nähern sich inzwischen einer Betriebsdauer von 20 bis 25 Jahren. Das ist ein Bereich, in dem Defekte häufiger werden oder sich ein Austausch wirtschaftlich lohnt.

Hinzu kommen sogenannte Frühverluste. Manche Module werden vorzeitig ausgetauscht, etwa nach Sturmschäden, bei Dachsanierungen oder wenn neue, leistungsstärkere Module installiert werden. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt vom Alter der Anlagen und von einzelnen Schadensereignissen ab.

Ein Blick auf die offiziellen Abfallzahlen zeigt die Entwicklung. 2022 wurden in Deutschland rund 16.430 Tonnen alte PV-Module erfasst. EU-weit waren es rund 48.395 Tonnen. Fachberichte der IEA PVPS Task 12 gehen davon aus, dass die Mengen in den Jahren bis 2025 weiter steigen, auch wenn sie noch deutlich unter den langfristigen Prognosen für 2030 oder 2040 liegen.

Das bedeutet: Wir stehen am Anfang einer Welle. Die großen Mengen kommen erst noch. Doch schon jetzt müssen Sammelstellen, Recycler und Betreiber klären, wer was organisiert und bezahlt.

Rücknahmepflicht nach WEEE und ElektroG

Photovoltaik-Module gelten in der EU als Elektrogeräte. Damit fallen sie unter die WEEE-Richtlinie. In Deutschland ist diese über das Elektro- und Elektronikgerätegesetz, kurz ElektroG, umgesetzt. Für private Haushalte gilt das Prinzip der Herstellerverantwortung.

Das heißt: Hersteller müssen die Finanzierung der Rücknahme und Verwertung von Altgeräten aus dem sogenannten B2C-Bereich sicherstellen. Sie sind bei der Stiftung EAR registriert und tragen die Kosten für Sammlung und Recycling, wenn Module aus privaten Haushalten stammen.

Anders sieht es im gewerblichen Bereich aus. Für große Dachanlagen oder Solarparks im B2B-Bereich liegt die Verantwortung häufig beim Betreiber oder Eigentümer. Hier können individuelle Verträge oder Rücknahmeregelungen gelten. Die gesetzlichen Mindestziele sehen eine Verwertungsquote von 85 Prozent und eine Recyclingquote von 80 Prozent nach Gewicht vor.

In der Praxis bedeutet das für dich als Eigenheimbesitzer: Wenn deine Anlage privat genutzt wird, ist die Rücknahme grundsätzlich organisiert. Dennoch können Transport- oder Ausbaukosten anfallen, je nachdem, wie die Anlage demontiert wird und wohin sie gebracht werden muss.

Was das Solarmodul-Recycling kostet

Die Kostenfrage lässt sich nicht mit einem festen Preis pro Modul beantworten. Sie hängt davon ab, ob es sich um eine private Dachanlage oder eine gewerbliche Installation handelt, wie gut die Module zugänglich sind und welche Transportwege anfallen.

Studien und Branchenberichte, unter anderem aus dem Umfeld der IEA PVPS, beschreiben das aktuelle Recyclinggeschäft als kostenintensiv bei vergleichsweise geringen Erlösen aus zurückgewonnenen Materialien. Für ein kristallines Silizium-Modul wird in der Literatur ein möglicher Materialwert von umgerechnet etwa 11 bis 12 US-Dollar genannt, wenn Silber, Aluminium, Glas und Silizium zurückgewonnen werden. Dieser Wert deckt jedoch nicht automatisch alle Prozess-, Energie- und Logistikkosten.

Für private Haushalte werden die eigentlichen Recyclingkosten über die Herstellerverantwortung abgedeckt. Praktisch relevant sind deshalb vor allem Demontage und Transport. Wer ein Dach neu eindeckt und dabei 20 Jahre alte Module abbauen lässt, zahlt in der Regel den Handwerksbetrieb für Abbau und Verpackung. Die spätere Verwertung läuft über die bestehenden Sammelsysteme.

Im gewerblichen Bereich können die Kosten spürbar höher ausfallen, weil Betreiber komplette Anlagen zurückbauen, Containertransporte organisieren und mit spezialisierten Recyclingunternehmen zusammenarbeiten müssen. Einheitliche Durchschnittspreise nennt keine der offiziellen Quellen. Klar ist nur, dass die Wirtschaftlichkeit stark von der Menge und von regionalen Strukturen abhängt.

Risiken bei Entsorgung und Heimspeichern

Alte Solarmodule sind kein gewöhnlicher Sperrmüll. Selbst ausgediente Module können noch Spannung führen, solange sie Licht ausgesetzt sind. Beim Abbau müssen Gleichstromleitungen fachgerecht getrennt und gesichert werden. Fehler können zu Stromschlägen oder Lichtbögen führen.

Ein weiteres Thema sind Heimspeicher. Lithium-Ionen-Batterien bergen bei falscher Handhabung Brandgefahr. Fachberichte der IEA PVPS weisen darauf hin, dass Batterien vor Transport vollständig isoliert und möglichst entladen werden sollten. Beschädigte Speicher gehören in geeignete, nicht brennbare Behälter und müssen getrennt gesammelt werden.

Illegale Entsorgung oder unsachgemäße Lagerung kann Umwelt- und Sicherheitsrisiken erhöhen. Glas, Kunststoffe und Metalle lassen sich recyceln, doch das gelingt nur in kontrollierten Prozessen. Besonders problematisch sind bestimmte Kunststoffrückseiten oder Lötmaterialien, die spezielle Behandlungsverfahren erfordern.

Für dich heißt das: Beauftrage für Rückbau und Entsorgung einen Fachbetrieb und kläre im Vorfeld, über welches System die Module und Speicher abgegeben werden. So vermeidest du Haftungsfragen und unnötige Risiken.

Fazit

Das Solarmodul Recycling wird in Deutschland in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. Die offiziell erfassten Mengen lagen 2022 bereits bei über 16.000 Tonnen und dürften weiter steigen, weil immer mehr Anlagen aus den frühen Ausbaujahren das Ende ihrer Laufzeit erreichen. Für private Haushalte greift die Herstellerverantwortung nach WEEE und ElektroG, sodass die eigentlichen Recyclingkosten abgesichert sind. Dennoch bleiben Aus- und Einbau sowie Transport als reale Kostenpunkte. Im gewerblichen Bereich tragen Betreiber oft einen größeren Teil der finanziellen Verantwortung.

Wenn du eine ältere PV-Anlage betreibst, informiere dich frühzeitig über Rücknahmewege und sichere Entsorgung. Teile deine Erfahrungen gern mit anderen Betreibern.

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