Solar-Notstrom im Haus: Was die Nachrüstung kostet

Solar Notstrom klingt nach Sicherheit auf Knopfdruck. In der Praxis entscheidet jedoch die Technik im Keller, ob bei Stromausfall wirklich Licht, Router und Heizung laufen. Dieser Artikel zeigt dir Schritt für Schritt, wie du prüfst, ob deine PV-Anlage notstromfähig ist, welche typischen Nachrüstpfade es gibt und mit welchen Kosten du 2025 und 2026 realistisch rechnen musst. Dazu klären wir, warum Netztrennung gegen Risiko Rückeinspeisung Pflicht ist.

Einleitung

Der Strom fällt aus, draußen ist alles dunkel, und du fragst dich: Meine PV-Anlage ist doch auf dem Dach. Warum geht hier nichts? Diese Situation erleben viele Hausbesitzer zum ersten Mal bei einer Störung. Standard-PV-Anlagen schalten sich bei Netzausfall automatisch ab. Das ist vorgeschrieben, damit kein Strom unkontrolliert ins öffentliche Netz zurückfließt.

Solar Notstrom funktioniert nur, wenn Wechselrichter, Batterie und Hausinstallation dafür ausgelegt sind. Oft fehlt genau ein Baustein. Manchmal ist die Technik vorbereitet, aber nicht korrekt konfiguriert. Und häufig wird aus einer “Notstromsteckdose” gedanklich eine Vollversorgung fürs ganze Haus.

Damit du Klarheit bekommst, gehen wir strukturiert vor. Erst prüfen wir, was deine Anlage technisch kann. Danach schauen wir auf typische Nachrüstoptionen mit belastbaren Kostenspannen für 2025 und 2026. Und am Ende weißt du, ob sich der Umbau für deinen Alltag lohnt oder eher ein teures Sicherheitsgefühl bleibt.

In 6 Schritten prüfen: Läuft deine PV im Notfall?

Schritt eins: Sieh dir deinen Wechselrichter an. Steht im Datenblatt etwas wie “Backup”, “Ersatzstrom” oder “Notstrom”? Nur sogenannte Hybrid- oder netzbildende Geräte können bei Stromausfall ein eigenes kleines Inselnetz aufbauen. Reine Einspeise-Wechselrichter schalten bei Netzausfall vollständig ab.

Schritt zwei: Gibt es einen Batteriespeicher? Ohne Speicher liefert deine Anlage bei Ausfall meist keinen Strom, selbst wenn die Sonne scheint. Der Speicher stellt die notwendige Energie bereit, bis die PV wieder stabil einspeisen kann.

Schritt drei: Ist eine Netztrennung vorhanden? Laut den technischen Anschlussregeln wie VDE-AR-N 4105 müssen Anlagen bei Netzausfall sicher vom öffentlichen Netz getrennt werden. Das erfolgt über integrierte Schalter im Wechselrichter oder eine separate Umschalteinrichtung.

Schritt vier: Welche Leistung steht im Notbetrieb zur Verfügung? Viele Systeme begrenzen die Leistung deutlich. Ein Gerät mit 5 kW Nennleistung im Normalbetrieb kann im Ersatzstrommodus niedriger abgesichert sein.

Schritt fünf: Wie wird versorgt? Manche Anlagen speisen nur eine einzelne Notstromsteckdose. Andere können ausgewählte Stromkreise oder das ganze Haus übernehmen. Das entscheidet über Komfort und Kosten.

Schritt sechs: Wurde alles fachgerecht installiert? Die Normenreihe DIN VDE 0100 stellt klare Anforderungen an Schutzschalter, Absicherung und Verdrahtung von Ersatzstromkreisen. Ohne Elektrofachbetrieb ist eine Nachrüstung nicht zulässig.

Typische Nachrüstpfade für Solar Notstrom (2025–2026)
Variante Umfang Typische Kosten
Notstromsteckdose Hybridwechselrichter mit Backup-Ausgang, kleine Batterie, separate Steckdose ca. 2.000–8.000 Euro
Teil- oder Vollersatzstrom Größerer Speicher, netzbildender Wechselrichter, Umschalteinrichtung, Anpassung Verteilung ca. 8.000–25.000 Euro

Was die Nachrüstung kostet: zwei typische Wege

Der günstigste Einstieg in Solar Notstrom ist eine einzelne Notstromsteckdose. Technisch braucht es einen geeigneten Hybridwechselrichter, eine kleine Batterie mit etwa 2 bis 5 kWh und eine fachgerecht installierte Backup-Leitung. Für 2025 und 2026 werden dafür meist zwischen 2.000 und 8.000 Euro fällig, abhängig von vorhandener Technik und Installationsaufwand.

Deutlich teurer ist ein echter Ersatzstrombetrieb für mehrere Stromkreise oder das gesamte Haus. Hier kommen größere Batteriespeicher mit 5 bis 15 kWh, eine automatische Umschalteinrichtung und häufig Anpassungen im Zählerschrank hinzu. Realistisch sind Gesamtkosten zwischen 8.000 und 25.000 Euro.

Wichtig ist die Erwartungshaltung. Rein über eingesparten Netzstrom rechnet sich eine solche Nachrüstung selten schnell. Der wirtschaftliche Nutzen liegt vor allem in Versorgungssicherheit. Wenn du etwa im Homeoffice arbeitest oder eine empfindliche Heizungsanlage betreibst, kann das im Ernstfall entscheidend sein.

Was läuft – und was nicht?

In der Praxis versorgen viele Anlagen im Notbetrieb zuerst Grundlasten. Kühlschrank, Router, Licht und die Umwälzpumpe der Heizung liegen meist unter 1 kW Dauerleistung. Mit einer 5 kWh Batterie lassen sich solche Verbraucher für mehrere Stunden betreiben, abhängig vom Ladezustand.

Problematisch sind Geräte mit hoher Leistung oder Anlaufstrom. Ein Induktionskochfeld, ein Durchlauferhitzer oder eine Wallbox für das E-Auto übersteigen oft die verfügbare Notstromleistung. Selbst wenn der Wechselrichter 5 kW liefern kann, begrenzen Sicherungen oder Einstellungen den Backup-Kreis.

Ein häufiger Irrtum: “Die Sonne scheint doch, also habe ich unbegrenzt Strom.” Im Inselbetrieb muss das System Spannung und Frequenz selbst stabil halten. Ohne ausreichend Batterie kann der Wechselrichter bei Lastsprüngen abschalten. Deshalb kombinieren Hersteller Backup-Funktionen fast immer mit Speichern.

Sicherheit, Normen und Risiko Rückeinspeisung

Der kritischste Punkt bei jeder Nachrüstung ist die sichere Netztrennung. Ohne saubere Abschaltung besteht das Risiko Rückeinspeisung. Das bedeutet, deine Anlage speist bei Stromausfall weiter ins öffentliche Netz ein. Für Monteure im Reparatureinsatz wäre das lebensgefährlich.

Die technischen Anschlussregeln wie VDE-AR-N 4105 schreiben deshalb vor, dass Erzeugungsanlagen bei Netzausfall automatisch abschalten oder sich eindeutig vom Netz trennen. Moderne Wechselrichter übernehmen das intern oder über geprüfte Umschaltboxen.

Zusätzlich greifen Installationsnormen der DIN VDE 0100. Sie regeln, wie Ersatzstromkreise abgesichert, beschriftet und geprüft werden müssen. Dazu gehören geeignete Schutzschalter und eine klare Kennzeichnung im Verteilerkasten.

In der Praxis heißt das: Eine Nachrüstung gehört immer in die Hände eines Elektrofachbetriebs. Eigenbau-Lösungen mit provisorischen Umschaltern sind keine Option. Sie gefährden dich und andere und können im Schadensfall versicherungsrechtliche Folgen haben.

Fazit

Solar Notstrom ist technisch machbar, aber kein Selbstläufer. Ob deine PV-Anlage bei Stromausfall wirklich versorgt, hängt von Wechselrichter, Speicher, Netztrennung und sauberer Installation ab. Für eine einfache Notstromsteckdose solltest du 2025 und 2026 mehrere tausend Euro einplanen, für echten Ersatzstrom schnell einen fünfstelligen Betrag.

Entscheidend ist dein Bedarf. Wenn dir ein laufender Kühlschrank und stabiles Internet reichen, kann eine kleine Lösung genügen. Willst du das ganze Haus betreiben, steigen Aufwand und Kosten deutlich. Prüfe nüchtern, was du im Ernstfall wirklich brauchst.

Sprich mit deinem Installateur gezielt über Backup-Leistung, Umschaltzeit und Netztrennung – und lass dir zeigen, was im Testbetrieb tatsächlich läuft.

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