SMR-Kernreaktoren: Wer zahlt für Risiko und Reserve?

SMR gelten als mögliche Industrie- und Winterreserve im Stromsystem. Doch wenn Deutschland politisch oder über EU-Programme einsteigt, geht es um mehr als Technik. Es geht um Kapital, Haftung und Zeitrisiken. Dieser Kostencheck zeigt, wie sich SMR Kosten Deutschland Strompreis auswirken könnten, welche Posten oft unterschätzt werden und warum Serienfertigung die Risiken nicht automatisch senkt. Grundlage sind EU-Programme, Berichte der Bundesregierung und internationale Analysen.

Einleitung

Wenn im Winter die Sonne kaum scheint und der Wind tagelang schwach bleibt, wächst die Sorge vor Engpässen. Viele fragen sich, wie Versorgungssicherheit dann garantiert wird und wer die Rechnung trägt. In dieser Debatte tauchen Small Modular Reactors, kurz SMR, als mögliche Reserveoption auf. Sie gelten als kleiner, modular gebaut und theoretisch schneller zu errichten als klassische Großreaktoren.

Für Deutschland stellt sich jedoch eine grundsätzliche Frage: Würde ein politisches oder finanzielles Öffnen für SMR über EU-Programme oder nationale Instrumente am Ende Haushalte doppelt belasten, über Strompreise und über Steuern? Um das einzuordnen, lohnt ein Blick auf den aktuellen politischen Rahmen, die realen Kostentreiber und das Haftungs- und Milliardenrisiko, das mit Kernenergieprojekten verbunden sein kann.

Politischer Rahmen und Förderlogik

Auf EU-Ebene werden SMR derzeit vor allem über Forschungsprogramme adressiert. Im Euratom-Arbeitsprogramm 2023 bis 2025 ist ein eigenes Themenfeld für Leichtwasser-SMR vorgesehen. Dort geht es um Sicherheit, Materialien, digitale Modelle und Fragen einer harmonisierten Genehmigung. Für einzelne Forschungsthemen sind laut Arbeitsprogramm indikative EU-Beiträge in der Größenordnung von rund 15 Millionen Euro vorgesehen.

Gefördert wird vor allem Forschung zu Sicherheit, Zulassung und Materialien, nicht der Bau kommerzieller Anlagen.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Forschungsgelder mindern technische Unsicherheiten, sie ersetzen aber keine Milliardeninvestitionen für den Bau von Kraftwerken. Für diese Phase wären nationale Instrumente nötig, etwa staatliche Garantien, Abnahmeverträge oder direkte Zuschüsse.

Der Energie-Forschungsbericht der Bundesregierung aus 2024 zeigt, dass Deutschland Energieinnovation breit fördert. Eine feste Zusage für den Bau oder die finanzielle Absicherung von SMR ist darin nicht enthalten. Damit bleibt offen, ob und in welcher Form sich der Bund an Haftung oder Finanzierung beteiligen würde, falls sich eine politische Mehrheit für SMR als Reserveoption findet.

Die Kostenlogik hinter SMR

Wer über SMR Kosten Deutschland Strompreis spricht, muss die einzelnen Posten auseinanderziehen. Der größte Block ist das Kapital. Kernkraftwerke sind kapitalintensiv. Das bedeutet, dass ein Großteil der Gesamtkosten schon vor dem ersten erzeugten Kilowattstunde anfällt. Wie teuer der Strom später wird, hängt stark vom Zinssatz ab, also davon, wie riskant Investoren das Projekt einschätzen.

Hinzu kommen Genehmigungsverfahren. Die EU-Forschungsagenda betont ausdrücklich die Notwendigkeit harmonisierter Zulassung. Solange jedes Land eigene Verfahren und Sicherheitsanforderungen prüft, entstehen Zeitrisiken. Verzögerungen verteuern Projekte, weil Zinsen weiterlaufen, ohne dass Einnahmen fließen.

Ein weiterer Punkt ist Haftung und Versicherung. Nukleare Haftungsregime sind national geregelt und durch internationale Abkommen gerahmt. Ob der Staat im Schadensfall über gesetzliche Haftungsgrenzen hinaus einspringt, beeinflusst die Kalkulation. Je größer das wahrgenommene Haftungs- und Milliardenrisiko, desto höher die Finanzierungskosten.

Dazu kommen Brennstoffkette, Betrieb, Rückbau und Endlagerung. Internationale Berichte wie “Advances in SMR Developments” der IAEA weisen darauf hin, dass viele SMR-Designs noch in frühen Lizenzierungs- oder Demonstrationsphasen sind. Solange es keine breite Betriebserfahrung gibt, bleiben Annahmen zu Bauzeit und Kosten mit Unsicherheiten behaftet.

Was Serienfertigung leisten kann und was nicht

Ein zentrales Versprechen der SMR-Idee lautet Serienfertigung. Reaktormodule sollen in Fabriken vorgefertigt und dann an den Standort geliefert werden. Das klingt nach Skaleneffekten wie in der Autoindustrie. Tatsächlich kann Standardisierung Kosten senken, wenn viele identische Einheiten gebaut werden.

Die EU-Forschungsprogramme setzen deshalb auf gemeinsame Sicherheitsansätze und digitale Zwillinge, um Genehmigungen zu vereinheitlichen. Doch Serienfertigung setzt einen Markt mit ausreichend vielen Bestellungen voraus. Ohne eine Serie bleiben erste Anlagen sogenannte First-of-a-Kind-Projekte. Diese tragen die vollen Anlaufkosten.

Ein weiteres Risiko liegt in der Mehrblock-Logik. Viele Wirtschaftlichkeitsrechnungen gehen von mehreren Modulen an einem Standort aus. Das verteilt Fixkosten, erhöht aber die Komplexität bei Sicherheit, Notfallplanung und Netzanbindung. Werden unterschiedliche Designs parallel zugelassen, gehen mögliche Standardisierungsvorteile verloren.

Serienfertigung ist also kein Selbstläufer. Sie braucht klare politische Signale, verlässliche Nachfrage und abgestimmte Regulierung. Ohne diese Bedingungen bleibt das Versprechen theoretisch und die Kostendegression unsicher.

Alltagsfolgen für Strompreis, Steuern und Versorgung

Für dich als Verbraucher zählt am Ende, ob sich Strom verteuert oder stabilisiert. Wenn der Staat Bauprojekte mit Garantien oder Abnahmeverträgen absichert, tauchen diese Verpflichtungen indirekt im Strompreis oder im Haushalt auf. Das kann über Umlagen, Netzentgelte oder Steuerzuschüsse geschehen.

Auf der anderen Seite argumentieren Befürworter, dass gesicherte Leistung in Dunkelflauten den Bedarf an teuren Notfallmaßnahmen senken könnte. Ob SMR hier schneller oder günstiger wirken als Netzausbau, Speicher oder flexible Gaskraftwerke mit Wasserstoffoption, hängt stark von Bauzeit und Finanzierung ab.

Zeit ist ein entscheidender Faktor. EU-Dokumente konzentrieren sich bis 2025 auf Forschung und Lizenzierungsfragen. Selbst bei politischer Unterstützung würde die Wirkung auf das deutsche Stromsystem erst Jahre nach einer Investitionsentscheidung eintreten. Für kurzfristige Engpässe sind andere Instrumente relevanter.

Für Industriestrompreise kann die Rechnung anders aussehen. Große Abnehmer könnten von langfristigen Verträgen profitieren, wenn ein Projekt planbare Preise liefert. Ob diese Preise unter Alternativen liegen, entscheidet sich jedoch an den realen Bau- und Finanzierungskosten, nicht an Modellannahmen.

Fazit

SMR sind derzeit vor allem ein Forschungs- und Regulierungsthema in Europa. Die EU stellt Mittel für Sicherheits- und Zulassungsfragen bereit, nicht für flächendeckende Bauprogramme. Für Deutschland würde eine Öffnung als Industrie- oder Winterreserve bedeuten, über Kapitalgarantien, Haftung und langfristige Abnahmeverträge zu entscheiden. Genau dort liegt das eigentliche Risiko.

Ob daraus eine doppelte Belastung für Haushalte entsteht, hängt weniger an der Technik als an Finanzierung, Bauzeit und politischer Ausgestaltung. Ohne klare Kosten- und Haftungsregeln bleibt das Haftungs- und Milliardenrisiko im Raum stehen. Wer SMR ernsthaft prüfen will, muss diese Fragen offen auf den Tisch legen und mit Alternativen vergleichen.

Diskutiere mit: Soll Deutschland SMR als Reserveoption prüfen oder konsequent auf Netze, Speicher und flexible Kraftwerke setzen?

In diesem Artikel

Newsletter

Die wichtigsten Tech- & Wirtschaftsthemen – 1× pro Woche.

Avatar von Artisan Baumeister

→ Weitere Artikel des Autors

Newsletter

Einmal pro Woche die wichtigsten Tech- und Wirtschafts-Takeaways.

Kurz, kuratiert, ohne Bullshit. Perfekt für den Wochenstart.

[newsletter_form]