Russisches LNG in der EU: Folgen für Gaspreise 2026

Russisches LNG in der EU bleibt ein sensibles Thema für Verbraucher und Industrie. Obwohl die Europäische Union neue Regeln zum Ausstieg beschlossen hat, erreichte russisches Flüssigerdgas auch 2025 weiterhin europäische Terminals. Entscheidend sind Marktmechanismen, langfristige Lieferverträge und wachsende LNG-Importe insgesamt. Dieser Artikel erklärt verständlich, warum das so ist und welche realistischen Folgen das für den Gaspreis in Deutschland 2026, die Versorgungssicherheit und die Speicherlage haben kann.

Einleitung

Viele Haushalte fragen sich, ob ihre Gasrechnung 2026 weiter sinkt oder wieder steigt. Ein Faktor dabei ist russisches LNG in der EU. Trotz politischer Spannungen und neuer EU-Regeln wurde auch 2025 weiterhin Flüssigerdgas aus Russland importiert. Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich.

Um die Lage zu verstehen, muss man zwischen Marktanteil und absoluter Menge unterscheiden. Gleichzeitig spielen langfristige Lieferverträge, technische Abläufe an LNG-Terminals und neue gesetzliche Vorgaben eine zentrale Rolle. Laut Eurostat lag der Anteil Russlands an den extra-EU-LNG-Importen im dritten Quartal 2025 bei rund 15 %. Gleichzeitig stiegen die gesamten LNG-Importe Europas deutlich an.

Die Internationale Energieagentur erwartet für 2026 sogar Rekordimporte von LNG nach Europa. Genau in diesem Spannungsfeld bewegen sich Gaspreise, Versorgungssicherheit und politische Entscheidungen.

Wie viel russisches LNG kommt noch an?

Russisches LNG in der EU ist mengenmäßig kleiner geworden, aber nicht verschwunden. Nach Daten von Eurostat betrug der Anteil russischer Lieferungen an den gesamten LNG-Importen der EU im dritten Quartal 2025 etwa 15 %. Vor 2022 lag dieser Anteil deutlich höher.

Der Rückgang betrifft vor allem den relativen Anteil, nicht zwingend jede einzelne absolute Liefermenge.

Parallel dazu wuchs das gesamte LNG-Angebot auf dem Weltmarkt stark. Die IEA berichtet, dass die globale LNG-Produktion in der zweiten Hälfte 2025 um rund 10 % gegenüber dem Vorjahr zunahm. Vor allem neue Kapazitäten in den USA trugen dazu bei. Wenn die Gesamtmenge steigt, kann der Anteil eines Landes sinken, selbst wenn einzelne Lieferungen stabil bleiben.

Ausgewählte Kennzahlen zu LNG in der EU
Merkmal Beschreibung Wert
Anteil russisches LNG Extra-EU-Importe, Q3 2025 ca. 15 %
Globale LNG-Produktion Wachstum H2 2025 laut IEA rund 10 %
EU-Regelung 2026/261 Stufenweises Verbot russischer Gasimporte In Kraft 2026

Mit der Verordnung (EU) 2026/261 hat die EU zudem einen rechtlichen Rahmen geschaffen, der russische Gas- und LNG-Importe schrittweise einschränkt. Für bestimmte langfristige Verträge gelten Übergangsfristen bis 2027. Das erklärt, warum 2025 und 2026 noch Lieferungen möglich sind.

Warum Terminals und Lieferverträge entscheidend sind

LNG wird per Schiff transportiert und an speziellen Terminals entladen. Dort wird das tiefgekühlte Gas wieder in gasförmigen Zustand versetzt und ins Netz eingespeist. Diese Infrastruktur entscheidet mit, welche Mengen wohin fließen.

Ein zentraler Punkt sind langfristige Lieferverträge. Viele LNG-Verträge laufen über zehn, fünfzehn oder mehr Jahre. Die EU-Verordnung unterscheidet ausdrücklich zwischen kurz- und langfristigen Verträgen, die vor dem 17. Juni 2025 abgeschlossen wurden. Für einige dieser Verträge gelten befristete Ausnahmen, bevor ein vollständiges Verbot greift.

Hinzu kommt die Komplexität der Lieferketten. LNG kann weiterverkauft oder umgeladen werden. Die Verordnung verlangt deshalb detaillierte Angaben zu Herkunft, Verflüssigungsort und Vertragsdaten. In der Praxis bedeutet das mehr Kontrolle durch Zollbehörden und Aufsichtsstellen.

Für den Markt heißt das: Solange bestehende Lieferverträge laufen und global ausreichend Angebot vorhanden ist, fließt LNG dorthin, wo Nachfrage besteht und Infrastruktur verfügbar ist. Politische Ziele treffen hier auf reale Vertrags- und Logistikstrukturen.

Was das für Deutschland konkret bedeutet

Deutschland bezieht sein Gas inzwischen überwiegend über LNG-Terminals und europäische Nachbarländer. Seit 2022 wurden mehrere eigene LNG-Anlandestellen aufgebaut. Das erhöht die Flexibilität und verringert die Abhängigkeit von einzelnen Pipeline-Routen.

Für die Versorgungssicherheit ist entscheidend, dass ausreichend LNG am Weltmarkt verfügbar ist. Laut IEA dürften die LNG-Importe Europas 2026 ein Rekordniveau erreichen. Das spricht grundsätzlich für stabile Speicherfüllstände, sofern keine extremen Wetterereignisse oder globale Lieferausfälle eintreten.

Beim Gaspreis in Deutschland 2026 wirken mehrere Faktoren zusammen. Ein höheres globales Angebot wirkt preisdämpfend. Gleichzeitig können geopolitische Risiken oder Störungen an Terminals kurzfristig zu Preissprüngen führen. Der Anteil russischen LNGs allein entscheidet nicht über den Endkundenpreis, beeinflusst aber das Gesamtangebot in Europa.

Für die Industrie ist Planungssicherheit besonders wichtig. Langfristige Beschaffungsverträge und gefüllte Speicher reduzieren das Risiko plötzlicher Engpässe. Die neue EU-Regulierung schafft dabei klare Zeitachsen, an denen sich Unternehmen orientieren können.

Szenarien bis 2026 für Preise und Versorgung

Ein realistisches Basisszenario geht von weiter steigender globaler LNG-Produktion aus. Wenn zusätzliche Kapazitäten wie von der IEA beschrieben ans Netz gehen, bleibt das Angebot hoch. In diesem Fall dürfte der Gaspreis in Deutschland 2026 im Vergleich zu den extremen Ausschlägen der Jahre 2022 und 2023 moderater bleiben.

Ein zweites Szenario berücksichtigt strengere Durchsetzung der EU-Regeln und das Auslaufen alter Lieferverträge. Sinkt der Anteil russischen LNGs weiter, muss die Differenz vollständig durch andere Lieferländer ersetzt werden. Solange der Weltmarkt ausreichend beliefert wird, bleibt das verkraftbar.

Ein Risikoszenario entsteht, wenn mehrere Faktoren gleichzeitig auftreten, etwa hohe Nachfrage in Asien, technische Probleme an Exportanlagen oder politische Spannungen. Dann könnten sich Preise auch 2026 kurzfristig erhöhen.

Für Verbraucher lohnt sich daher ein Blick auf drei Indikatoren: Entwicklung der europäischen LNG-Importmengen, Füllstände der Gasspeicher und globale Produktionszahlen. Diese Kennzahlen geben ein besseres Bild als einzelne Schlagzeilen über russisches LNG in der EU.

Fazit

Russisches LNG in der EU ist 2026 vor allem eine Frage von Marktanteilen, Verträgen und Regulierung. Der Anteil ist laut Eurostat gesunken, während das gesamte LNG-Angebot wächst. Mit der Verordnung 2026/261 hat die EU einen klaren Fahrplan zum Ausstieg festgelegt, der jedoch Übergangsfristen für bestehende Verträge vorsieht. Für Deutschland bedeutet das: Die Versorgung dürfte bei stabiler Weltmarktlage gesichert bleiben, und der Gaspreis 2026 hängt stärker von globalem Angebot und Nachfrage ab als von einem einzelnen Lieferland.

Beobachte Importzahlen und Speicherstände aufmerksam und diskutiere mit, wie viel Energieunabhängigkeit Europa realistisch erreichen kann.

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