Die PV-Freiflächen-Auktion Deutschland liefert Zuschlagswerte um 5 Cent pro kWh. Was technisch klingt, beeinflusst direkt Strompreise, Netzkosten und die Versorgungssicherheit. Dieser Artikel erklärt die Mechanik der Ausschreibung, warum Zuschlagswerte trotz hoher Überzeichnung steigen können und wie sich 5 ct/kWh über PPAs, Bundeshaushalt und Netzentgelte bis in deinen Alltag durchschlagen. Grundlage sind offizielle Daten der Bundesnetzagentur sowie wissenschaftliche Analysen zur Rekonstruktion realer Gebotswerte.
Einleitung
Dein Stromtarif wirkt wie eine Blackbox. Auf der Rechnung stehen Arbeitspreis, Grundpreis und Netzentgelt, doch woher kommen diese Werte eigentlich? Ein Teil der Antwort liegt in den Ausschreibungen für große Solarparks. In der deutschen PV-Freiflächen-Auktion legen Projektentwickler fest, zu welchem Preis sie Strom über das EEG-System vermarkten wollen.
Für mehrere Ausschreibungsrunden im Jahr 2025 meldete die Bundesnetzagentur durchschnittliche Zuschlagswerte im Bereich von rund 4,66 bis 4,84 ct/kWh für das erste Segment der Solaranlagen. In Innovationsausschreibungen wurde unter anderem ein Durchschnittswert von 5,31 ct/kWh veröffentlicht. Solche Zahlen wirken niedrig. Trotzdem sind sie entscheidend für Investitionen, Haushaltsmittel und mittelbar für deine Stromkosten.
Warum steigen Zuschlagswerte trotz starker Überzeichnung? Und was bedeutet ein Niveau von etwa 5 Cent pro Kilowattstunde konkret für Preise und Versorgung? Genau das klären wir Schritt für Schritt.
Wie die PV-Freiflächen-Auktion Deutschland funktioniert
In der PV-Freiflächen-Auktion Deutschland konkurrieren Projektierer um ein festgelegtes Ausschreibungsvolumen. Sie geben ein Gebot in Cent pro Kilowattstunde ab. Wer einen Zuschlag erhält, bekommt für 20 Jahre eine gleitende Marktprämie nach dem EEG. Das bedeutet: Liegt der Börsenstrompreis unter dem Gebotswert, gleicht der Staat die Differenz aus. Liegt er darüber, entfällt die Zahlung.
Die Bundesnetzagentur veröffentlicht pro Gebotstermin vor allem aggregierte Werte wie den mengengewichteten Durchschnitt, nicht jedoch vollständige Projektlisten mit allen Geboten.
Wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass sich reale Projektwerte nur durch die Verknüpfung mehrerer Register rekonstruieren lassen. Dazu gehören die Auktionsdaten der Bundesnetzagentur, das Marktstammdatenregister sowie die Zahlungsdaten der Übertragungsnetzbetreiber. Eine Analyse aus dem Jahr 2021 beschreibt diese Methode detailliert. Diese Quelle ist von 2021 und damit älter als zwei Jahre.
| Merkmal | Beschreibung | Wert |
|---|---|---|
| Durchschnitt März 2025 | Mengengewichteter Zuschlagswert Solaranlagen erstes Segment | 4,66 ct/kWh |
| Durchschnitt Juli 2025 | Mengengewichteter Zuschlagswert Solaranlagen erstes Segment | 4,84 ct/kWh |
| Innovation Sept. 2025 | Durchschnitt Innovationsausschreibung | 5,31 ct/kWh |
Schon diese Spannbreite zeigt: Ein einzelner Wert von 5 ct/kWh steht für ein Marktumfeld, nicht für jede Anlage.
Warum der Zuschlagswert bei rund 5 ct/kWh liegt
Mehrere Faktoren beeinflussen das Gebotsniveau. Erstens die Investitionskosten. Studien und Branchenberichte nennen für große Freiflächenanlagen Richtwerte um 700 Euro pro Kilowatt installierter Leistung. Zweitens die Stromerträge. In Deutschland werden häufig etwa 1.000 kWh pro kW und Jahr als typische Größenordnung angesetzt.
Rechnet man rein überschlägig mit 5 ct/kWh, ergibt das pro installiertem Kilowatt rund 50 Euro Erlös pro Jahr aus der Förderung. Bei 700 Euro Investitionskosten entspräche das etwa 14 Jahren, um diese Summe allein über die Förderung zu decken. Marktpreise, Finanzierungskosten, Betriebskosten und mögliche Pönalen verändern dieses Bild deutlich, doch die Größenordnung wird greifbar.
Hinzu kommen Realisierungsrisiken. Verzögert sich die Inbetriebnahme oder ändert sich der Standort, können Abschläge anfallen. Die wissenschaftliche Analyse zeigt, dass reale Nettowerte im Durchschnitt um etwa 0,2 ct/kWh unter den ursprünglich gemeldeten Vollgeboten liegen können.
Steigen Kapital- oder Netzanschlusskosten, spiegeln sich diese Risiken in höheren Geboten wider. Eine starke Überzeichnung allein garantiert also keine weiter sinkenden Zuschlagswerte.
Zuschlagswert 5 Cent pro kWh: Auswirkungen Strompreis
Der Zuschlagswert bestimmt nicht direkt deinen Tarif. Er definiert die Obergrenze der Marktprämie. Liegt der Börsenpreis unter 5 ct/kWh, zahlt der Bund die Differenz. Diese Mittel fließen seit der Abschaffung der EEG-Umlage im Jahr 2022 aus dem Bundeshaushalt.
Für Unternehmen spielen zusätzlich Power Purchase Agreements eine Rolle. Ein PPA ist ein langfristiger Stromabnahmevertrag zwischen Betreiber und Abnehmer. Das Niveau der Auktionen wirkt hier als Referenz. Liegt der staatlich abgesicherte Wert bei rund 5 ct/kWh, orientieren sich auch viele PPA-Verhandlungen an ähnlichen Preisregionen, angepasst an Laufzeit und Risiko.
Auf der Netzseite entstehen weitere Kosten. Große Solarparks müssen angeschlossen werden, teilweise sind Netzausbau oder Redispatch-Maßnahmen nötig. Redispatch bedeutet, dass Anlagen bei Netzengpässen abgeregelt werden. Diese Systemkosten schlagen sich in den Netzentgelten nieder, die du als eigenen Posten auf der Stromrechnung siehst.
Ein Zuschlagswert von 5 ct/kWh ist also nur ein Baustein. Er beeinflusst Haushaltsmittel, Investitionsentscheidungen und indirekt die Struktur der Strompreise, nicht jedoch isoliert den Endkundenpreis.
Zubau, Netz und Versorgungssicherheit im Winter
Hohe Überzeichnungen zeigen, dass viele Projekte entwickelt werden. Entscheidend ist jedoch, wie viele Anlagen tatsächlich gebaut werden. Analysen der Auktionsdaten verknüpft mit Register- und Zahlungsdaten zeigen, dass zwischen Zuschlag und Inbetriebnahme im Mittel rund 1,5 Jahre liegen können. Diese Quelle ist von 2021 und damit älter als zwei Jahre.
Für die Versorgungssicherheit im Winter zählt nicht nur die installierte Leistung, sondern die tatsächliche Erzeugung. Solarparks liefern im Sommer deutlich mehr Strom als in dunklen Monaten. Wenn der Zubau schnell erfolgt, das Netz aber nicht im gleichen Tempo ausgebaut wird, steigt der Bedarf an Redispatch und flexiblen Kraftwerken.
Für die kommenden 12 Monate ist daher weniger die Frage entscheidend, ob 4,8 oder 5,2 ct/kWh geboten werden. Wichtiger ist, ob Projekte zügig ans Netz gehen und Engpässe reduziert werden. Bleiben Kapital- und Netzanschlusskosten stabil, dürfte sich das Gebotsniveau in einem ähnlichen Korridor bewegen.
Fazit
Ein Zuschlagswert von rund 5 ct/kWh in der PV-Freiflächen-Auktion Deutschland steht für ein Marktumfeld mit moderaten Investitionskosten und kalkulierbaren Risiken. Er beeinflusst Bundesmittel, PPA-Preise und mittelbar Netzentgelte, aber nicht eins zu eins deinen Stromtarif. Entscheidend für Versorgungssicherheit und Preisstabilität ist, wie schnell Projekte realisiert und Netze angepasst werden. Wer die Mechanik versteht, kann politische Debatten und eigene Stromkosten besser einordnen.





