Der 535‑MW‑Pumpspeicher Navaleo in Spanien soll ab den frühen 2030er‑Jahren Strom aufnehmen, wenn er günstig ist, und ihn bei hohen Preisen wieder abgeben. Doch senkt ein solches Projekt tatsächlich Strompreis‑Spitzen und das Blackout‑Risiko? Dieser Artikel erklärt, wie Pumpspeicher in Day‑Ahead‑ und Intraday‑Märkten wirken, welche Rolle sie bei Regelenergie und Netzengpässen spielen und woran du erkennst, ob der Pumpspeicher Spanien messbar zur Stabilität und zu geringeren Systemkosten beiträgt.
Einleitung
Wenn der Strompreis am Abend sprunghaft steigt, merkst du das nicht sofort an der Steckdose. Mittelbar wirken solche Spitzen aber auf Beschaffungskosten, Netzentgelte und Umlagen. In Spanien kommt mit dem Projekt Navaleo ein 535‑MW‑Pumpspeicher hinzu, der genau in diesen Stunden einspringen soll. Die Idee ist simpel: Strom wird gespeichert, wenn viel Sonne oder Wind im Netz ist und die Preise niedrig sind. Später wird er wieder verkauft, wenn Angebot knapp und der Preis hoch ist.
Laut Branchenmeldungen hat Alpiq das Projekt im Februar 2026 übernommen. Geplant ist eine geschlossene Anlage mit mindestens acht Stunden Speicherdauer, also rund 4.280 Megawattstunden pro vollständigem Zyklus. Der spanische Übertragungsnetzbetreiber Red Eléctrica beschreibt Pumpspeicher in seiner Versorgungsanalyse 2025 als zentral für Langzeitspeicherung und Systemstabilität. Entscheidend ist jedoch, ob diese Systemwirkung am Ende auch Preisspitzen glättet und Risiken für Versorgungsengpässe senkt.
Was der 535‑MW‑Pumpspeicher technisch leisten kann
Der Pumpspeicher Navaleo ist mit 535 Megawatt Leistung angegeben. Das entspricht grob der Leistung eines mittelgroßen Gaskraftwerks. Bei einer vorgesehenen Speicherdauer von mindestens acht Stunden ergibt sich eine Energiemenge von etwa 4.280 Megawattstunden. Diese Zahl ist kein Marketingwert, sondern das einfache Produkt aus Leistung und Zeit.
Der spanische Übertragungsnetzbetreiber hebt in seiner National Resource Adequacy Assessment 2025 hervor, dass Pumpspeicher eine zentrale Rolle für Langzeitspeicherung und Versorgungssicherheit im spanischen Stromsystem spielen.
Technisch funktioniert ein Pumpspeicher wie ein großer Akku mit Wasser. Bei niedrigen Preisen wird Wasser in ein höher gelegenes Becken gepumpt. Steigt die Nachfrage, fließt es durch Turbinen zurück und erzeugt Strom. Ein Teil der Energie geht durch Wirkungsgradverluste verloren. Branchenüblich sind 70 bis 80 Prozent, projektbezogene Werte für Navaleo sind öffentlich nicht detailliert ausgewiesen.
| Merkmal | Beschreibung | Wert |
|---|---|---|
| Installierte Leistung | Maximale elektrische Abgabe | 535 MW |
| Speicherdauer | Geplante Mindestdauer pro Zyklus | ≥ 8 Stunden |
| Energiespeicher | Leistung × Dauer | ca. 4.280 MWh |
Wie Pumpspeicher Strompreis‑Spitzen dämpfen
Am Day‑Ahead‑Markt wird Strom für jede Stunde des nächsten Tages gehandelt. Wenn zur Mittagszeit viel Photovoltaik einspeist, sinken die Preise oft deutlich. Am frühen Abend, wenn die Sonne weg ist und Haushalte kochen oder laden, steigen sie. Ein Pumpspeicher kauft typischerweise in günstigen Stunden und verkauft in teuren. Dieser Preisunterschied ist seine Geschäftsgrundlage.
Beispiel: Liegt die Preisdifferenz zwischen Mittags‑ und Abendstunden bei 40 Euro pro Megawattstunde, ergibt ein vollständiger Zyklus mit 4.280 Megawattstunden rechnerisch rund 171.200 Euro Bruttoerlös vor Kosten und Wirkungsgradverlusten. Bei 80 Euro Differenz verdoppelt sich dieser Wert entsprechend. Solche Rechnungen sind stark vereinfacht, zeigen aber, warum große Speicher gezielt auf Spitzen reagieren.
Für den Markt bedeutet das zusätzliche Angebot in teuren Stunden. Steigt das verfügbare Volumen, kann der Clearing‑Preis sinken. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt von der jeweiligen Marktsituation ab. Ein einzelnes 535‑MW‑Projekt verändert nicht jede Stunde spürbar, kann aber bei knappen Lagen eine relevante Zusatzmenge darstellen.
Netzstabilität bei Dunkelflaute und Hitze
Neben dem Energiehandel spielt Regelenergie eine wichtige Rolle. Das Stromnetz muss jederzeit bei 50 Hertz bleiben. Fällt ein Kraftwerk aus oder steigt die Last unerwartet, reagieren Kraftwerke und Speicher innerhalb von Sekunden oder Minuten. Pumpspeicher können ihre Leistung schnell anpassen und sind deshalb für Primär‑ und Sekundärregelung geeignet.
In Phasen mit wenig Wind und Sonne, also bei Dunkelflaute, steigt der Bedarf an gesicherter Leistung. Ein Speicher mit acht Stunden Dauer kann in solchen Situationen mehrere Stunden überbrücken. Das ersetzt keine langfristige Erzeugung, verschafft dem System aber Zeit. Auch bei Hitzeperioden mit hoher Klimaanlagen‑Last kann diese Reserve Engpässe entschärfen.
Der Übertragungsnetzbetreiber modelliert solche Effekte in seiner Versorgungsanalyse. Dort werden Pumpspeicher als Baustein für die Angemessenheit der Erzeugungskapazitäten berücksichtigt. Entscheidend ist, wie gut der Speicher ins Netz eingebunden ist und ob Übertragungsengpässe seine Abrufbarkeit begrenzen.
Grenzen, Marktregeln und Reality‑Check
Ob der Pumpspeicher Spanien tatsächlich Preis‑Spitzen senkt, hängt von mehreren Faktoren ab. Erstens von den realen Preisunterschieden am Markt. Sind die Spreads gering, wird weniger zyklisch gefahren. Zweitens von Netzengpässen. Wenn die Leitungskapazität in einer Region begrenzt ist, kann ein Speicher trotz freier Leistung nicht voll einspeisen.
Drittens spielen Marktregeln eine Rolle. Erlöse stammen nicht nur aus Arbitrage zwischen günstigen und teuren Stunden, sondern auch aus Regelenergie und möglichen Kapazitätsmechanismen. Wie stark diese Märkte vergüten, beeinflusst die Fahrweise. Viertens ist der Zeitplan relevant. Branchenberichte sprechen von einer Inbetriebnahme in den frühen 2030er‑Jahren. Spürbare Effekte treten also erst nach Fertigstellung ein.
Woran erkennst du, ob der Speicher wirkt? Achte auf veröffentlichte Daten zu Preisvolatilität, Redispatch‑Mengen und Regelenergiekosten nach Inbetriebnahme. Sinkende Extremwerte und geringere Ausgleichsenergie‑Kosten wären Indikatoren. Bleiben diese Kennzahlen unverändert, ist der Effekt kleiner als erwartet oder wird durch andere Faktoren überlagert.
Fazit
Der 535‑MW‑Pumpspeicher Navaleo bringt mit rund 4.280 Megawattstunden pro Zyklus eine beachtliche Energiemenge ins spanische System. Technisch kann er Preisspitzen im Day‑Ahead‑Markt dämpfen und kurzfristige Engpässe abfedern. Wie stark dieser Effekt auf deiner Stromrechnung ankommt, hängt von Preisunterschieden, Netzengpässen und Marktregeln ab. Sicher ist: Große Speicher erhöhen die Flexibilität und geben dem Netz in kritischen Stunden zusätzlichen Spielraum.





