Plug-in-Hybrid-Verbrauch: Bis zu 300% Mehrkosten möglich

Der Plug-in-Hybrid Verbrauch real liegt laut großen EU-Datenauswertungen deutlich über den offiziellen WLTP-Angaben. Studien von ICCT, IFEU und Transport & Environment zeigen Abweichungen von rund 300 Prozent im Schnitt, teils sogar mehr. Für dich als Privatkäufer, Pendler oder Firmenwagenfahrer heißt das: deutlich höhere Kraftstoffkosten als erwartet. Dieser Artikel übersetzt die Kernergebnisse in konkrete Euro-Beträge pro Monat und zeigt, wann ein Plug-in-Hybrid zur Kostenfalle werden kann.

Einleitung

Du kaufst ein Auto, rechnest mit 1,5 Litern pro 100 Kilometer laut Prospekt und planst deine monatlichen Spritkosten entsprechend. Monate später merkst du, dass der Tank viel schneller leer ist als gedacht. Genau das berichten viele Fahrer von Plug-in-Hybriden. Und die aktuellen EU-Daten bestätigen diesen Eindruck.

Auswertungen von rund einer Million Fahrzeugdaten zeigen: Der reale Verbrauch liegt im Schnitt bei etwa 5,9 Litern pro 100 Kilometer. Die offiziellen WLTP-Werte liegen häufig bei 1,4 bis 1,7 Litern. Das entspricht im Mittel einer Abweichung von rund 300 Prozent für Fahrzeuge der Baujahre 2021 bis 2023. In einzelnen Gruppen fällt der Unterschied noch größer aus.

Für dich ist entscheidend, was das finanziell bedeutet. Denn ein Plug-in-Hybrid spart nur dann Geld, wenn du ihn konsequent lädst und überwiegend elektrisch fährst. Sonst wird aus dem Effizienzversprechen schnell eine spürbare Mehrbelastung im Monat.

Was die großen Studien wirklich zeigen

Die EU erfasst seit einigen Jahren reale Verbrauchsdaten über das sogenannte OBFCM-System. Diese Daten wurden unter anderem vom ICCT, vom Umweltforschungsinstitut IFEU gemeinsam mit Fraunhofer und dem Öko-Institut sowie von Transport & Environment ausgewertet. Die Ergebnisse sind klar.

Im Durchschnitt kommen die untersuchten Plug-in-Hybride auf etwa 5,9 Liter pro 100 Kilometer im realen Betrieb. Offiziell zugelassen sind viele dieser Fahrzeuge mit 1,4 bis 1,7 Litern nach WLTP. Daraus ergibt sich im Schnitt eine Abweichung von rund 300 Prozent.

Laut IFEU-Analyse auf Basis von rund einer Million Datensätzen liegt der reale kombinierte Verbrauch deutlich über den Typprüfwerten, bei durchschnittlich 5,9 Litern pro 100 Kilometer.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der elektrische Fahranteil. Private Halter kommen laut ICCT im Mittel auf etwa 45 bis 49 Prozent elektrische Fahranteile. Bei Dienstwagen liegt dieser Wert deutlich niedriger, oft nur bei 11 bis 15 Prozent. Je seltener geladen wird, desto stärker nähert sich der Verbrauch einem klassischen Benziner an.

Zentrale Kennzahlen aus EU-Datenauswertungen
Merkmal Beschreibung Wert
Realer Durchschnittsverbrauch Kombinierter Verbrauch im Alltag laut OBFCM-Daten ca. 5,9 l/100 km
Offizieller WLTP-Wert Typgenehmigung vieler Modelle 2021–2023 ca. 1,4–1,7 l/100 km
Durchschnittliche Abweichung Realverbrauch im Vergleich zu WLTP rund 300 %

Was dich der Mehrverbrauch im Alltag kostet

Die prozentuale Abweichung klingt abstrakt. Interessanter ist die Frage, was das in Euro bedeutet. Transport & Environment beziffert die zusätzlichen jährlichen Kraftstoffkosten je nach Annahmen auf etwa 500 bis 940 Euro im Vergleich zu den offiziellen Erwartungen.

Rechnen wir es für drei typische Profile durch, auf Basis der genannten Durchschnittswerte. Wer 15.000 Kilometer im Jahr fährt und statt mit 1,5 Litern real mit rund 5,9 Litern unterwegs ist, verbraucht rund 660 Liter mehr Kraftstoff als erwartet. Selbst bei moderaten Spritpreisen summiert sich das schnell auf mehrere Hundert Euro pro Jahr.

Besonders teuer wird es für Pendler ohne feste Lademöglichkeit zu Hause oder am Arbeitsplatz. Fährst du überwiegend mit leerer Batterie, bewegst du ein schweres Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Dann liegst du eher im Bereich von 7 Litern pro 100 Kilometer im sogenannten Charge-Sustaining-Betrieb.

Anders sieht es aus, wenn du konsequent lädst und viele Strecken unterhalb der elektrischen Reichweite bleiben. Dann kann sich der reale Verbrauch deutlich reduzieren. Entscheidend ist nicht das Datenblatt, sondern deine tägliche Routine.

Warum der Plug-in-Hybrid Verbrauch real so stark abweicht

Der WLTP-Test kombiniert elektrische und verbrennungsmotorische Fahranteile mithilfe eines sogenannten Utility Factors. Dieser Faktor basiert auf der elektrischen Reichweite im Test. In der Praxis wird jedoch deutlich seltener geladen als im Modell angenommen.

Hinzu kommt ein technischer Effekt: Selbst im Prüfmodus mit geladener Batterie läuft der Verbrennungsmotor teilweise mit. Der Test misst eine energiebasierte Entladung, kein reines “Motor aus”-Fahren. Das verzerrt die Erwartung, wie viel tatsächlich elektrisch gefahren wird.

Im Alltag spielen weitere Faktoren hinein. Viele Plug-in-Hybride sind schwer und haben leistungsstarke Verbrennungsmotoren. Ist die Batterie leer, steigt der Verbrauch deutlich. Im Winter erhöhen Heizung und kalte Starts zusätzlich den Kraftstoffbedarf.

Bei Firmenwagen kommt ein Anreizproblem dazu. Wer eine Tankkarte hat, spürt die zusätzlichen Kosten oft nicht direkt. Entsprechend niedrig ist laut ICCT der elektrische Fahranteil in diesem Segment.

Welche Risiken bei Kauf und Leasing oft übersehen werden

Ein zu optimistischer Verbrauchswert beeinflusst deine gesamte Kostenrechnung. Wenn du beim Kauf mit 1,5 Litern kalkulierst, real aber nahe 6 Liter landest, verschiebt sich die Total Cost of Ownership spürbar. Das betrifft Privatkäufer ebenso wie Selbstständige.

Auch der Restwert kann leiden, wenn politische Rahmenbedingungen angepasst werden. Die EU hat bereits strengere Bewertungsregeln für 2025 und weitere Anpassungen für 2027 angekündigt. Wenn Fahrzeuge offiziell höhere Emissionen ausweisen, kann das steuerliche Vorteile reduzieren.

Vor dem Kauf solltest du dir daher klare Fragen stellen: Kann ich zu Hause oder am Arbeitsplatz zuverlässig laden. Wie lang sind meine typischen Strecken. Fahre ich regelmäßig weiter als die elektrische Reichweite. Und wie entwickeln sich Strom- und Kraftstoffpreise in meinem Tarif.

Wenn dein Fahrprofil kaum Ladepausen erlaubt, kann ein effizienter Vollhybrid oder ein reines Elektroauto wirtschaftlich sinnvoller sein. Der Plug-in-Hybrid funktioniert nur dann wie geplant, wenn dein Alltag zu seinem Konzept passt.

Fazit

Der Plug-in-Hybrid Verbrauch real liegt laut großen EU-Auswertungen im Schnitt rund 300 Prozent über den offiziellen WLTP-Angaben. Für dich kann das mehrere Hundert Euro Mehrkosten pro Jahr bedeuten. Entscheidend ist nicht die Technik allein, sondern dein Ladeverhalten und dein Fahrprofil.

Wenn du täglich laden kannst und viele kurze Strecken fährst, kann ein Plug-in-Hybrid sinnvoll sein. Ohne feste Laderoutine wird er schnell zum schweren Benziner mit kleiner Batterie. Die nüchterne Rechnung schützt dich vor teuren Fehlentscheidungen.

Wie sieht dein Fahrprofil aus und passt es wirklich zu einem Plug-in-Hybrid. Teile deine Erfahrungen und diskutiere mit.

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