Physische Tasten im Auto: Was Chinas Vorschrift bedeutet

Physische Tasten im Auto stehen in China ab 2026 wieder im Fokus der Regulierung. Ein Entwurf zur Überarbeitung des Standards GB 4094 schreibt vor, dass zentrale Funktionen wie Blinker, Warnblinker, Wischer oder Defroster als echte, tastbare Bedienelemente ausgeführt sein müssen. Für dich als Käufer stellt sich die Frage: Macht das Fahren messbar sicherer – und verteuert zusätzliche Hardware künftige Modelle auch in Europa? Der Artikel zeigt, welche Funktionen betroffen sind, wie die Vorschrift geprüft wird und welche Folgen in Deutschland realistisch sind.

Einleitung

Du fährst bei Regen auf der Autobahn, die Scheibe beschlägt, das Auto vor dir bremst plötzlich. In solchen Momenten zählt jede Sekunde. Wenn du erst durch ein Touchmenü wischen musst, um den Defroster oder die Wischer schneller zu stellen, wandert dein Blick von der Straße weg. Genau hier setzt China an.

Im Februar 2026 wurde ein Entwurf zur Überarbeitung des nationalen Standards GB 4094 veröffentlicht. Er verlangt, dass bestimmte sicherheitsrelevante Funktionen künftig über physische, also tastbare Bedienelemente erreichbar sind. Ziel ist, dass du sie ohne Hinsehen bedienen kannst. Der Entwurf befindet sich im formalen Verfahren, die finale Fassung und das genaue Inkrafttreten werden nach Abschluss veröffentlicht.

Für internationale Hersteller ist der chinesische Markt zu groß, um Sonderlösungen dauerhaft nur für ein Land zu bauen. Deshalb lohnt sich der Blick auch für deutsche Käufer. Denn physische Tasten im Auto betreffen nicht nur das Bediengefühl, sondern Sicherheit, Entwicklungskosten und Modellpflege.

Was die chinesische Vorschrift konkret verlangt

Der Entwurf zur Revision von GB 4094 listet Kernfunktionen auf, die künftig als physische Bedienelemente ausgeführt sein müssen. Dazu zählen Blinker, Warnblinker, Hupe, Gangwahl, Scheibenwischer, Frontscheiben-Defroster, Fensterheber, der Schalter zur Aktivierung von Fahrerassistenzsystemen, der SOS-Notruf sowie bei Elektroautos die Hochvolt-Abschaltung.

Entscheidend ist nicht nur, dass es einen Knopf gibt. Der Entwurf nennt auch technische Mindestanforderungen. Die wirksame Bedienfläche eines Schalters soll mindestens 10 mal 10 Millimeter groß sein. Außerdem müssen die Elemente eine feste Position haben, damit du sie über Muskelgedächtnis findest. Gefordert sind haptische oder akustische Rückmeldungen. Grundfunktionen sollen auch bei einem Systemabsturz oder Stromausfall weiterhin bedienbar bleiben.

Laut Entwurfsunterlagen zur Revision von GB 4094 müssen zentrale Fahrzeugfunktionen über physische, klar lokalisierbare Bedienelemente erreichbar sein und auch bei Systemausfall funktionsfähig bleiben.

Der Standard gilt für Fahrzeuge der Klassen M und N, also Pkw sowie leichte und schwere Nutzfahrzeuge. Reine Touchflächen ohne fühlbare Struktur, die über den zentralen Bildschirm laufen, erfüllen diese Anforderungen nach der aktuellen Entwurfsfassung nicht. Hersteller müssten ihre Innenraumarchitektur entsprechend anpassen.

Auszug zentraler Anforderungen im Entwurf zur Revision von GB 4094
Merkmal Beschreibung Vorgabe im Entwurf
Betroffene Funktionen Sicherheits- und Grundfunktionen wie Blinker, Wischer, Defroster Physische Bedienelemente vorgeschrieben
Bedienfläche Wirksame Fläche eines Schalters Mindestens 10 × 10 mm
Ausfallsicherheit Bedienbarkeit bei Systemfehler Grundfunktionen müssen verfügbar bleiben

Wie geprüft wird – und was bei Verstößen droht

GB-Standards sind in China verbindliche nationale Normen. Wenn die Revision in Kraft tritt, wird sie Teil des Typgenehmigungsprozesses. Das bedeutet: Ein neues Modell erhält nur dann eine Zulassung, wenn es die Anforderungen erfüllt. Ein separates Bußgeldsystem nennt der Entwurf nicht. Praktisch wirkt die Vorschrift über die Zulassungsschiene.

Für Hersteller ist das relevant. Wird ein Modell nicht konform entwickelt, kann die Genehmigung verweigert werden. Fahrzeuge dürften dann nicht verkauft werden, bis die Abweichungen behoben sind. Das ist kein Strafzettel, sondern ein Vertriebsstopp durch fehlende Typzulassung.

Geprüft wird im Rahmen der technischen Dokumentation und der Fahrzeuginspektion. Dazu gehört die Bewertung der Bedienelemente, ihrer Position und ihrer Ausfallsicherheit. Anders als bei freiwilligen NCAP-Crashtests handelt es sich hier um eine regulatorische Mindestanforderung. Ohne Erfüllung keine Marktzulassung.

Zum Zeitpunkt 18.02.2026 befand sich der Text im Entwurfs- und Kommentierungsverfahren. Medienberichte nennen unterschiedliche Termine für das Inkrafttreten. Verbindlich ist erst die finale Veröffentlichung im nationalen Standardportal.

Sicherheit im Alltag und mögliche Mehrkosten

Der Sicherheitsgedanke ist klar. Eine feste Taste mit fühlbarer Kontur kannst du ertasten, ohne den Blick vom Verkehr zu nehmen. Ein Touchfeld auf einem glatten Bildschirm verlangt in der Regel visuelle Kontrolle. Gerade bei Regen, Dunkelheit oder dichtem Verkehr summieren sich solche Blickabwendungen.

Ob physische Tasten im Auto statistisch messbar Unfälle reduzieren, hängt von vielen Faktoren ab. Der Entwurf setzt an einem einfachen Punkt an: weniger Ablenkung bei Kernfunktionen. Er schreibt deshalb Mindestgröße, feste Position und Rückmeldung vor.

Bleibt die Kostenfrage. Branchenanalysen gehen laut Fachberichten davon aus, dass zusätzliche Schalter je nach Ausführung im Bereich von etwa 5 bis 30 US-Dollar pro Einheit liegen können. Entscheidend ist, wie viele Funktionen neu hardwareseitig umgesetzt werden müssen und ob bestehende Plattformen angepasst werden. Bei umfassenden Änderungen an Kabelbäumen, Steuergeräten und Validierung können Entwicklungszeiten von mehreren Monaten bis zu über einem Jahr entstehen.

Für Käufer bedeutet das: Einzelne Bauteile sind günstig. Komplex wird es, wenn ein Hersteller für China und Europa unterschiedliche Cockpit-Varianten entwickeln muss. Dann steigen Entwicklungs- und Variantenkosten. Ob und wie stark sich das im Endpreis niederschlägt, hängt von Stückzahlen und Modellstrategie ab. Konkrete Preisaufschläge nennt der Entwurf nicht.

Was Käufer in Deutschland jetzt beachten sollten

China ist für viele Hersteller der wichtigste Einzelmarkt. Wenn dort physische Tasten vorgeschrieben sind, lohnt sich eine Vereinheitlichung der Innenräume. Es ist wirtschaftlich oft sinnvoller, eine Hardwarelösung weltweit auszurollen, statt zwei unterschiedliche Cockpits zu pflegen.

In einem Zeitraum von 12 bis 24 Monaten nach Inkrafttreten der finalen Vorschrift könnten daher Modellpflegen sichtbar werden, bei denen bestimmte Funktionen wieder als echte Schalter oder Drehregler ausgeführt sind. Das betrifft vor allem globale Plattformen von Volumenherstellern.

Für deinen nächsten Autokauf hilft eine einfache Checkliste. Prüfe, ob Warnblinker, Wischer, Licht, Defroster und Lautstärke über klar erkennbare, fühlbare Elemente erreichbar sind. Achte darauf, ob diese Bedienelemente eine feste Position haben und nicht nur Teil eines wechselnden Touchmenüs sind. Bei Importfahrzeugen aus China lohnt ein Blick auf die Ausstattungsversion, da sie möglicherweise bereits die neuen Anforderungen erfüllt.

Eine ähnliche Debatte läuft auch in Europa. Zwar gibt es derzeit keine identische Vorschrift wie GB 4094, doch Sicherheitsbewertungen und Verbrauchertests berücksichtigen zunehmend die Ablenkung durch Touchbedienung. Ein regulatorischer Trend ist daher nicht ausgeschlossen, auch wenn konkrete EU-Regeln dazu aktuell nicht vorliegen.

Fazit

China schreibt mit der geplanten Revision von GB 4094 physische Bedienelemente für zentrale Fahrzeugfunktionen vor. Blinker, Wischer, Defroster oder SOS sollen wieder tastbar sein und auch bei Systemfehlern funktionieren. Für dich als Fahrer bedeutet das im Idealfall weniger Blickabwendung und mehr Handlungssicherheit in kritischen Situationen.

Ob Autos dadurch teurer werden, hängt weniger an einzelnen Tasten als an der Plattformstrategie der Hersteller. Zusätzliche Hardware kostet Geld, doch größere Effekte entstehen durch Entwicklungsaufwand und Variantenmanagement. Wenn globale Modelle vereinheitlicht werden, könnten auch europäische Versionen wieder mehr echte Schalter bekommen.

Teile den Artikel, wenn du findest, dass Sicherheit im Cockpit wichtiger ist als ein aufgeräumtes Display – und diskutiere mit, wie viel Touch im Auto sinnvoll ist.

In diesem Artikel

Newsletter

Die wichtigsten Tech- & Wirtschaftsthemen – 1× pro Woche.

Avatar von Artisan Baumeister

→ Weitere Artikel des Autors

Newsletter

Einmal pro Woche die wichtigsten Tech- und Wirtschafts-Takeaways.

Kurz, kuratiert, ohne Bullshit. Perfekt für den Wochenstart.

[newsletter_form]