Netzbetreiber legen NEP-Entwurf 2037/2045 mit Kostendruck vor

Stand: 09. February 2026, 16:46 Uhr
Berlin

Auf einen Blick

Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber haben den Entwurf des Netzentwicklungsplans Strom 2037/2045 (2025) vorgelegt und verweisen auf steigende Netzausbau-Kosten. Parallel beziffert der EU-Rechnungshof den Investitionsbedarf für Europas Stromnetze bis 2050 auf rund zwei Billionen Euro. Das erhöht den Druck auf Netzentgelte und Genehmigungsprozesse.

Das Wichtigste

  • Die Übertragungsnetzbetreiber legen den NEP-Entwurf 2037/2045 (2025) als Planungsgrundlage für den Stromnetzausbau vor.
  • Der EU-Rechnungshof nennt für die EU einen Bedarf von 1,994 bis 2,294 Billionen Euro für Stromnetze bis 2050; geplante Investitionen der Betreiber summieren sich laut Prüfung auf rund 1,871 Billionen Euro (2024–2050).
  • Netzentgelte bleiben ein relevanter Preisbestandteil: Für 2023 weist der EU-Rechnungshof durchschnittliche Netztarife von 0,072 Euro je kWh für Haushalte aus.

Netzausbau als Engpass bei Wind und Solar

Mit dem Entwurf des Netzentwicklungsplans (NEP) Strom 2037/2045 (2025) konkretisieren die deutschen Übertragungsnetzbetreiber ihren Ausbaupfad für Leitungen, Umspannwerke und Anbindung von Erzeugern. Der Plan ist ein zentrales Instrument, um den Zubau von Wind- und Solarenergie in das Stromsystem zu integrieren. Zugleich verweist eine Prüfung des Europäischen Rechnungshofs auf einen europaweit sehr hohen Investitionsbedarf für die Netzinfrastruktur.

NEP-Entwurf beschreibt steigende Kosten und neue Szenariobreite

Auf der NEP-Plattform der Übertragungsnetzbetreiber wird der Netzentwicklungsplan 2037/2045 (2025) als aktueller Entwurf geführt. Darin wird unter anderem eine breitere Szenariokorridor-Planung beschrieben sowie eine Optimierung der Offshore-Anbindung mit dem Ziel, bestehende Netzanschlusspunkte besser auszulasten. Der Entwurf verweist zudem darauf, dass Knappheiten bei technischen Komponenten und Dienstleistungen die Kostenannahmen gegenüber früheren Planungen erhöht haben.

EU-weit beziffert der Europäische Rechnungshof den Investitionsbedarf für Stromnetze bis 2050 in einer Prüfung auf 1,994 bis 2,294 Billionen Euro. Den von den Betreibern gemeldeten und von der Prüfung zusammengetragenen Investitionsplänen stellt der Rechnungshof eine Summe von rund 1,871 Billionen Euro für den Zeitraum 2024 bis 2050 gegenüber. Als Richtwert nennt die Prüfung außerdem geplante Investitionen von etwa 72 Milliarden Euro pro Jahr bis 2030.

Wichtig: Konkrete Kostensummen für den deutschen Netzausbau nennt die NEP-Übersicht derzeit nicht.

Bedeutung für Deutschland und Europa

Netzausbau-Kosten wirken sich über regulierte Netzentgelte auf die Stromrechnung aus, neben Beschaffung, Steuern und Abgaben. Der Europäische Rechnungshof weist für 2023 EU-weit durchschnittliche Netztarife von 0,072 Euro je Kilowattstunde für Haushalte aus (Nicht-Haushalte: 0,035 Euro je kWh). Wie stark höhere Investitionen einzelne Endkundenpreise beeinflussen, hängt von der nationalen Ausgestaltung der Regulierung, dem Finanzierungspfad und dem Bautempo ab.

Institutionell bildet der NEP in Deutschland die Grundlage für weitere Prüf- und Bestätigungsschritte der Bundesnetzagentur sowie für nachgelagerte Genehmigungen einzelner Vorhaben. Auf EU-Ebene unterstreicht die Rechnungshof-Prüfung, dass Netzinvestitionen, Genehmigungsdauer und Finanzierungsfragen den Ausbau erneuerbarer Erzeugung und die Marktintegration über Grenzen hinweg mitbestimmen.

Nächste Schritte in Regulierung und Umsetzung

Im deutschen NEP-Verfahren folgen in der Regel Konsultationen, eine Bewertung der Bundesnetzagentur und Anpassungen in weiteren Entwurfsständen, bevor Maßnahmen in den Bundesbedarfsplan und konkrete Projektgenehmigungen übergehen. Parallel adressiert das Bundeswirtschaftsministerium in seiner „System Stability Roadmap“ technische Voraussetzungen für einen stabilen Betrieb bei wachsendem Anteil leistungselektronisch gekoppelter Erzeugung, etwa Vorgaben zu netzbildenden Wechselrichtern und Anschlussregeln.

Einordnung

Der NEP-Entwurf und die Zahlen des Europäischen Rechnungshofs zeigen die Größenordnung der anstehenden Netzinvestitionen. Für die Integration von Wind- und Solarstrom bleibt der Ausbau von Übertragungs- und Verteilnetzen neben Flexibilitätsoptionen ein zentraler Faktor. Kurzfristige Auswirkungen auf Strompreise lassen sich daraus nicht unmittelbar ableiten; Netzentgelte bilden jedoch einen direkten Übertragungskanal von Netzausbau-Kosten in die Endkundenrechnung.

Hinweis: TechZeitGeist dokumentiert Verzögerungen und Kostenänderungen bei genehmigten Netzausbauprojekten auf Basis verifizierbarer Projektunterlagen.

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