Modulare Gaskraftwerke: Wer zahlt die Reserve für Dunkelflauten?

Wenn Wind und Sonne schwächeln, müssen andere Kraftwerke einspringen. Modulare Gaskraftwerke gelten in Deutschland als flexible Reserve für solche Dunkelflauten. Doch wie funktionieren diese Anlagen technisch und wirtschaftlich – und was bedeutet das für deinen Strompreis? Dieser Artikel erklärt das Prinzip von Reservekraftwerken, die Rolle eines möglichen Kapazitätsmarkts in Deutschland sowie die Kostenmechanik aus Fixvergütung und Einsatzkosten. Auf Basis regulatorischer und wissenschaftlicher Quellen wird klar, wo Versorgungssicherheit entsteht – und wo sie sich auf Netzentgelte und Strompreis auswirken kann.

Einleitung

Du kennst das Problem vielleicht aus dem Alltag: Der Strom kommt zuverlässig aus der Steckdose, egal ob es windstill ist oder tagelang bewölkt. Doch hinter dieser Selbstverständlichkeit steckt ein komplexes System. Gerade in Zeiten hoher Anteile erneuerbarer Energien braucht das Netz flexible Reservekraftwerke, die einspringen, wenn Wind und Sonne nicht genug liefern.

In Deutschland wird seit Jahren über strategische Reserven und mögliche Kapazitätsmechanismen diskutiert. Modulare Gaskraftwerke spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie lassen sich vergleichsweise schnell starten, sind technisch flexibel und können in kleineren Einheiten nahe an Verbrauchszentren errichtet werden.

Entscheidend ist jedoch nicht nur die Technik, sondern auch die Frage der Finanzierung. Reservekraftwerke werden nicht allein über den Strommarkt bezahlt, sondern über spezielle Vergütungsmodelle. Diese Kosten können sich über Netzentgelte oder andere Umlagen indirekt im Strompreis niederschlagen. Genau hier lohnt sich ein genauer Blick.

Wie modulare Gaskraftwerke als Reserve funktionieren

Modulare Gaskraftwerke bestehen meist aus mehreren kleineren Einheiten, etwa Gasmotoren oder Gasturbinen. Statt eines großen Blocks werden mehrere Module kombiniert. Fällt ein Modul aus oder wird gewartet, können andere weiterlaufen. Das erhöht die technische Verfügbarkeit.

Für den Einsatz als Reservekraftwerke sind vor allem drei Eigenschaften wichtig: kurze Startzeiten, flexible Lastanpassung und planbare Leistung. Laut wissenschaftlichen Analysen zu strategischen Reserven werden solche Anlagen außerhalb des regulären Strommarkts vorgehalten und nur in Engpasssituationen aktiviert.

Strategische Reserven werden bewusst vom Markt getrennt und nur in Knappheitssituationen eingesetzt, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Im Unterschied zu klassischen Kraftwerken verdienen Reserveanlagen ihr Geld nicht primär durch kontinuierliche Stromproduktion. Sie stehen bereit, oft mit vertraglich garantierter Leistung in Megawatt, und werden nur bei Bedarf zugeschaltet. Technisch bedeutet das: regelmäßige Tests, definierte Reaktionszeiten und klare Vorgaben zu Mindestlaufzeiten.

Typische Merkmale strategischer Reservekraftwerke
Merkmal Beschreibung Bedeutung
Vertragsleistung Fest zugesicherte Leistung in MW Garantierte Reservekapazität
Fixvergütung Vergütung pro MW und Zeitraum Deckt Bereithaltungskosten
Einsatzvergütung Erstattung variabler Kosten bei Aktivierung Deckt Brennstoff- und Startkosten
Markttrennung Keine Teilnahme am regulären Strommarkt Vermeidet Marktverzerrungen

Kapazitätsmechanismus und Vergütungssystem in Deutschland

Deutschland setzt bislang auf einen sogenannten strategischen Reserveansatz. Dabei schreiben zuständige Behörden Reserveleistung aus. Betreiber erhalten eine Fixvergütung für die Bereitstellung der Leistung und eine zusätzliche Vergütung, wenn die Anlage tatsächlich eingesetzt wird.

Die wissenschaftliche Literatur unterscheidet klar zwischen strategischer Reserve und umfassendem Kapazitätsmarkt. Während ein Kapazitätsmarkt allen verfügbaren Kraftwerken eine Vergütung für ihre Leistung zusichert, beschränkt sich die strategische Reserve auf eine definierte Menge außerhalb des Marktes. Studien wie das IFN-Working-Paper von 2021, das älter als zwei Jahre ist, analysieren diese Unterschiede detailliert.

Das Vergütungssystem folgt meist einem zweistufigen Prinzip. Erstens erhalten Betreiber eine feste Zahlung pro Megawatt und Jahr oder Vertragsperiode. Diese Fixvergütung deckt Investitions- und Vorhaltekosten. Zweitens werden im Einsatzfall variable Kosten wie Brennstoff und Anfahrkosten erstattet. Teilweise werden Markterlöse bei Aktivierung mit den Einsatzkosten verrechnet.

Wichtig ist: Diese Zahlungen erfolgen nicht direkt über den Börsenstrompreis. Sie werden regulatorisch organisiert und über Systemkosten refinanziert. Damit entsteht eine indirekte Verbindung zum Endkundenpreis.

Was bedeutet das für Netzentgelte und Strompreis?

Die Kosten für Reservekraftwerke werden im Regelfall als Teil der Systemsicherheitskosten behandelt. Je nach Ausgestaltung können sie in Netzentgelte oder andere Umlagemechanismen einfließen. Für dich als Verbraucher erscheinen sie nicht als eigene Position, sondern als Bestandteil des Gesamtstrompreises.

Wissenschaftliche Analysen zeigen, dass strategische Reserven im Vergleich zu breit angelegten Kapazitätsmärkten tendenziell gezielter und damit potenziell kosteneffizienter sein können. Allerdings hängen die tatsächlichen Kosten stark vom ausgeschriebenen Leistungsvolumen und der Höhe der Fixvergütung ab.

Ein einfaches Rechenbeispiel aus der Fachliteratur verdeutlicht die Mechanik: Werden Reservekapazitäten mit einer festen Jahresvergütung kontrahiert, verteilen sich diese Gesamtkosten rechnerisch auf die gesamte Stromnachfrage in Terawattstunden. Selbst hohe absolute Beträge können so pro Kilowattstunde vergleichsweise gering erscheinen. Dennoch summieren sich die Kosten über Jahre.

Entscheidend ist deshalb die Abwägung zwischen Versorgungssicherheit und Kosteneffizienz. Ohne ausreichende Reserve drohen im Extremfall Lastabschaltungen. Mit zu großzügig dimensionierter Reserve steigen dagegen die Systemkosten unnötig.

Gasbedarf, H2-Readiness und Standortfragen

Modulare Gaskraftwerke benötigen Erdgas, solange sie nicht auf Wasserstoff umgestellt sind. In der aktuellen energiepolitischen Debatte spielt daher die Frage der H2-Readiness eine große Rolle. Damit ist gemeint, ob eine Anlage technisch so ausgelegt ist, dass sie später auf Wasserstoffbetrieb umgerüstet werden kann.

Für die Netzstabilität ist auch der Standort entscheidend. Dezentrale Anlagen nahe Industriezentren oder großen Verbrauchsschwerpunkten können Engpässe im Übertragungsnetz reduzieren. Das kann den Bedarf an Netzausbau teilweise mindern, ersetzt ihn aber nicht vollständig.

Gleichzeitig müssen Emissionsvorgaben und Laufzeitbegrenzungen berücksichtigt werden. Reservekraftwerke laufen typischerweise nur wenige Stunden im Jahr, was ihre direkten Emissionen begrenzt. Dennoch bleibt die Abhängigkeit vom Gasmarkt ein wirtschaftlicher Faktor.

Die zentrale Entscheidungsfrage lautet daher: Wie viel fossile Reserve ist für die Übergangsphase nötig, und wie schnell lässt sie sich auf klimaneutrale Gase umstellen? Diese Weichenstellung beeinflusst nicht nur Klimaziele, sondern auch langfristige Kostenstrukturen.

Fazit

Modulare Gaskraftwerke sind ein technisches Instrument zur Absicherung eines zunehmend erneuerbaren Stromsystems. Über strategische Reserveverträge erhalten sie eine Fixvergütung für ihre Bereitstellung und eine Einsatzvergütung im Bedarfsfall. Die Finanzierung erfolgt außerhalb des klassischen Strommarkts und kann über Netzentgelte oder Systemkosten indirekt in den Strompreis einfließen.

Ob diese Lösung effizient ist, hängt von der Ausgestaltung ab: Umfang der Reserve, Vertragsbedingungen, Anreize für H2-Umrüstung und Einbindung in das Netz. Klar ist, dass Versorgungssicherheit nicht kostenfrei zu haben ist. Die politische und regulatorische Balance entscheidet darüber, wie hoch die Belastung für Verbraucher ausfällt.

Wie viel Reserve hältst du für angemessen, um Blackouts zu vermeiden? Diskutiere mit und teile den Artikel, wenn dich das Thema Strompreis beschäftigt.

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