Auf einen Blick
Ladepreise werden für viele E‑Auto‑Fahrer nicht durch den kWh‑Preis entschieden, sondern durch Blockiergebühren, Minutenmodelle, Start-/App‑Aufschläge und Roaming‑Tarife. Die EU‑Regel AFIR verlangt bei vielen Schnellladern klare Preisinformationen und kWh‑basierte Ad‑hoc‑Preise. Wer pendelt, kann Kostenfallen jetzt gezielt erkennen und abstellen.
Das Wichtigste
- Seit 13. April 2024 gilt die EU‑Verordnung AFIR (EU) 2023/1804: Bei öffentlich zugänglichen Schnellladern ab 50 kW muss der Ad‑hoc‑Preis grundsätzlich kWh‑basiert sein; eine zeitbasierte „Belegungsgebühr“ kann zusätzlich erlaubt sein, wenn sie verhältnismäßig ist.
- Teuer wird’s oft nicht beim Strom, sondern durch Zusatzbestandteile: Start-/Session‑Fees, Minutenabrechnung (v. a. bei langsamer Ladekurve), Blockiergebühren nach Ladeende und Aufschläge bei App‑ oder Roaming‑Tarifen.
- Für dich zählt Transparenz: Preisbestandteile müssen vor dem Start klar verfügbar sein. Wer Abweichungen auf der Rechnung findet, sollte Belege sichern und strukturiert reklamieren (ggf. Verbraucherzentrale).
Einleitung
Wenn du dich über hohe Ladepreise ärgerst, liegt das Problem oft nicht daran, dass „alle kWh teurer geworden sind“. Der Ärger steckt im Kleingedruckten: pro Minute statt pro kWh, Blockiergebühr nach dem Laden oder ein Tarif, der in einer App anders aussieht als am Display. Genau hier zieht die EU mit der AFIR‑Regel die Schrauben an – und genau hier können Pendler und Laternenparker am schnellsten Geld verlieren.
Was neu ist
Der wichtigste Fixpunkt für 2026 ist kein einzelner neuer Tarif, sondern der Rechtsrahmen: Die EU‑Verordnung AFIR (EU) 2023/1804 gilt seit dem 13. April 2024 und setzt für öffentlich zugängliche Ladepunkte Regeln zu Ad‑hoc‑Zahlung und Preistransparenz. In der Praxis relevant für deine Rechnung: Die EU‑Kommission erläutert in ihren Fragen und Antworten, dass bei Schnellladern ab 50 kW der Ad‑hoc‑Preis auf dem kWh‑Preis der gelieferten Energie basieren soll. Zusätzlich kann eine Belegungs-/Blockiergebühr pro Minute zulässig sein – aber nur, wenn sie objektiv begründet und verhältnismäßig ist.
Faktencheck: Diese Aussagen stützen sich auf die offizielle EU‑Kommissionsseite zur AFIR und das EU‑Q&A zu Artikel 5 (Ad‑hoc‑Zahlung, Preisanzeige, Belegungsgebühren). Konkrete, öffentlich belegte Details zu einem einzelnen laufenden Gerichtsverfahren in Deutschland lassen sich aus der vorliegenden Recherche nicht belastbar ableiten – deshalb berichten wir hier über den bestätigten Rechtsrahmen und die typischen Preispraktiken, die Verbraucher in Streitfälle treiben.
Was das für dich bedeutet
Wer zahlt in Deutschland tendenziell mehr? Vor allem Nutzergruppen, bei denen Zeit gegen sie arbeitet: (1) Pendler, die an Autobahn‑Schnellladern laden und schnell weiter müssen, (2) Fahrer mit kleiner Batterie oder ungünstiger Ladekurve (die letzten Prozent dauern), (3) Menschen ohne festen Ladetarif, die Ad‑hoc oder per Roaming‑App zahlen, und (4) Stadtfahrer, die nach dem Laden nicht sofort umparken können – hier schlagen Blockiergebühren zu.
Welche Preispraktiken sorgen typischerweise für Streit? Nicht jede Zusatzgebühr ist automatisch verboten. Aber sie wird schnell problematisch, wenn sie nicht klar vor Start angezeigt wird oder wenn die Struktur bestimmte Nutzer praktisch „bestraft“. Häufige Kandidaten:
• Zeitbasierte Abrechnung (€/Minute): Wird das Laden langsamer (Kälte, hoher SoC, geteilte Leistung), steigt dein effektiver kWh‑Preis.
• Blockier-/Belegungsgebühr: Nach Ladeende (oder nach einer Kulanzzeit) kann ein Minutenpreis laufen.
• Start-/Session‑Fee: Ein fixer Betrag pro Ladevorgang trifft besonders kurze „Top‑ups“.
• App-/Roaming‑Aufschläge: Unterschiedliche Tarife je nach Anbieter/Vertriebskanal; entscheidend ist, dass du vor dem Start alle Preisbestandteile siehst.
Beispielrechnung (nur zur Einordnung): Du lädst 20 kWh an einem DC‑Lader. Energiepreis: 0,55 €/kWh → 11,00 €. Danach bleibt das Auto 20 Minuten stehen. Belegungsgebühr: 0,20 €/Min, Kulanz 10 Min → 2,00 € zusätzlich. Summe: 13,00 €. Kommt noch eine Session‑Fee von 1,00 € dazu, landest du bei 14,00 € – ohne dass der reine Strompreis „explodiert“.
Was du jetzt konkret tun kannst (ohne Juristen-Deutsch):
1) Rechnung prüfen: Vergleiche kWh‑Menge, Zeit, Preisbestandteile (kWh‑Preis, Minuten-/Blockiergebühr, Session‑Fee, ggf. Roaming‑Fee). Achte auf Rundungen und Mindestbeträge.
2) Beweise sichern: Screenshot der Preisansicht vor Start (App/Display), Ladequittung, Zeitstempel (Start/Stop), Standort/Station‑ID.
3) Sofort reklamieren: Frage nach der Tarifgrundlage und einer Aufschlüsselung. Je früher, desto besser.
4) Verbraucherzentrale einschalten: Wenn der Anbieter nicht nachvollziehbar erklärt, wie sich der Betrag zusammensetzt, oder wenn Preisangaben vor Start fehlten, kann eine Verbraucherzentrale helfen (du lieferst die Screenshots/Belege).
Pendler‑Tipp: Plane bei Schnellladern eine echte „Park‑Strategie“: Wenn dein Tarif Blockiergebühren hat, stelle dir einen Timer (z. B. 5 Minuten vor Ende). Und: Für deine Standardstrecke lohnt sich oft ein Tarif, der kWh‑basiert abrechnet und Zusatzfees klar ausweist – das reduziert Überraschungen.
Wie es weitergeht
In Europa bleibt der Druck auf Betreiber hoch, weil AFIR Preistransparenz und Ad‑hoc‑Zahlbarkeit verbindlich macht und die EU‑Kommission in ihrem Q&A die Erwartung an eine kWh‑Basis bei vielen Schnellladern konkret beschreibt. Für dich heißt das kurzfristig: Du wirst häufiger klare Preisinfos am Ladepunkt sehen – und Anbieter müssen sich eher erklären, wenn Rechnungen „komisch“ wirken. Mittel- bis langfristig entscheidet die Umsetzung vor Ort (Kontrollen, Beschwerdewege, technische Nachrüstungen), ob Minutenmodelle und versteckte Fees wirklich zurückgedrängt werden.
Fazit
Bei Ladepreise zählt 2026 nicht nur der angezeigte kWh‑Preis. Blockiergebühren, Zeitmodelle und Vertriebskanal‑Aufschläge entscheiden oft darüber, wer am Ende mehr zahlt – und genau hier fordert die AFIR‑Regel mehr Transparenz und (bei vielen Schnellladern) eine kWh‑Logik für Ad‑hoc‑Preise. Wenn du deine Belege sauber sammelst und Rechnungen konsequent checkst, kannst du Kostenfallen im Alltag schnell entschärfen.





