Kupferdiebstahl an PV-Anlagen treibt Kosten hoch

Stand: 05. February 2026
Berlin

Auf einen Blick

Kupferdiebstahl trifft Solaranlagen gerade dort, wo viel Kabel frei zugänglich liegt: Freiflächenparks, Gewerbedächer und Baustellen. Der Fall aus dem Raum Nürnberg zeigt das Muster: ein Schnitt, viele Meter weg – und du zahlst mit Ertragsausfall, Reparaturkosten und Sicherheitsrisiken. So schützt du PV-Anlage und Baustelle praxisnah.

Das Wichtigste

  • In Mittelfranken (Raum Nürnberg) nahm die Polizei laut Berichten mehrere Tatverdächtige nach einer Serie von Diebstählen an Photovoltaik-Anlagen fest.
  • Branchenberichte nennen teils sehr große Mengen gestohlener PV-Kabel (bis in den zweistelligen Kilometerbereich) – der wirtschaftliche Schaden entsteht vor allem durch Ausfallzeit und Reparaturen, nicht nur durch den Metallwert.
  • Am stärksten gefährdet sind frei zugängliche Trassen und Baustellen-Setups (Neubau, Repowering, noch nicht final gesicherte Zäune/Wege).

Einleitung: Kupferdiebstahl

Wenn du bei deiner PV-Anlage an Risiken denkst, kommen meist Wechselrichter, Wetter oder Netzanschluss. Ein Thema frisst sich aber gerade leise in die Praxis: Kupferdiebstahl an PV-Kabeln. Warum du das jetzt lesen solltest: Ein einziger Zugriff kann eine Anlage sofort stilllegen, Reparaturen ziehen sich (Material, Elektriker, Prüfungen), und beschädigte Leitungen können gefährlich werden. Der aktuelle Fall aus dem Raum Nürnberg ist dabei weniger „Einzelfall“ als Reminder, wie attraktiv schlecht gesicherte Kabelwege für Täter sind.

Was neu ist

In Mittelfranken (Nürnberger Polizeibereich) berichten Fach- und Regionalmedien Anfang Februar 2026 über einen Ermittlungserfolg: Die Polizei soll eine Gruppe mutmaßlicher Photovoltaik-Kabeldiebe identifiziert und mehrere Tatverdächtige festgenommen haben. In den Berichten geht es um Diebstähle an Freiflächenanlagen in der Region, bei denen Täter Kabel abtrennten und in großen Mengen abtransportierten – mit entsprechend hohen Folgekosten für Betreiber (Reparatur, Wiederinbetriebnahme, Ertragsausfall). Ähnliche Schäden sind auch aus früheren Fällen bekannt: pv-magazine.com berichtete im September 2025 beispielsweise über den Diebstahl von rund 50 Kilometern Kabel aus einem 11‑MW-Solarpark in Deutschland.

Faktencheck (was belegt ist vs. was wir ableiten): Festnahmen/Ermittlungen und die geschilderte Vorgehensweise („Kabel schneiden, in Menge abtransportieren“) werden in den genannten Medien unter Verweis auf Polizeiangaben dargestellt. Eine bundesweit belastbare Statistik speziell zu PV-Kabeldiebstahl liefern diese Meldungen nicht; daraus leiten wir keine „Deutschlandweit-Zahlen“ ab, sondern erklären das Sicherheitsmuster, das bei frei zugänglichen Kupferleitungen immer wieder auftaucht.

Was das für dich bedeutet

Der Kern für Deutschland: Viele PV-Projekte wachsen schnell – und Kabel liegen oft dort, wo sie praktisch zu installieren sind, aber schlecht zu schützen: lange Trassen im Feld, Übergänge an Zäunen, Container- und Wechselrichterbereiche, provisorische Baustellenlager. Das macht Kupferdiebstahl im Alltag so bitter: Nicht der Rohstoffwert ist dein Hauptproblem, sondern die Kette danach.

Welche Anlagen besonders betroffen sind:
Freiflächenanlagen mit langen, gut zugänglichen Leitungswegen und Zufahrten.
Gewerbedächer (vor allem große Hallen), wenn Steigleitungen/Trassen frei liegen oder Zugang übers Dach leicht ist.
Neubau & Repowering, wenn die Anlage noch nicht durchgängig „fertig“ gesichert ist (Bauphase, Materiallager, temporäre Zäune).

Die Folgen, die dich real treffen:
Ertragsausfall (Anlage fällt ganz/teilweise aus, bis Reparatur und Prüfung durch sind).
Reparaturkosten (Kabel, Verbinder, Arbeitszeit, Messungen/Abnahmen, ggf. Tiefbau/Trassenarbeiten).
Sicherheitsrisiko durch beschädigte Leitungen (Freilegen von Adern, Isolationsschäden) – das ist nicht nur ein Kosten-, sondern auch ein Haftungsthema.
Verzögerungen bei der Inbetriebnahme, wenn in der Bauphase Kabel fehlen oder Prüfprotokolle neu erstellt werden müssen.

Schutz-Checkliste (praxisnah):
Baulich: Kabelwege in Schutzrohren/geschlossenen Kanälen führen; kritische Abschnitte so planen, dass sie schlecht zugänglich sind (z. B. unterhalb von Trassen, weniger „greifbar“ am Zaun); Übergänge/Einführungen zusätzlich mechanisch sichern.
Organisatorisch: Baustellenlogistik straffen (weniger „wochenlang liegendes“ Material); Zugänge konsequent abschließen, Zufahrten dokumentieren; Nacht-/Wochenend-Routinen festlegen (Wer prüft was? Wer reagiert bei Alarm?).
Technik: Bewegungsmelder und Beleuchtung an Hotspots (Zufahrt, Wechselrichter/Container, Materiallager); Kameras gezielt auf Zugänge und Trassenknoten (mit DSGVO-Check: Zweck, Speicherdauer, Hinweisschilder, Zugriffsbeschränkung); Alarmkontakte/Tamper-Schleifen (“Loop”) an Schaltschränken/Trassenpunkten; Anlagenmonitoring so einstellen, dass ungewöhnliche Ausfälle schnell auffallen.
Kennzeichnung/Tracking: Eigentumskennzeichnung von Kabeltrommeln/Beständen; bei größeren Projekten Tracking/Inventarlisten so führen, dass du nach Diebstahl schnell nachweisen kannst, was fehlte.
Zusammenarbeit: Früh mit Elektriker/Errichter und ggf. Netzbetreiber klären, wie du nach einem Schaden zügig wieder prüffähig wirst (Messungen, Dokumentation, Ersatzteile, Zugang).

Versicherung: Was oft greift – und woran es scheitert
Je nach Setup kommen u. a. Photovoltaik-/Elektronikversicherungen, die Gebäudeversicherung (bei Dachanlagen), sowie in der Bauphase eine Montage-/Bauleistungsversicherung in Frage. Entscheidend ist fast immer: Polizeianzeige, Fotos, Inventar-/Rechnungsnachweise und eine saubere Dokumentation der Wiederherstellung. Typische Stolpersteine sind je nach Vertrag z. B. fehlende Mindest-Sicherungen, unklare Zuständigkeiten in der Bauphase oder Einschränkungen bei „unbeaufsichtigten“ Baustellen. Im Zweifel: Schadenhotline anrufen, bevor du aufräumst – und alles dokumentieren.

Wie es weitergeht

Der Polizeierfolg in Mittelfranken dürfte den Druck auf organisierte Diebstahlstrukturen lokal erhöhen – das ersetzt aber keine Prävention am eigenen Standort. Realistisch ist: Betreiber werden Security stärker als Betriebskosten einpreisen, und Errichter planen Kabelwege und Materiallogistik hoffentlich „diebstahlresistenter“.

Wenn du betroffen bist oder gerade baust, sind die nächsten Schritte simpel, aber wichtig: Sicherheitsbegehung (Hotspots markieren), Alarm- und Reaktionskette festlegen (wer fährt raus, wann Polizei), Monitoring schärfen (Meldeschwellen), und Versicherungsbedingungen prüfen, bevor der Schaden passiert. Als Anlaufstellen taugen Polizei (für Anzeige/Spuren), dein Versicherer (für Deckung/Nachweise) und regional die Elektro-Innung bzw. dein Fachbetrieb (für sichere Wiederinbetriebnahme).

Fazit

Kupferdiebstahl ist für PV-Anlagen ein fieser „Multiplikator“: Ein kurzer Zugriff erzeugt lange Ausfallzeiten – und die Rechnung kommt über Elektrikerstunden, Prüfungen, Ersatzteile und entgangene Einspeisung. Der Fall aus dem Raum Nürnberg zeigt, dass Täter gezielt dort zuschlagen, wo Kabelwege lang und Zugänge einfach sind. Wer Freiflächenanlagen, große Gewerbedächer oder Baustellen betreibt, sollte Schutz nicht als Luxus sehen, sondern als Teil der Projektplanung.

Wie sicherst du deine PV-Anlage aktuell ab (Baulich, Kamera/Alarm, Wachschutz) – und wo würdest du nach diesem Thema als Erstes nachrüsten?

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