KI-Therapie-Apps: Kosten, Kasse und das Risiko für deine Daten

KI-Therapie-Apps versprechen Unterstützung bei Stress, Angst oder Depression, oft bequem per Smartphone. Doch bevor du eine KI-Therapie-App installierst, lohnt sich ein genauer Blick auf zwei Fragen: Was kostet das wirklich, und was passiert mit deinen sensiblen Gesundheitsdaten? Dieser Artikel zeigt dir für Deutschland transparent, wann Krankenkassen zahlen, welche Kostenfallen es gibt und wie sich medizinische DiGA-Apps von Wellness- oder Coaching-Angeboten unterscheiden. Außerdem erfährst du, welche Daten typischerweise erhoben werden, wo sie verarbeitet werden und welche konkreten Risiken daraus entstehen können.

Einleitung

Viele Menschen suchen 2026 nach schneller Hilfe für psychische Belastungen, stoßen aber auf lange Wartezeiten für Therapieplätze. KI-Therapie-Apps wirken da wie eine praktische Lösung für zwischendurch. Ein Download, ein paar Fragen, und schon beginnt das digitale Coaching. Genau an diesem Punkt entstehen jedoch falsche Erwartungen und reale Risiken.

Nicht jede App ist eine medizinische Anwendung, und nicht jede nutzt KI im engeren Sinn. Manche Angebote sind offiziell geprüfte Digitale Gesundheitsanwendungen, andere reine Wellness- oder Coaching-Apps. Der Unterschied entscheidet darüber, ob deine Krankenkasse zahlt, welche Qualitätsstandards gelten und wie streng mit deinen Daten umgegangen wird.

Dieser Artikel hilft dir, fundierte Entscheidungen zu treffen. Er erklärt, welche Arten von KI-Therapie-Apps es in Deutschland gibt, welche Kosten realistisch sind und welche Daten dabei entstehen. Ziel ist keine Panik, sondern Klarheit darüber, wann eine App sinnvoll sein kann und wann du besser ärztliche Hilfe oder eine DiGA nutzen solltest.

Was KI-Therapie-Apps leisten und was nicht

Unter dem Begriff KI-Therapie-App fallen sehr unterschiedliche Anwendungen. Medizinische Apps, die als DiGA zugelassen sind, müssen beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte nachweisen, dass sie einen positiven Versorgungseffekt haben. Sie werden meist ergänzend zur Behandlung eingesetzt, etwa bei Depressionen, Angststörungen oder ADHS.

Digitale Gesundheitsanwendungen dürfen nur dann erstattet werden, wenn Nutzen, Sicherheit und Datenschutz nachvollziehbar belegt sind.

Wellness- oder Coaching-Apps unterliegen diesen Anforderungen nicht. Sie versprechen Motivation, Achtsamkeit oder Selbstreflexion, ohne medizinische Diagnose. Rechtlich gelten sie nicht als Therapie, auch wenn Marketing und Gestaltung oft anderes nahelegen.

Unterschiede zwischen DiGA und Coaching-Apps
Merkmal DiGA Coaching-App
Zulassung BfArM geprüft Keine medizinische Prüfung
Kostenübernahme Gesetzliche Krankenkasse Privat zu zahlen
Datenschutz Strenge Vorgaben Abhängig vom Anbieter

Kosten, Abos und wann die Krankenkasse zahlt

Bei frei verfügbaren KI-Therapie- und Coaching-Apps liegen die Kosten meist zwischen etwa 5 und 30 Euro pro Monat. Häufig werden Jahresabos angeboten, die günstiger wirken, aber hohe Einmalbeträge verursachen. In-App-Käufe für Zusatzfunktionen sind ebenfalls verbreitet.

DiGA funktionieren anders. Nach ärztlicher Verordnung oder Genehmigung durch die Krankenkasse werden die Kosten vollständig übernommen. Laut Monitoring-Berichten aus 2024 bewegen sich die erstatteten Preise je nach Anwendung oft im dreistelligen Eurobereich pro Nutzungszeitraum, was für Nutzer aber nicht sichtbar ist.

Wichtig ist der Blick auf Kündigungsfristen. Probezeiträume wandeln sich bei vielen Apps automatisch in kostenpflichtige Abos. Wer das übersieht, zahlt schnell länger als geplant.

Welche Daten anfallen und wo sie landen

KI-Therapie-Apps verarbeiten besonders sensible Informationen. Dazu zählen Chatverläufe, Angaben zu Symptomen, Stimmungsprotokolle und manchmal Hinweise zu Medikamenten. Bei medizinischen DiGA müssen diese Daten laut Vorgaben pseudonymisiert und geschützt gespeichert werden.

Viele nicht-medizinische Apps nutzen dagegen Analyse- und Tracking-Dienste, um Nutzungsverhalten auszuwerten. Die Daten können dabei auch in Cloud-Infrastrukturen außerhalb der EU verarbeitet werden, sofern der Anbieter entsprechende Verträge nutzt.

Konkrete Risiken bestehen vor allem bei Profilbildung. Gesundheitsbezogene Muster können theoretisch mit anderen Daten verknüpft werden. In Deutschland kann das zu Problemen führen, etwa wenn Daten in falsche Hände geraten oder für personalisierte Werbung genutzt werden.

10-Punkte-Check vor dem Download

Vor der Installation einer KI-Therapie-App solltest du dir Zeit für einen kurzen Check nehmen. Prüfe Impressum und Anbieterland. Lies, welche Daten erhoben werden und ob du sie exportieren oder löschen kannst. Achte darauf, ob deine Inhalte zum Training von KI-Modellen genutzt werden dürfen.

Weitere Punkte sind Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, der Einsatz von Trackern, klare Kündigungsfristen und erreichbarer Support. Fehlen Notfallhinweise oder wird die App als Ersatz für ärztliche Behandlung dargestellt, ist Vorsicht geboten.

Fazit

KI-Therapie-Apps können eine hilfreiche Ergänzung sein, besonders als Überbrückung oder Unterstützung im Alltag. Entscheidend ist jedoch, ob es sich um eine geprüfte DiGA oder um ein frei vermarktetes Coaching-Angebot handelt. Kosten, Datenschutz und medizinischer Nutzen unterscheiden sich deutlich.

Wenn es um ernsthafte psychische Beschwerden geht, bieten DiGA oder ärztliche Hilfe in Deutschland den klar besseren Rahmen. Sie schützen deine Daten stärker und sind in die Versorgung eingebettet. Für leichtere Themen können Coaching-Apps sinnvoll sein, solange du ihre Grenzen kennst.

Teile diesen Artikel gern, wenn du anderen bei der Auswahl einer sicheren App helfen möchtest.

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