Eine Infrarotheizung kann bequem wirken: an die Wand, Stecker rein, fertig. Beim Geldbeutel zählt aber nicht die Montage, sondern der Stromverbrauch. Wichtig ist: Eine Infrarotheizung ist eine Direktstromheizung und wandelt Strom im Gerät praktisch 1:1 in Wärme um, ohne Wärmepumpen-Effekt. Ob das günstig ist, hängt vor allem von deinem Strompreis, der Dämmung und deinem Heizprofil ab. Mit offiziellen Preiswerten aus Deutschland (Strom und Gas) und einer einfachen Beispielrechnung siehst du, wann Infrarotheizung Kosten Stromverbrauch wirklich Sinn ergeben und wann sie als Hauptheizung schnell teuer wird.
Einleitung
Du kennst das Problem: Ein Raum ist morgens kalt, der Rest der Wohnung soll aber nicht gleich hochgeheizt werden. Oder du willst im Homeoffice nur den Arbeitsplatz angenehm warm haben. Infrarotheizungen versprechen genau das: punktuell Wärme, ohne große Umbauten. Und weil das Gerät technisch simpel ist, wirkt die Idee naheliegend, damit sogar Gas zu ersetzen.
Der Haken ist die Rechnung pro Kilowattstunde Wärme. Offizielle deutsche Daten zeigen, dass Haushaltsstrom deutlich teurer pro Kilowattstunde ist als Erdgas. Die Bundesnetzagentur nennt für Haushalte einen Durchschnittsstrompreis von 41,59 ct/kWh (Stichtag 2024-04-01). Destatis weist für Haushalte beim Erdgas im 1. Halbjahr 2025 einen Durchschnittspreis von 12,13 ct/kWh aus. Allein daraus folgt: Wenn du dauerhaft viel Wärme brauchst, muss eine Infrarotheizung entweder sehr wenig laufen oder extrem günstigen Strom nutzen, sonst gewinnt sie finanziell selten.
In diesem Artikel bekommst du ein klares Modell: was Infrarot-Heizen physikalisch leistet, warum der Stromverbrauch so stark streut, und welche Szenarien in Deutschland als Nische funktionieren können (sehr gute Dämmung, kleines Zimmer, PV-Eigenverbrauch). Gleichzeitig siehst du, warum Wärmepumpen bei Laufkosten oft vorne liegen, obwohl sie teurer in der Anschaffung sind.
Wie eine Infrarotheizung wirklich heizt
Eine Infrarotheizung ist im Kern ein elektrischer Widerstandsheizer. Der Strom wird im Heizelement zu Wärme, und ein Teil dieser Wärme wird als Infrarotstrahlung abgegeben. Das Entscheidende: Es gibt keinen Verstärker-Effekt wie bei einer Wärmepumpe. Bei einer Wärmepumpe liefert 1 kWh Strom je nach Auslegung mehrere kWh Wärme (die Quellen nennen dafür typische Bereiche von etwa 2,5 bis 4 als saisonale Effizienz/COP). Bei einer Infrarotheizung bleibt es näherungsweise bei 1 kWh Strom für 1 kWh Wärme am Gerät.
Eine Infrarotheizung ist Direktstrom: Aus 1 kWh Strom wird im Gerät ungefähr 1 kWh Wärme, ohne zusätzlichen Wärmepumpen-Effekt.
Warum fühlen sich Infrarotheizungen trotzdem manchmal „effizient“ an? Weil Strahlungswärme anders wahrgenommen wird. Wenn Wände, Möbel und vor allem dein Körper Strahlung aufnehmen, kann sich ein Raum bei etwas niedrigerer Lufttemperatur angenehm anfühlen. In Tests zur Effizienz von elektrischen Infrarot-Heizelementen wird zudem betont, dass nicht jeder Heizer gleich viel „nutzbare“ Strahlung in den Raum bringt: Der Anteil, der als Strahlung ankommt, kann je nach Bauart und Messmethode stark variieren. Das ändert aber nichts daran, dass der Stromverbrauch für Dauerheizen schnell hoch wird.
Für die Praxis heißt das: Infrarot ist besonders stark, wenn du gezielt Menschen oder Flächen erwärmen willst (zum Beispiel Arbeitsplatz oder Bad), und weniger stark, wenn du über viele Stunden die Temperatur eines ganzen Gebäudes halten musst. Das Umweltbundesamt hat Infrarot-Heizstrahler in einem Hintergrundpapier vor allem im Kontext von Außenanwendungen kritisch eingeordnet (Quelle von 2009 und damit älter als zwei Jahre). Der Grundgedanke daraus lässt sich übertragen: Direktstromheizung kann bezogen auf Energieeinsatz und Emissionen ungünstig sein, wenn viel Leistung lange läuft.
| Merkmal | Beschreibung | Wert |
|---|---|---|
| Direktstrom-Prinzip | Strom wird im Gerät praktisch vollständig zu Wärme | ca. 1 kWh Strom → ca. 1 kWh Wärme |
| Haushaltsstrom (Referenz) | Durchschnittspreis laut Bundesnetzagentur (Stichtag 2024-04-01) | 41,59 ct/kWh |
| Erdgas Haushalt (Referenz) | Durchschnittspreis laut Destatis (1. Halbjahr 2025) | 12,13 ct/kWh |
| Wärmepumpe (Orientierung) | Typischer Effizienzbereich aus Studien-/Übersichtsangaben | ca. 2,5 bis 4 (Beispielbereich) |
Welche Faktoren die laufenden Kosten treiben
Bei Infrarotheizungen entscheidet selten das Gerät über die Rechnung, sondern die Situation im Raum. Drei Faktoren sind dabei die größten Hebel: Strompreis, Gebäudehülle und Heizprofil.
1) Strompreis: Bei Direktstrom ist der Zusammenhang brutal einfach. Jede Kilowattstunde Wärme kostet mindestens so viel wie deine Kilowattstunde Strom. Wenn die Bundesnetzagentur für Haushaltsstrom 41,59 ct/kWh nennt, dann ist das (ohne weitere Annahmen) auch die grobe Unterkante deiner Wärmekosten mit Infrarot, solange du Netzstrom nutzt. Günstiger wird es nur, wenn du Strom zu niedrigeren Grenzkosten einsetzt, etwa durch Eigenverbrauch aus Photovoltaik oder spezielle Tarife. Wie stark das in Euro wirkt, hängt von deinem individuellen Vertrag ab.
2) Dämmung und Wärmebedarf: Schlechte Dämmung, undichte Fenster oder ein unbeheizter Keller darunter erhöhen den Wärmebedarf. Genau hier werden Infrarotheizungen teuer, weil sie den Bedarf nicht „multiplizieren“ können. Bei einer Wärmepumpe wirkt die Effizienz (COP) wie ein Hebel: je höher der Wärmebedarf, desto stärker lohnt sich in der Regel ein System, das pro kWh Strom mehr Wärme liefert. Bei Infrarot steigt der Stromverbrauch fast linear mit dem Wärmebedarf.
3) Heizprofil: Infrarot kann sich lohnen, wenn du sehr gezielt und kurz heizt. Ein typisches Beispiel ist das Bad am Morgen oder ein Arbeitszimmer für einige Stunden. In diesen Fällen kann es günstiger sein, nur die Nutzzeit und nur den Nutzbereich zu erwärmen, statt eine zentrale Heizung so zu betreiben, dass die gesamte Wohnung „auf Vorrat“ warm ist. Das klappt aber nur, wenn du wirklich zoniert heizt und nicht am Ende doch mehrere Räume dauerhaft auf Temperatur hältst.
Ein unterschätzter Punkt ist die Regelung. Ohne Thermostate, Zeitprogramme oder Raum-Logik (zum Beispiel zeit- oder belegungsabhängig) wird eine Direktheizung schnell zum Dauerläufer. Technisch ist das lösbar, aber die Komforterwartung muss passen: Strahlungswärme macht einen Platz schneller behaglich, sie ersetzt jedoch nicht automatisch ein durchgehend warmes Gebäudegefühl.
Beispielrechnung für Deutschland: Vergleich mit Gas und Wärmepumpe
Damit du eine schnelle Orientierung bekommst, rechnen wir mit den offiziellen Referenzpreisen aus den Quellen: 41,59 ct/kWh für Haushaltsstrom (Bundesnetzagentur, Stichtag 2024-04-01) und 12,13 ct/kWh für Erdgas (Destatis, 1. Halbjahr 2025). Wichtig: Das sind Durchschnittswerte. Dein Vertrag kann darüber oder darunter liegen. Außerdem fehlen in so einer Kurzrechnung typische Grundpreise sowie Wartungs- und Investitionskosten. Für die reine Energie-Seite ist der Vergleich trotzdem hilfreich.
Schritt 1: Ein Wärmebedarf als Beispiel. Nehmen wir als Rechenbeispiel einen jährlichen Wärmebedarf von 8.000 kWh (das ist keine amtliche „typische“ Zahl, sondern ein runder Wert, mit dem du leicht skalieren kannst). Du kannst am Ende einfach proportional hoch- oder runterrechnen.
Schritt 2: Infrarotheizung (Direktstrom). Wenn 1 kWh Strom ungefähr 1 kWh Wärme ergibt, brauchst du für 8.000 kWh Wärme etwa 8.000 kWh Strom. Mit 41,59 ct/kWh wären das rund 0,4159 €/kWh × 8.000 = 3.327 € pro Jahr allein für die Energie.
Schritt 3: Wärmepumpe (Beispielannahme COP). Viele Einordnungen nennen für Luft-Wasser-Wärmepumpen typische saisonale Effizienzbereiche von etwa 2,5 bis 4. Setzen wir für die Beispielrechnung einen mittleren Wert von 3 an: Dann brauchst du für 8.000 kWh Wärme etwa 8.000/3 = 2.667 kWh Strom. Multipliziert mit 41,59 ct/kWh ergibt das rund 1.109 € pro Jahr. Selbst wenn du vorsichtig rechnest und einen niedrigeren COP annimmst, bleibt der Abstand zur Direktstromheizung bei Dauerbetrieb oft groß, weil der COP ein echter Multiplikator ist.
Schritt 4: Gasheizung (mit transparenter Effizienzannahme). Gas wird in der Praxis nicht zu 100 % als Nutzwärme im Raum ankommen (Abgasverluste, Regelung, Verteilung). Für eine einfache Überschlagsrechnung kannst du mit einer Kessel-/Anlagen-Effizienz von 90 % rechnen (Annahme). Dann müsstest du für 8.000 kWh Nutzwärme etwa 8.000/0,9 = 8.889 kWh Gas einkaufen. Mit 12,13 ct/kWh wären das rund 1.078 € pro Jahr.
Was sagt dir diese Rechnung? Für dauerhaftes, flächiges Heizen ist eine Infrarotheizung mit Netzstrom bei diesen Referenzpreisen in der Regel deutlich teurer als Gas oder Wärmepumpe. Damit Infrarot finanziell „gewinnt“, muss mindestens eine dieser Bedingungen erfüllt sein:
- Du heizt wirklich nur kurze Zeiten und kleine Zonen (zum Beispiel 1–2 Räume statt der ganzen Wohnung).
- Der Raum ist sehr gut gedämmt, sodass die benötigten kWh Wärme niedrig bleiben.
- Du nutzt einen relevanten Anteil Eigenstrom (zum Beispiel PV), sodass die Grenzkosten pro kWh deutlich sinken.
Ein hilfreicher Denkrahmen ist die Break-even-Frage: Welche Stromkosten pro kWh wären nötig, damit Direktstrom mit Gas konkurrieren kann? Wenn Gas 12,13 ct/kWh kostet und du 90 % Effizienz annimmst, entspricht das grob 13,48 ct/kWh Nutzwärme. Damit eine Infrarotheizung mithalten kann, müsste deine Strom-kWh in diese Größenordnung fallen. Mit dem von der Bundesnetzagentur berichteten Haushaltsdurchschnitt von 41,59 ct/kWh ist das eine große Lücke.
Sinnvolle Nischen und klare No-Gos
Aus den Mechanismen wird klar: Die Frage ist selten „Ist Infrarot gut oder schlecht?“, sondern „Passt es zu deinem Heizalltag?“ Hier sind praxisnahe Szenarien, in denen Infrarot in deutschen Haushalten funktionieren kann, und Fälle, in denen du sehr vorsichtig sein solltest.
Gute Nischen: Erstens sehr gut gedämmte, kleine Räume, in denen du nur zeitweise Komfort brauchst. Dann fallen die kWh für Wärme insgesamt gering aus, und der Direktstrom-Nachteil trifft weniger. Zweitens punktuelles Heizen: Arbeitsplatz, Leseecke, Hobbyraum, Bad. Strahlungswärme kann den Komfort lokal erhöhen, ohne dass die Luft im ganzen Haus stark steigen muss. Drittens PV-Eigenverbrauch: Wenn du Strom selbst erzeugst und ihn ansonsten einspeisen würdest, können die Grenzkosten pro kWh für dich deutlich niedriger sein als beim Netzbezug. In solchen Fällen kann eine Infrarotheizung eine einfache Möglichkeit sein, überschüssigen Strom in Wärme umzusetzen, besonders tagsüber.
No-Gos für den Geldbeutel: Kritisch wird es bei Altbau, schlechter Dämmung und Dauerbetrieb. Dann laufen die Geräte viele Stunden und ziehen genau so viele kWh aus dem Netz, wie du Wärme brauchst. In diesem Profil spielt eine Wärmepumpe ihre Stärke aus, weil sie mehrere kWh Wärme pro kWh Strom liefern kann. Ebenfalls heikel ist es, wenn du versuchst, eine zentrale Heizung „einfach zu ersetzen“, aber am Ende doch die gleiche Behaglichkeit in allen Räumen rund um die Uhr erwartest. Dann wird aus der Nischenlösung eine teure Hauptheizung.
Auch wichtig: Leistung und Elektroinstallation. Infrarotpanels haben oft 350 bis 2.000 W pro Gerät (typische Herstellerbereiche werden in Übersichten und Datenblättern genannt). Mehrere Geräte zusammen bedeuten hohe Spitzenlasten. Das ist kein reines Kostenthema, sondern auch ein Sicherheits- und Komfortthema: Wenn viele Heizflächen gleichzeitig anspringen, muss die Hausinstallation das zuverlässig tragen. Plane deshalb nicht nur den Energieverbrauch, sondern auch die elektrische Anschlussleistung pro Raum.
Wenn du unsicher bist, hilft ein kleiner Test: Starte mit einem klar abgegrenzten Raum, protokolliere die Laufzeiten und den Stromverbrauch (Steckdosenmessgerät), und prüfe ehrlich, ob du dadurch wirklich weniger Gesamtenergie verbrauchst oder nur anders heizt. Die Technik verzeiht keine Selbsttäuschung: kWh bleiben kWh.
Fazit
Eine Infrarotheizung ist keine „Wärmepumpe aus der Steckdose“, sondern eine Direktstromheizung. Das macht sie einfach, wartungsarm und in der Anschaffung oft überschaubar. Für die laufenden Kosten ist das aber die entscheidende Grenze: Mit Netzstrom kostet jede kWh Wärme mindestens so viel wie deine kWh Strom. Bei den von Bundesnetzagentur und Destatis berichteten Referenzpreisen (41,59 ct/kWh Strom am 2024-04-01 und 12,13 ct/kWh Gas im 1. Halbjahr 2025) ist Dauerheizen mit Infrarot im Vergleich zu Gas oder einer Wärmepumpe meist die teurere Variante.
Günstig kann Infrarot werden, wenn du den Trick nicht als Technik, sondern als Verhalten verstehst: gezielt statt flächig, kurz statt dauerhaft, und möglichst mit Eigenstrom. Dann kann eine Infrarotheizung ein sinnvoller Baustein sein, um Heizkosten zu steuern, ohne gleich die ganze Heiztechnik umzubauen. Als komplette Hauptheizung lohnt sie sich finanziell vor allem dann, wenn der Wärmebedarf sehr niedrig ist oder du wirklich sehr günstigen Stromanteil nutzen kannst.





