Google Discover: KI-Überschriften verändern deinen Feed – so erkennst du sie

Google Discover wirkt oft wie ein persönliches Magazin, das sich von allein aktualisiert. Doch manchmal passt die Überschrift im Feed nicht exakt zu der, die du später auf der Webseite siehst. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis automatischer Systeme, die Titel kürzen, anpassen oder in manchen Fällen neu formulieren. Wer versteht, warum solche KI-Überschriften entstehen und woran man sie erkennt, klickt bewusster, lässt sich weniger irritieren und kann Inhalte besser einordnen, bevor Zeit oder Aufmerksamkeit verloren gehen.

Einleitung

Du scrollst kurz durch den Feed auf dem Smartphone, siehst eine griffige Überschrift und tippst drauf. Sekunden später landet du auf der Seite und denkst, dass das nicht ganz die gleiche Schlagzeile ist. Mal ist sie kürzer, mal klingt sie nüchterner, mal hat sie plötzlich einen anderen Schwerpunkt.

Solche Momente sind im mobilen Alltag häufiger, weil Feeds und Suchergebnisse nicht einfach nur das eins zu eins zeigen, was ein Publisher als Titel hinterlegt hat. Plattformen optimieren Darstellung für kleine Displays, unterschiedliche Kartenformate und verschiedene Interessen. Dazu kommt, dass automatische Systeme versuchen, Titel verständlicher zu machen oder besser an den Kontext anzupassen.

Das fühlt sich manchmal irritierend an, ist aber vor allem ein Signal dafür, dass Überschriften heute nicht mehr nur ein Satz auf einer Webseite sind. Sie sind ein Stück Metadaten, ein Teaser für den Feed und oft auch ein Ergebnis aus mehreren Textquellen. Wer das im Kopf hat, erkennt leichter, wann eine Überschrift eher ein Vorschlag der Plattform ist und wann sie wirklich die Absicht des Artikels trifft.

Warum Überschriften im Feed abweichen können

Auf Webseiten gibt es mehrere Stellen, an denen ein Titel auftaucht. Für Menschen ist meist die sichtbare Hauptüberschrift entscheidend, häufig als H1 formatiert. Für Maschinen ist oft das sogenannte Title Tag wichtig. Das ist der Text, der im Browser-Tab steht und den viele Systeme als Seitentitel übernehmen.

Große Plattformen nutzen aber nicht nur eine einzige Quelle. In der offiziellen Dokumentation zu Titel-Links beschreibt Google, dass der sichtbare Seitentitel, Überschriften, prominenter Text, Open-Graph-Angaben wie og title sowie auch Linktexte als Signale dienen können. Das Ziel ist eine verständliche, hilfreiche Darstellung, besonders dann, wenn der ursprüngliche Titel leer, sehr generisch oder stark wiederholend ist.

Wenn eine Überschrift in einem Feed anders wirkt als auf der Seite, steckt oft kein Trick dahinter, sondern ein System, das Lesbarkeit und Kontext priorisiert.

Ein wichtiger Punkt ist der Unterschied zwischen Suchergebnis und Feed. In Suchergebnissen geht es stark um die konkrete Anfrage. In interessenbasierten Feeds wie Discover geht es stärker um Relevanz für dein Profil und um eine schnelle Einschätzung beim Scrollen. Für Discover empfiehlt Google zudem große Vorschaubilder und warnt vor irreführenden oder übertriebenen Titeln. In manchen Situationen kann das bedeuten, dass eine Plattform eine Überschrift so umformt, dass sie besser zum Kartenformat passt oder weniger nach reiner Anlockung klingt.

Auch Berichte aus der Branche zeigen, dass Titel im Web häufig umgeschrieben werden. Je nach Studie reichen die beobachteten Raten in Suchumgebungen von rund 60 Prozent bis etwa 75 Prozent, mit großen Unterschieden nach Thema und Methode. Das sind keine offiziellen Quoten, aber sie passen zu der Grundidee, dass Titel heute dynamischer sind als früher.

Die wichtigsten Signale im Überblick lassen sich so ordnen.

Merkmal Beschreibung Wert
Title Tag Seitentitel im HTML und oft im Browser-Tab Meist wichtigste Quelle, aber nicht immer
H1 Überschrift Sichtbarer Haupttitel auf der Seite Häufig genutztes Alternativsignal
Open Graph Titel Social-Preview Titel im Seitenkopf Kann als Hinweis dienen
Prominenter Text Groß gesetzter Text im Kopfbereich der Seite Fallback bei schwachen Titeln
Linktexte Wörter, mit denen andere Seiten verlinken Zusatzsignal, besonders bei Lücken

So erkennst du KI-Überschriften im Alltag

Eine gute Nachricht zuerst. Du musst keine Technikexpertin oder kein Technikexperte sein, um zu merken, ob eine Überschrift wahrscheinlich automatisiert angepasst wurde. Es gibt ein paar typische Muster, die im Alltag auffallen, vor allem auf dem Handy.

Ein häufiges Signal ist ein deutlicher Stilbruch. Die Feed-Überschrift klingt glatter, allgemeiner oder stärker nach Zusammenfassung als die Überschrift auf der Seite. Zum Beispiel wird aus einer konkreten Aussage eine breitere Formulierung, die mehr Menschen ansprechen könnte. Das ist praktisch für den schnellen Überblick, kann aber Details verschlucken.

Ein zweites Signal ist das Weglassen von Teilen. Plattformen kürzen gern Markenbestandteile, Datumsklammern oder lange Untertitel, weil Kartenformate begrenzt sind. Wenn der Titel auf der Seite länger ist, im Feed aber wie eine verdichtete Version wirkt, ist das eher eine Formatentscheidung als ein inhaltlicher Eingriff.

Ein drittes Signal ist eine Überschrift, die sich so liest, als ob sie aus mehreren Textstellen zusammengebaut wurde. Das passiert, wenn Systeme statt des Title Tags die sichtbare H1 oder einen anderen prominenten Text wählen. Im Zweifel hilft ein schneller Check. Scrolle auf der Zielseite nach oben und vergleiche H1 und Browser-Tab Titel. Wenn du zwei unterschiedliche Varianten siehst, ist die Feed-Version oft eine von beiden oder eine Kombination.

Besonders aufmerksam solltest du werden, wenn die Feed-Überschrift eine sehr starke Behauptung macht, die im Artikel gleich zu Beginn nicht gestützt wird. Das muss nicht bedeuten, dass der Inhalt schlecht ist. Es kann auch bedeuten, dass das System eine Zuspitzung gewählt hat, die für das Scrollen gut funktioniert, aber nicht perfekt zum Text passt.

Ein praktischer Tipp ist das Minimalscreening vor dem Lesen. Schau auf drei Dinge. Passt die Überschrift zum Teasertext oder Untertitel. Ist im Artikel direkt am Anfang klar, worum es geht. Und wirkt die Formulierung auf der Seite präziser als im Feed. Wenn ja, lohnt es sich, eher dem Originaltitel zu vertrauen, weil er meist näher an der Absicht der Redaktion ist.

Was daran gut ist und wo es schwierig wird

Automatisch angepasste Überschriften sind nicht nur ein Problem. In vielen Fällen sind sie ein Service. Webseiten haben manchmal sehr lange oder sehr ähnliche Titel, weil sie aus Templates kommen. Ein System, das das glättet, kann die Orientierung verbessern, besonders im schnellen Feed.

Auch Barrierefreiheit spielt indirekt mit. Eine klare, präzise Überschrift hilft nicht nur beim Scrollen, sondern auch beim Vorlesen durch Screenreader. Wenn ein Titel voll mit Füllwörtern oder wiederholten Markenbestandteilen ist, sinkt der Nutzwert.

Schwierig wird es, wenn eine Anpassung Nuancen verschiebt. Bei Technikthemen kann ein einzelnes Wort den Unterschied machen, etwa ob etwas ein Test, ein Leak oder eine offizielle Ankündigung ist. Wenn aus Vorsicht ein System verallgemeinert, kann die Aussage zwar weniger scharf wirken, aber auch weniger präzise. Umgekehrt kann eine Zuspitzung zu viel versprechen.

In den Jahren 2025 und 2026 gab es zudem Berichte, dass bei Discover in bestimmten Tests oder Darstellungen KI-Formulierungen genutzt wurden, die eher wie eine Zusammenfassung wirkten und dabei teils ungenau waren. Solche Fälle zeigen ein grundsätzliches Dilemma. Eine Maschine kann Sprache flüssig machen, aber sie versteht Fakten nicht automatisch so, wie eine Redaktion sie absichert. Das Risiko ist nicht ständig präsent, aber es ist real genug, um aufmerksam zu bleiben.

Hinzu kommt ein psychologischer Effekt. Menschen merken sich Überschriften stärker als Fließtext. Wenn sich die Überschrift verändert, verändert sich oft auch, was man später über den Artikel glaubt. Deshalb ist es sinnvoll, bei heiklen Themen kurz auf der Seite zu prüfen, wie der Publisher den Inhalt selbst betitelt und ob die ersten Absätze die Erwartung erfüllen.

Wohin sich Feeds entwickeln und was das für dich heißt

Interessenfeeds werden sich weiter in zwei Richtungen bewegen. Einerseits werden sie stärker personalisiert, also näher an deinen Vorlieben, deinem Standortkontext und deinen Nutzungsgewohnheiten. Andererseits werden sie stärker kuratiert durch automatische Qualitätsfilter, die Clickbait und Wiederholungen reduzieren sollen. Beides erhöht den Druck, Inhalte schnell verständlich zu machen, auch über angepasste Überschriften.

Für dich als Leserin oder Leser bedeutet das vor allem eines. Die Überschrift im Feed ist zunehmend eine Vorschau, nicht mehr unbedingt das Originaletikett eines Artikels. Das ist vergleichbar mit Untertiteln bei Videos, die manchmal leicht abweichen, weil sie in Echtzeit erzeugt werden. Meist reicht es, manchmal hakt es.

Du hast dabei mehr Kontrolle, als es sich anfühlt. In Discover gibt es Feedbackfunktionen, mit denen du Themen oder Quellen eher sehen oder eher ausblenden kannst. Und wenn du merkst, dass dich bestimmte Arten von Zuspitzung regelmäßig stören, ist genau dieses Feedback ein Hebel, damit der Feed langfristig besser zu dir passt.

Wer selbst veröffentlicht, sollte die Basics im Blick behalten. Klare, einzigartige Title Tags und eine eindeutige H1 Überschrift senken die Wahrscheinlichkeit, dass Systeme kreativ werden müssen. Google nennt in der eigenen Dokumentation außerdem technische Empfehlungen für Discover, etwa große Vorschaubilder mit mindestens 1200 Pixel Breite und eine saubere Auslieferung für Crawler. In der Search Console lassen sich Discover Impressions, Klicks und CTR über bis zu 16 Monate auswerten, was ein gutes Gefühl dafür gibt, ob Änderungen an Titeln oder Bildern eher helfen oder eher stören.

Am wichtigsten bleibt aber die Gewohnheit, Überschriften als Einstieg zu sehen, nicht als Urteil. Ein kurzer Blick auf den Anfang des Textes ist oft die beste Absicherung gegen Missverständnisse, egal ob die Überschrift von einer Redaktion oder von einem System geformt wurde.

Fazit

Dass Überschriften im Feed manchmal anders aussehen als auf der Zielseite, ist heute eher Regel als Ausnahme. Plattformen nutzen mehrere Textquellen wie Title Tag, H1 und andere Signale und passen sie an Display, Kontext und Lesbarkeit an. In Google Discover kann das besonders auffallen, weil Kartenformate und Interesse statt Suchanfrage im Vordergrund stehen.

Für dich heißt das nicht, dass du jedem Titel misstrauen musst. Es lohnt sich aber, auf Stilbrüche, starke Zuspitzungen und sehr glatte Zusammenfassungen zu achten. Ein schneller Vergleich mit der Originalüberschrift auf der Seite schützt vor falschen Erwartungen und spart Zeit. Und wenn dir eine Darstellung regelmäßig unpassend vorkommt, helfen die Feedbackfunktionen im Feed dabei, die Auswahl langfristig zu steuern.

Hast du schon Überschriften gesehen, die im Feed anders klangen als im Artikel selbst. Teile deine Beobachtung und diskutiere mit, welche Formulierungen für dich fair und hilfreich sind.

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