EU-Strommarktreform: Was sie für Haushalte 2025 bedeutet

Die EU-Strommarktreform greift ab 2025 spürbar in die Regeln für Strompreise ein. Im Zentrum stehen langfristige Verträge für Wind- und Solarparks, neue Zahlungen für Reservekraftwerke und strengere Vorgaben für Terminmärkte. Für dich als Haushalt in Deutschland entscheidet sich daran, wie stark Großhandelspreise auf deine Stromrechnung durchschlagen und wie stabil die Versorgung bleibt. Dieser Artikel zeigt, welche Mechanismen beschlossen sind, wo noch Spielräume bestehen und warum sich Änderungen im Großhandel oft nur gedämpft in Cent pro Kilowattstunde bemerkbar machen.

Einleitung

Wenn deine Stromrechnung kommt, zählt am Ende nur eine Zahl in Cent pro Kilowattstunde. Doch diese Zahl entsteht nicht im Wohnzimmer, sondern am Großhandelsmarkt. Genau dort setzt die EU-Strommarktreform an. Sie verändert, wie neue Wind- und Solarparks finanziert werden, wie Reservekraftwerke vergütet werden und wie Energieversorger Preise absichern.

Für Haushalte in Deutschland ist entscheidend, wie stark Änderungen am Großhandelsmarkt auf den Endpreis durchschlagen. Laut Monitoringbericht der Bundesnetzagentur lag der durchschnittliche Haushaltsstrompreis 2024 im Bereich von rund 41 bis 47 ct/kWh. Der reine Energieanteil macht dabei nur einen Teil aus, Netzentgelte, Steuern und Abgaben prägen den Rest.

Die EU-Strommarktreform, offiziell als Market Design Review beschlossen, soll Preisspitzen wie in der Energiekrise abfedern und Investitionen in erneuerbare Energien absichern. Ob und wie stark das deine Stromkosten ab 2025 beeinflusst, hängt von drei Stellschrauben ab.

CfDs und PPAs: Preisabsicherung für neue Anlagen

Ein Kernpunkt der EU-Strommarktreform sind sogenannte zweiseitige Differenzverträge, kurz CfDs. Sie legen für neue geförderte Anlagen wie Offshore-Wind oder große Solarparks einen festen Referenzpreis fest. Liegt der Börsenstrompreis darunter, gleicht der Staat die Differenz aus. Liegt er darüber, fließen Erlöse zurück.

Die Europäische Kommission hat diese Konstruktion 2023 vorgeschlagen, das Europäische Parlament hat die Ausgestaltung in einer Studie mit dem DISC-Modell analysiert. Dieses Modell zeigt, dass CfDs die Einnahmen von Erzeugern stabilisieren. Für Verbraucher können sie in Krisensituationen entlastend wirken, wenn hohe Börsenerlöse tatsächlich an Kunden zurückgegeben werden.

Ein Rückgang des Großhandelspreises um 10 €/MWh entspricht rechnerisch 1,0 ct/kWh. Wie viel davon bei Haushalten ankommt, hängt vom Energieanteil am Endpreis und vom Weitergabegrad ab.

Zur Einordnung: 1 €/MWh entspricht 0,1 ct/kWh. Sinkt der Großhandelspreis um 10 €/MWh, sind das 1,0 ct/kWh weniger auf der Energieseite. Wenn der Energieanteil am Haushaltsstrompreis etwa 30 Prozent beträgt und Versorger rund 70 Prozent solcher Änderungen weitergeben, reduziert sich der Endpreis um ungefähr 0,21 ct/kWh. Bei einem Preisniveau von rund 42 ct/kWh ist das ein kleiner Effekt.

Für Deutschland heißt das: Neue Offshore-Auktionen oder Repowering-Projekte an Land werden voraussichtlich mit CfDs abgesichert. Entscheidend ist, ob und wie Rückflüsse aus hohen Börsenpreisen transparent an Haushalte weitergereicht werden.

Kapazitätsmechanismen: Bezahlung für Reserve

Neben CfDs erlaubt die Reform ausdrücklich Kapazitätsmechanismen. Dabei erhalten Kraftwerke eine Vergütung dafür, dass sie Leistung bereithalten, auch wenn sie selten laufen. Ziel ist Versorgungssicherheit in Zeiten mit wenig Wind und Sonne.

Deutschland diskutiert seit Längerem über ein solches Modell. Die EU-Regeln geben nun einen klareren Rahmen vor. Das Europäische Parlament weist in seiner Analyse darauf hin, dass die konkrete Ausgestaltung entscheidend ist. Werden viele Anlagen über Kapazitätszahlungen abgesichert, entstehen zusätzliche Systemkosten.

Diese Kosten landen in der Regel über Netzentgelte oder Umlagen indirekt bei den Verbrauchern. Wie hoch der Effekt ausfällt, hängt von Umfang und Wettbewerb im Mechanismus ab. Eine pauschale Zahl in ct/kWh lässt sich ohne konkrete Ausschreibungsdaten nicht seriös nennen.

Für Haushalte bedeutet das: Mehr Sicherheit gegen Stromausfälle kann zu stabileren Preisen führen, kostet aber Geld. Ob sich das als spürbarer Posten auf der Rechnung zeigt, entscheidet die nationale Umsetzung.

Terminmärkte und Hedging: Absicherung der Versorger

Ein dritter Hebel betrifft Terminmärkte. Versorger kaufen Strom oft Monate oder Jahre im Voraus ein, um Preisschwankungen zu glätten. Die Reform stärkt langfristige Verträge und verpflichtet Mitgliedstaaten, Rahmenbedingungen für liquide Terminmärkte zu sichern.

Das DISC-Modell des Europäischen Parlaments zeigt, dass eine starke Ausweitung staatlicher CfDs die frei handelbaren Mengen am Terminmarkt verringern kann. Wenn weniger Volumen für private Absicherung verfügbar ist, verändern sich Terminpreise und Risikoprämien.

Für die Industrie sind Power Purchase Agreements, also direkte Stromlieferverträge zwischen Erzeugern und großen Abnehmern wie Chemie- oder Stahlunternehmen, besonders wichtig. Eine stabile Terminmarktstruktur erleichtert solche Verträge. Das kann Investitionen in neue Anlagen fördern und langfristig Preisschwankungen dämpfen.

Für dich als Haushalt wirkt dieser Mechanismus indirekt. Wenn Versorger Risiken besser absichern können, sinkt die Wahrscheinlichkeit abrupter Preissprünge. Der Effekt auf den konkreten Centbetrag pro Kilowattstunde bleibt jedoch begrenzt, solange Steuern und Netzentgelte den Großteil des Endpreises ausmachen.

Deutschland-Perspektive bis 2025

Beschlossen ist auf EU-Ebene der rechtliche Rahmen für CfDs, Kapazitätsmechanismen und gestärkte Terminmärkte. Verhandelt und konkretisiert wird auf nationaler Ebene, wie diese Instrumente ausgestaltet werden. In Deutschland betrifft das unter anderem Offshore-Auktionen, Repowering an Land und die Ausgestaltung eines möglichen Kapazitätsmarktes.

Für Haushalte entscheidend ist die Frage der Weitergabe. Selbst größere Bewegungen am Großhandelsmarkt führen rechnerisch oft nur zu Änderungen im Bereich von wenigen Zehntel Cent pro Kilowattstunde, solange der Energieanteil am Endpreis bei etwa einem Drittel liegt.

Bis 2025 stehen vor allem nationale Gesetzes- und Verordnungsanpassungen an. Erst wenn konkrete Ausschreibungsbedingungen, Vergütungsmodelle und Umlagemechanismen feststehen, lässt sich genauer abschätzen, wie stark einzelne Instrumente auf die Stromrechnung durchschlagen.

Die EU-Strommarktreform schafft damit vor allem neue Regeln für Investitionen und Risikoverteilung. Wie sich das im Detail in Deutschland auswirkt, entscheidet sich an der konkreten Umsetzung.

Fazit

Die EU-Strommarktreform verändert die Spielregeln im Hintergrund, nicht die Zahl auf deiner Rechnung über Nacht. CfDs können Preisspitzen abfedern, Kapazitätsmechanismen erhöhen die Versorgungssicherheit und stabile Terminmärkte glätten Risiken. Für Haushalte in Deutschland bleibt der direkte Effekt meist im Bereich von wenigen Zehntel Cent pro Kilowattstunde, solange Netzentgelte und staatliche Preisbestandteile dominieren.

Ob sich das ab 2025 stärker bemerkbar macht, hängt von der nationalen Ausgestaltung ab. Wer verstehen will, warum die eigene Stromrechnung steigt oder sinkt, sollte künftig nicht nur auf den Börsenpreis schauen, sondern auf das Zusammenspiel aller drei Stellschrauben.

Diskutiere mit: Wie transparent sollte die Weitergabe von CfD-Erlösen an Haushalte geregelt werden?

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