Mehr Wind- und Solarstrom bedeutet auch mehr Phasen mit wenig Erzeugung. Genau hier sollen Eisen-Luft-Speicher ansetzen. Ein 100-Stunden-Test im EDF-Labor in Frankreich gilt als wichtiger Praxistest für Langzeitspeicher in Europa. Für Deutschland stellt sich die Frage, ob solche Systeme bei einer Dunkelflaute Reservekraftwerke, Redispatch-Kosten und damit indirekt Netzentgelte Kosten beeinflussen können. Der Artikel ordnet Technik, Potenziale und Risiken nüchtern ein und zeigt, ab wann Eisen-Luft-Speicher für Netzbetreiber wirtschaftlich und sicherheitsrelevant werden.
Einleitung
Wenn im Winter mehrere Tage kaum Wind weht und die Sonne nur schwach scheint, steigt der Druck auf das Stromsystem. Genau solche Situationen werden als Dunkelflaute bezeichnet. Für Verbraucher zeigt sich das indirekt über steigende Systemkosten, für Netzbetreiber über hohe Anforderungen an Reservekraftwerke und Eingriffe ins Netz.
Langzeitspeicher gelten als möglicher Baustein, um solche Phasen besser zu überbrücken. Während Lithium-Ionen-Batterien meist für Stunden optimiert sind, zielen Eisen-Luft-Speicher auf Zeiträume von mehreren Tagen. Ein aktueller 100-Stunden-Test im EDF-Forschungslabor in Frankreich wird deshalb als Lackmustest für diese Technologie in Europa gewertet.
Doch was wurde dort tatsächlich gezeigt? Und was würde das für Deutschland bedeuten, wo Themen wie Redispatch, Reservekraftwerke und Netzentgelte Kosten zunehmend diskutiert werden? Genau hier setzt die Einordnung an.
Der 100-Stunden-Test im EDF-Labor
Im Jahr 2026 meldete das Unternehmen Ore Energy den erfolgreichen Abschluss eines netzgekoppelten Pilotprojekts im EDF Lab Les Renardières in Frankreich. Laut Unternehmensangaben konnte das Eisen-Luft-System Strom über rund 100 Stunden speichern und wieder abgeben. Das entspricht etwa vier Tagen kontinuierlicher Entladung.
Ziel des Piloten war es, ein netzgekoppeltes 100-Stunden-System unter realen Bedingungen zu demonstrieren.
Die Anlage ist modular aufgebaut und basiert auf 40-Fuß-Containern, die laut Hersteller jeweils mehrere Megawattstunden Speicherkapazität bereitstellen sollen. Die chemische Grundlage ist eine reversible Reaktion zwischen Eisen und Eisenoxid unter Einbeziehung von Luft und Wasser. Beim Laden wird Eisenoxid zu metallischem Eisen reduziert, beim Entladen oxidiert es wieder und setzt elektrische Energie frei.
| Merkmal | Beschreibung | Wert |
|---|---|---|
| Testort | EDF Lab Les Renardières, Frankreich | Netzgekoppelt |
| Entladedauer | Demonstrierte Langzeitspeicherung | ca. 100 Stunden |
| Systemaufbau | Modulare Containerlösung | 40-Fuß-Container |
Wichtig ist jedoch: In den öffentlich zugänglichen Mitteilungen werden keine detaillierten Kennzahlen wie der gemessene Gesamtwirkungsgrad oder konkrete Degradationsraten genannt. Für eine technische und wirtschaftliche Bewertung in Deutschland wären genau diese Daten entscheidend.
Eisen-Luft-Speicher und die Dunkelflaute in Deutschland
Eine Dunkelflaute kann mehrere Tage andauern. In solchen Phasen reichen Kurzzeitspeicher mit wenigen Stunden Laufzeit nicht aus, um große Strommengen zwischenzuspeichern. Genau hier setzen Eisen-Luft-Speicher als 100 Stunden Langzeitspeicher Dunkelflaute Deutschland an.
Die Idee ist einfach: Überschüssiger Wind- und Solarstrom aus Zeiten hoher Erzeugung wird über Tage hinweg gespeichert und in einer Mangellage wieder eingespeist. Theoretisch könnten solche Speicher damit einen Teil der Leistung übernehmen, die heute durch konventionelle Reservekraftwerke abgesichert wird.
Allerdings hängt die tatsächliche Rolle stark von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind die verfügbare Speicherkapazität, die Reaktionsgeschwindigkeit bei Netzanforderungen und die Integration in bestehende Marktmechanismen. Ein einzelner Container mit mehreren Megawattstunden Kapazität ist noch kein Ersatz für ein großes Kraftwerk. Erst im Verbund vieler Module entsteht eine relevante Systemgröße.
Für deutsche Netzbetreiber wäre zudem relevant, ob solche Speicher systemdienlich an Engpassknoten errichtet werden können. Dann könnten sie nicht nur Energie bereitstellen, sondern auch gezielt Netzengpässe entschärfen.
Welche Kostenblöcke könnten sich verschieben?
In Deutschland entstehen hohe Systemkosten durch Redispatch-Maßnahmen, also das gezielte Hoch- und Runterfahren von Kraftwerken zur Netzstabilisierung. Hinzu kommen Ausgaben für Reservekraftwerke sowie Investitionen in Netzausbau, die sich in den Netzentgelten widerspiegeln.
Eisen-Luft-Speicher könnten hier theoretisch an mehreren Stellen ansetzen. Wenn sie bei einer Dunkelflaute über mehrere Tage Strom liefern, sinkt potenziell der Bedarf an fossilen Reservekraftwerken. Werden sie strategisch an Netzengpässen platziert, könnten sie Redispatch-Eingriffe reduzieren.
Ob sich dadurch Netzentgelte Kosten tatsächlich senken lassen, hängt jedoch von der Wirtschaftlichkeit ab. Ein entscheidender Parameter ist der Rundwirkungsgrad. Branchenberichte verweisen bei Eisen-Luft-Konzepten auf mögliche Wirkungsgrade im Bereich von etwa 40 bis 70 %, je nach Auslegung. Je niedriger der Wirkungsgrad, desto mehr Energie muss zuvor eingespeist werden, um eine bestimmte Menge wieder zu erhalten.
Für Netzbetreiber wird es daher darauf ankommen, die Gesamtkosten pro bereitgestellter Kilowattstunde über die Lebensdauer zu betrachten. Erst wenn diese Kosten unter denen alternativer Optionen liegen oder zusätzliche Systemvorteile entstehen, wird die Technologie ökonomisch attraktiv.
Risiken, Wirkungsgrad und offene Fragen
So vielversprechend das Konzept klingt, es bleiben offene Punkte. Öffentlich zugängliche Daten zum konkreten Pilotprojekt enthalten keine detaillierten Angaben zu gemessenen Wirkungsgraden, Zyklenfestigkeit oder langfristiger Degradation. Für Investitionsentscheidungen in Deutschland sind genau diese Kennzahlen unverzichtbar.
Ein weiterer Aspekt ist der Flächenbedarf. Langzeitspeicher mit vergleichsweise geringer Energiedichte benötigen mehr Raum als kompakte Lithium-Ionen-Systeme. Containerlösungen lassen sich zwar modular erweitern, erfordern jedoch geeignete Standorte und Genehmigungen.
Auch die Lieferkette spielt eine Rolle. Eisen, Wasser und Luft sind als Rohstoffe weit verbreitet. Dennoch müssen Fertigungskapazitäten, Systemintegration und Wartung auf industriellem Niveau aufgebaut werden. Für Netzbetreiber zählt am Ende vor allem die Verlässlichkeit über viele Jahre.
Der 100-Stunden-Test ist deshalb weniger ein Beweis für Marktreife als ein wichtiger Zwischenschritt. Wirtschaftlich und sicherheitsrelevant wird die Technologie in Deutschland erst, wenn transparente Leistungsdaten, belastbare Lebensdauerwerte und klare regulatorische Rahmenbedingungen vorliegen.
Fazit
Eisen-Luft-Speicher versprechen, Strom über rund 100 Stunden bereitzustellen und damit gezielt Dunkelflauten abzufedern. Der Test im EDF-Labor zeigt, dass ein netzgekoppelter Betrieb über mehrere Tage technisch möglich ist. Für Deutschland eröffnet das eine Perspektive, Reservekraftwerke und bestimmte Redispatch-Maßnahmen zumindest teilweise zu ergänzen.
Ob sich daraus tatsächlich sinkende Netzentgelte Kosten ergeben, hängt von klaren Kriterien ab: gemessener Wirkungsgrad inklusive Nebenverbräuchen, reale Lebensdauer, Skalierbarkeit und systemdienliche Standortwahl. Erst wenn diese Punkte transparent belegt sind, wird der Eisen-Luft-Speicher für deutsche Versorger zu einem belastbaren Baustein der Versorgungssicherheit.





