Du planst eine PV-Anlage fürs Einfamilienhaus oder liebäugelst mit Balkon-PV und fragst dich, ob sich das ohne verlässliche Zahlungen fürs Einspeisen noch lohnt. Genau hier setzt die Einspeisevergütung an: Sie vergütet Strom, den du ins Netz abgibst, nach festen Sätzen, die die Bundesnetzagentur veröffentlicht. Dieser Artikel erklärt verständlich, wie das System aktuell funktioniert, warum Fraunhofer ISE die EEG-Förderung als wichtigen Ausbau-Treiber beschreibt und was eine Reduzierung oder Abschaffung für neue kleine Anlagen bedeuten würde. Dazu gibt es transparente Rechenbeispiele und praktische Alternativen, die deinen Geldbeutel schützen.
Einleitung
Du bekommst ein Angebot für eine Solaranlage, rechnest grob den Preis gegen die erwartete Ersparnis – und stolperst über eine Frage, die viele Haushalte beschäftigt: Was passiert, wenn die Einspeisevergütung für neue kleine PV-Anlagen sinkt oder wegfällt? Denn ein Teil der Wirtschaftlichkeit hängt nicht nur an dem Strom, den du selbst nutzt, sondern auch an dem Strom, den du nicht sofort verbrauchst und ins Netz einspeist.
Wichtig ist die Trennung der Geldströme. Erstens spart dir Eigenverbrauch Strombezug aus dem Netz. Zweitens bringt Einspeisung Einnahmen, die nach EEG-Regeln über feste Vergütungssätze laufen können. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht dafür Tabellen, die nach Anlagengröße und Inbetriebnahmezeitraum unterscheiden. Fraunhofer ISE beschreibt dieses EEG-System aus garantierten Zahlungen und Einspeisevorrang als einen zentralen Grund, warum Photovoltaik in Deutschland so schnell skaliert hat – und warum die Ausgestaltung der Förderung die Investitionsbereitschaft beeinflusst.
In diesem Artikel geht es nicht um Politik-Prognosen, sondern um deine Planungssicherheit: Was lässt sich heute belastbar sagen, welche Effekte wären bei einer Kürzung für neue Anlagen plausibel, und welche Entscheidungen kannst du sinnvoll vorbereiten, ohne dich zu verrennen?
So funktioniert die Einspeisevergütung für kleine PV-Anlagen
Die Einspeisevergütung ist vereinfacht gesagt ein festgelegter Preis pro Kilowattstunde für Strom, den deine PV-Anlage ins öffentliche Netz abgibt. Die konkreten Sätze sind nicht frei verhandelbar, sondern werden im EEG-Rahmen veröffentlicht und von der Bundesnetzagentur in Tabellen bereitgestellt. Praktisch relevant ist dabei: Die Sätze hängen unter anderem von der Anlagengröße und davon ab, ob du den Strom vollständig einspeist oder nur den Überschuss abgibst.
In den aktuellen Bundesnetzagentur-Tabellen (Stand: veröffentlichter Zeitraum ab 01.02.2026) wird für Anlagen bis 10 kWp zwischen zwei Varianten unterschieden: Volleinspeisung (du speist alles ein) und Teileinspeisung (du nutzt einen Teil selbst, der Rest geht ins Netz). Für Haushalte ist die zweite Variante oft die typische, weil der Eigenverbrauch parallel einen zweiten Hebel bietet: Du ersetzt Stromkauf durch eigenen Solarstrom.
Sinngemäß nach Fraunhofer ISE: Langfristig garantierte Vergütungssätze und ein klarer Rechtsrahmen haben in Deutschland Investitionen in Photovoltaik stark erleichtert, weil das Risiko für private und gewerbliche Betreiber sinkt.
Fraunhofer ISE ordnet die EEG-Förderung zugleich als System ein, das sich über die Jahre verändert hat: Mit sinkenden PV-Kosten wurden Instrumente stärker auf Marktintegration ausgerichtet, etwa über Direktvermarktung und Auktionen bei größeren Anlagen. Für neue kleine Anlagen bleibt die entscheidende Frage daher: Wie viel Planungssicherheit bietet das Vergütungsmodell künftig – und wie groß ist der Anteil deiner Wirtschaftlichkeit, der wirklich von der Vergütung abhängt?
| Merkmal | Beschreibung | Wert |
|---|---|---|
| Anlagengröße | Band in der Bundesnetzagentur-Tabelle für kleine Anlagen | bis 10 kWp |
| Volleinspeisung | Vergütung für jede eingespeiste kWh, wenn du komplett einspeist | ca. 12,34 ct/kWh |
| Teileinspeisung | Vergütung für die kWh, die nach Eigenverbrauch als Überschuss ins Netz geht | ca. 7,78 ct/kWh |
| Quelle der Werte | Amtliche Veröffentlichung der Vergütungssätze als Download | Bundesnetzagentur (Archiv Vergütungssätze) |
Wegfall oder Kürzung: Was das in Euro für dich ändern kann
Für deinen Geldbeutel ist die wichtigste Erkenntnis: Eine Kürzung der Einspeisevergütung trifft dich nur auf den Anteil deiner Solarproduktion, der tatsächlich ins Netz geht. Wie groß dieser Anteil ist, hängt von deinem Haushalt ab (Verbrauchsprofil, tagsüber zu Hause, E-Auto, Wärmepumpe) und von der Auslegung der Anlage. Deshalb sind Rechenbeispiele nur dann fair, wenn sie ihre Annahmen offenlegen.
Rechenbeispiel 1: 8 kWp, komplette Einspeisung (Volleinspeisung)
Annahme für die Jahresproduktion: 900 kWh pro kWp und Jahr (konservative Modellannahme, stark standort- und anlagenabhängig). Das ergibt 8 kWp × 900 kWh/kWp = 7.200 kWh/Jahr Einspeisung. Bei ca. 12,34 ct/kWh (Tabelle ab 01.02.2026) wären das 7.200 × 0,1234 € = rund 888 € pro Jahr Einnahmen. Wenn diese Einnahmen für neue Anlagen deutlich sinken oder entfielen, fehlt bei diesem Modell genau dieser Betrag als Cashflow.
Rechenbeispiel 2: 8 kWp, typische Teileinspeisung mit 50 % Überschuss
Gleiche Produktionsannahme: 7.200 kWh/Jahr. Wenn du davon 50 % selbst nutzt und 50 % einspeist, gehen 3.600 kWh ins Netz. Bei ca. 7,78 ct/kWh läge die Vergütung bei 3.600 × 0,0778 € = rund 280 € pro Jahr. Der größere Teil der Wirtschaftlichkeit kommt in diesem Szenario nicht aus der Vergütung, sondern aus dem Wert deines Eigenverbrauchs. Wie hoch dieser Wert ist, hängt von deinem Strompreis ab. Fraunhofer ISE verwendet in einem Rechenkontext beispielhaft 0,40 €/kWh als Ansatz für Haushaltsstromkosten (als Modellwert, kein amtlicher Durchschnitt). Damit läge der Eigenverbrauchswert hier bei 3.600 × 0,40 € = 1.440 € pro Jahr.
Rechenbeispiel 3: Was bedeutet ein kompletter Wegfall der Vergütung für Überschussstrom?
Bleiben wir bei den 3.600 kWh Überschuss aus Beispiel 2. Bei einem vollständigen Wegfall der Vergütung für neue Anlagen wäre der direkte Unterschied in der Rechnung exakt die heutige Vergütung: rund 280 € pro Jahr weniger Einnahmen (bei gleichbleibender Einspeisemenge und basierend auf dem veröffentlichten Satz ab 01.02.2026). Das ist der Kernpunkt: Der finanzielle Schaden ist gut abschätzbar, sobald du weißt, wie viel du voraussichtlich einspeisen würdest.
Was du aus den Zahlen mitnehmen solltest: Eine Abschaffung oder starke Reduzierung der Einspeisevergütung würde vor allem Modelle unattraktiver machen, die auf hohe Netzeinspeisung setzen. Anlagenkonzepte, die den Eigenverbrauch erhöhen, wären relativ gesehen weniger betroffen – weil der wichtigste Nutzen dann die vermiedenen Strombezugskosten sind.
Alternativen: Eigenverbrauch, Tarife, Speicher, Direktvermarktung
Wenn Einspeisung weniger wert wird, verschiebt sich die Optimierung. Statt maximaler kWh ins Netz zählt stärker, wie viele kWh du zur richtigen Zeit selbst nutzen kannst. Das ist nicht nur eine Rechenfrage, sondern auch eine Frage von Alltag und Komfort.
1) Eigenverbrauch erhöhen, ohne Technik-Marathon
Die einfachste Stellschraube ist Lastverschiebung: Spülmaschine, Waschmaschine oder Warmwasserbereitung laufen bevorzugt dann, wenn die Anlage produziert. Bei E-Mobilität ist das besonders wirksam: Wenn dein Auto regelmäßig tagsüber zu Hause laden kann, steigt der Eigenverbrauch typischerweise deutlich. Das braucht nicht zwingend eine High-End-Steuerung – aber eine grobe Routine kann schon helfen, Überschüsse zu reduzieren.
2) Dynamische Stromtarife: Chance, aber nicht automatisch ein Gewinn
Dynamische Tarife orientieren sich an Börsenpreisen und können dazu führen, dass Strom zu manchen Zeiten günstiger ist. Das kann attraktiv sein, wenn du flexibel bist (zum Beispiel beim Laden eines E-Autos). Gleichzeitig bringt es Unsicherheit: Du musst mit Preisschwankungen umgehen und idealerweise steuern können, wann du Strom beziehst. Für die PV-Wirtschaftlichkeit gilt: Dynamische Tarife ersetzen keine Förderung, können aber helfen, Reststrom günstiger zu beziehen und Flexibilität zu belohnen.
3) Speicher: Mehr Eigenverbrauch, aber zusätzliche Investition
Ein Batteriespeicher kann Überschüsse in den Abend schieben und so Netzeinspeisung verringern. Ob sich das lohnt, hängt vor allem von drei Punkten ab: deinem tatsächlichen Überschuss, dem Preis des Speichers und dem Abstand zwischen Strompreis (vermiedener Einkauf) und Einspeisewert. Fraunhofer ISE verweist in seinen Kostenstudien darauf, dass die Stromgestehungskosten je nach Anlagentyp stark variieren können. Daraus folgt: Ein Speicher ist kein Pflichtkauf, sondern eine Option, die man sauber gegenrechnen sollte – am besten mit realistischen Verbrauchsdaten aus deinem Haushalt.
4) Direktvermarktung: eher für größere Anlagen, organisatorisch anspruchsvoller
Fraunhofer ISE beschreibt neben festen Vergütungssätzen auch marktbasierte Modelle wie Direktvermarktung und Auktionen, die vor allem bei größeren Anlagen eine Rolle spielen. Für typische kleine Hausdachanlagen kann Direktvermarktung zwar grundsätzlich eine Option sein, sie ist aber mit mehr organisatorischem Aufwand verbunden (Abrechnung, Messkonzepte, Vertragspartner). Ohne belastbare Kosten- und Vertragsdaten für deinen konkreten Fall sollte man das eher als Plan B betrachten – nicht als schnellen Ersatz für wegfallende Vergütung.
5) Gemeinschaftliche Modelle: mehr Wirkung, aber Regeln entscheiden
Gemeinschaftliche Ansätze (zum Beispiel gemeinsame Erzeugung und Nutzung im Gebäudeumfeld) können helfen, Solarstrom dort zu verbrauchen, wo er entsteht. Wie gut das praktisch funktioniert, hängt von rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen ab. Wenn du so etwas erwägst, lohnt es sich, erst die konkrete Umsetzbarkeit zu klären und dann erst die Hardware zu dimensionieren.
Was sicher ist, was offen bleibt und welche Schritte sinnvoll sind
Was wir sicher wissen
Erstens: Die aktuellen Vergütungssätze für neue Anlagen werden offiziell veröffentlicht. Für PV-Anlagen bis 10 kWp nennt die Bundesnetzagentur im veröffentlichten Zeitraum ab 01.02.2026 je nach Modell ca. 12,34 ct/kWh (Volleinspeisung) oder ca. 7,78 ct/kWh (Teileinspeisung). Zweitens: Fraunhofer ISE ordnet die EEG-Förderung historisch als entscheidenden Treiber ein, weil garantierte Zahlungen Investitionen erleichtern und Risiken senken. Drittens: Der Trend in der Ausgestaltung geht in Richtung stärkerer Marktintegration, etwa über Direktvermarktung und Ausschreibungen bei größeren Projekten.
Was unklar bleibt
Unklar ist, ob und wie stark eine mögliche Reduzierung oder Abschaffung der Einspeisevergütung für neue kleine Anlagen umgesetzt würde, welche Übergangsregeln gelten könnten und wie sich alternative Modelle konkret ausprägen (zum Beispiel über Tarife, Netzentgelte oder neue Förderlogiken). Ohne konkrete Gesetzes- oder Verordnungstexte lassen sich hier keine belastbaren Zahlen nennen.
Was du jetzt sinnvoll vorbereiten kannst
Wenn du gerade planst, hilft ein nüchterner Ansatz: Miss oder schätze deinen Tagesverbrauch (wann verbrauchst du wie viel?), kläre, welche Verbraucher sich verschieben lassen (E-Auto-Laden, Warmwasser, Haushalt) und plane die PV-Größe so, dass sie zu deinem Eigenverbrauch passt. Parallel kannst du Angebote so vergleichen, dass sie nicht nur kWp und Preis nennen, sondern auch eine plausible Annahme zur Einspeisemenge und zur Eigenverbrauchsquote. Bei Speichern lohnt es sich oft, erst reale Daten zu sammeln und dann nachzurüsten, statt auf Verdacht zu kaufen.
Die wichtigste Denkweise: Eine sinkende Einspeisevergütung ist kein K.-o.-Kriterium für Photovoltaik, aber sie verschiebt die Prioritäten. Wer seinen Eigenverbrauch intelligent erhöht und die Anlage passend dimensioniert, reduziert die Abhängigkeit von politisch veränderlichen Vergütungssätzen.
Fazit
Für neue kleine PV-Anlagen wäre eine Reduzierung oder Abschaffung der Einspeisevergütung vor allem dort schmerzhaft, wo viel Strom ins Netz geht. Die aktuellen amtlich veröffentlichten Sätze zeigen, dass der Unterschied zwischen Volleinspeisung und Teileinspeisung bereits heute deutlich ist. Das ist ein Hinweis darauf, wie stark das System den Eigenverbrauch in den Vordergrund rückt. Fraunhofer ISE beschreibt die EEG-Förderung als wichtigen Stabilitätsfaktor für den PV-Ausbau, weil sie Investitionen kalkulierbar macht. Wenn diese Kalkulierbarkeit künftig abnimmt, gewinnt saubere Planung an Bedeutung: Verbrauchsprofil kennen, Anlage passend dimensionieren, Überschüsse bewusst managen und Speicher erst dann entscheiden, wenn Zahlen aus deinem Alltag vorliegen.





