E‑Auto‑Motor ohne Seltene Erden: Wird’s billiger?

Der E‑Auto‑Motor ohne Seltene Erden gilt als möglicher Ausweg aus geopolitischen Risiken und Preissprüngen bei Neodym und Dysprosium. Doch was bedeutet das konkret für dich als Käufer in Deutschland und für heimische Hersteller? Auf Basis aktueller Daten von USGS, US‑Energieministerium und IEA zeigt dieser Artikel, wie stark heutige Elektromotoren von China abhängen, wie volatil die Preise waren und ob ein axialer Motor ohne Permanentmagnete Fahrzeugpreise, Lieferzeiten und Wartungskosten realistisch senken kann.

Einleitung

Wenn du ein Elektroauto bestellst, denkst du wahrscheinlich an Akku, Reichweite und Ladezeit. Kaum jemand beschäftigt sich mit dem Motor. Dabei hängt genau dort ein Teil des Preises und der Lieferfähigkeit an Rohstoffen, die nur in wenigen Ländern verarbeitet werden. Vor allem Neodym und Dysprosium, zwei sogenannte Seltene Erden, stecken in vielen heutigen Permanentmagnet‑Motoren.

Die Frage ist daher berechtigt: Wird ein E‑Auto‑Motor ohne Seltene Erden in Deutschland langfristig günstiger und stabiler verfügbar sein? Um das seriös zu beantworten, muss man sich drei Punkte ansehen. Erstens, wie viel dieser Metalle überhaupt im Motor steckt. Zweitens, wie stark die Lieferkette von China abhängt und wie sich Preise entwickelt haben. Drittens, ob alternative Konzepte wie ein axialer Motor ohne Permanentmagnete technisch und wirtschaftlich mithalten können.

Wie abhängig sind E‑Motoren von Neodym und Dysprosium?

Die meisten modernen Elektroautos nutzen Synchronmotoren mit Permanentmagneten aus sogenanntem NdFeB‑Material. Laut einem Bericht des US‑Energieministeriums von 2022 enthalten typische Traktionsmotoren etwa 1 bis 2 kg solcher Magnete. Diese Magnete bestehen zu rund 30 % aus Seltenen Erden, vor allem Neodym und Praseodym, teilweise ergänzt durch Dysprosium für höhere Temperaturstabilität.

Rechnet man mit einem Mittelwert von 1,5 kg Magnetmaterial pro Motor, ergeben sich etwa 440 g Neodym und Praseodym pro Fahrzeug. Der Anteil von Dysprosium hängt stark von der Magnetqualität ab. Bei einfachen Qualitäten liegt er unter 0,5 % des Magnetgewichts, also nur bei wenigen Gramm. Bei hochtemperaturfesten Varianten kann er laut DOE‑Tabellen auf rund 8 % steigen, was über 100 g pro Motor bedeuten kann.

Schon wenige hundert Gramm pro Fahrzeug summieren sich bei Millionen Autos zu einem strategischen Rohstoffthema.

Für die Einordnung hilft ein Blick auf die Leistung. Bei einem 100 kW‑Motor entsprechen 440 g Neodym und Praseodym rund 4,4 g pro kW. Diese Zahlen zeigen, warum selbst moderate Absatzsteigerungen im E‑Automarkt spürbare Effekte auf die Rohstoffnachfrage haben.

Typische Materialmengen in einem 100 kW‑E‑Motor
Merkmal Beschreibung Wert
Magnetmasse NdFeB‑Magnete pro Motor ca. 1,5 kg
Neodym + Praseodym ca. 29 % des Magnetgewichts ca. 440 g
Dysprosium je nach Qualität 0,5 % bis 8 % ca. 7 – 130 g

China, Preise und das Seltene Erden Risiko

Die Abhängigkeit entsteht nicht nur durch die Materialmenge, sondern durch die Struktur der Lieferkette. Laut der USGS Mineral Commodity Summary 2024 entfallen rund 60 % der weltweiten Förderung Seltener Erden auf China. Noch deutlicher ist die Dominanz bei der Weiterverarbeitung. Das US‑Energieministerium beziffert den Anteil Chinas an der Magnetproduktion auf rund 90 %.

Diese Konzentration macht Preise anfällig für politische Entscheidungen und Exportregeln. Die USGS nennt für Neodymoxid Durchschnittspreise von 45 US‑Dollar pro Kilogramm im Jahr 2019, 98 US‑Dollar im Jahr 2021 und 134 US‑Dollar im Jahr 2022. Auch Dysprosiumoxid schwankte stark und lag 2021 bei über 400 US‑Dollar pro Kilogramm.

Für Hersteller bedeutet das Planungsrisiko. Wenn sich Rohstoffpreise innerhalb weniger Jahre nahezu verdreifachen, steigen entweder die Einkaufskosten oder es müssen langfristige Lieferverträge abgeschlossen werden. Beides bindet Kapital. Für dich als Käufer kann das indirekt höhere Fahrzeugpreise oder längere Lieferzeiten bedeuten, vor allem wenn geopolitische Spannungen zunehmen.

Axialflussmotor ohne Seltenerdmagnete in Deutschland

Ein möglicher Ausweg ist der Verzicht auf Permanentmagnete. Konzepte wie der axialer Motor ohne Permanentmagnete oder weiterentwickelte Reluktanz‑ und Induktionsmotoren kommen ohne Neodym und Dysprosium aus. Technisch funktionieren sie anders. Statt eines festen Magnetfelds im Rotor wird das Magnetfeld elektrisch erzeugt oder über die Geometrie des Rotors beeinflusst.

Der Vorteil liegt auf der Hand. Ohne Permanentmagnete sinkt die direkte Abhängigkeit von Seltenen Erden. Das reduziert das Seltene Erden Risiko in der Lieferkette. Allerdings gibt es Zielkonflikte. Permanentmagnet‑Motoren bieten laut DOE‑Analysen eine hohe Leistungsdichte und Effizienz. Alternativen können schwerer sein oder bei gleicher Leistung mehr Bauraum benötigen.

Für deutsche Hersteller heißt das: Eine Umstellung erfordert neue Produktionslinien, andere Zulieferer und umfangreiche Tests. Selbst wenn der Rohstoff entfällt, entstehen zunächst Entwicklungs‑ und Skalierungskosten. Kurzfristig ist daher kein dramatischer Kostensprung nach unten zu erwarten. Mittel‑ bis langfristig kann eine diversifizierte Motorenstrategie jedoch die Volatilität verringern.

Was heißt das für Fahrzeugpreis und Lieferzeit?

Setzt man die Materialzahlen in Relation zu den USGS‑Preisen, wird der Effekt greifbar. Bei rund 440 g Neodym und einem Preis von 134 US‑Dollar pro Kilogramm im Jahr 2022 entspräche das einem Rohstoffwert von knapp 60 US‑Dollar für diesen Anteil. Selbst bei hohen Dysprosiumanteilen bleibt der reine Oxidwert pro Fahrzeug im niedrigen dreistelligen Dollarbereich.

Das zeigt: Der Rohstoff ist nicht der größte Einzelkostenblock im Auto. Kritisch ist vielmehr die Preisvolatilität und die starke Marktkonzentration. Wenn Lieferungen stocken oder Exportauflagen greifen, kann sich die Produktion verzögern. Ein E‑Auto‑Motor ohne Seltene Erden könnte hier Stabilität bringen, auch wenn der absolute Fahrzeugpreis nur moderat sinkt.

Für dich bedeutet das realistisch betrachtet eher mehr Planungssicherheit als massive Preisnachlässe. Wartungskosten unterscheiden sich kaum, da Elektromotoren generell verschleißarm sind. Entscheidend wird sein, ob alternative Motoren in großen Stückzahlen gefertigt werden können, ohne Effizienz oder Reichweite spürbar zu beeinträchtigen.

Fazit

Ein E‑Auto‑Motor ohne Seltene Erden ist kein kurzfristiger Preishebel, sondern vor allem eine strategische Option. Die aktuellen Daten zeigen, dass pro Fahrzeug einige hundert Gramm Neodym und teils relevante Mengen Dysprosium verbaut werden. Die starke Dominanz Chinas bei Förderung und Magnetproduktion erhöht das Risiko von Preisschwankungen und Lieferengpässen. Alternative Motorenkonzepte können diese Abhängigkeit reduzieren, bringen aber eigene technische und industrielle Hürden mit sich. Für deutsche Käufer ist daher mittelfristig eher mit stabileren Lieferketten als mit drastisch sinkenden Preisen zu rechnen.

Wie wichtig ist dir Rohstoffunabhängigkeit beim Autokauf? Diskutiere mit und teile den Artikel mit anderen Mobilitätsinteressierten.

In diesem Artikel

Newsletter

Die wichtigsten Tech- & Wirtschaftsthemen – 1× pro Woche.

Avatar von Artisan Baumeister

→ Weitere Artikel des Autors

Newsletter

Einmal pro Woche die wichtigsten Tech- und Wirtschafts-Takeaways.

Kurz, kuratiert, ohne Bullshit. Perfekt für den Wochenstart.

[newsletter_form]