Bidirektionales Laden mit dem E-Auto klingt nach einem einfachen Trick gegen hohe Stromkosten: Auto anschließen, Strom günstig laden und bei Bedarf wieder ins Haus oder Netz zurückspeisen. Genau das wollen Octopus Energy und Ford in Deutschland ab 2026 als Produkt anbieten. Das Modell kombiniert ausgewählte Ford-Elektroautos, eine spezielle Wallbox und einen eigenen Tarif. Dieser Artikel erklärt, was daran neu ist, wer realistisch profitieren kann und welche technischen und vertraglichen Voraussetzungen du kennen solltest.
Einleitung
Strompreise schwanken stark, vor allem wenn viele Menschen gleichzeitig Strom verbrauchen. Abends, wenn gekocht, gewaschen und geladen wird, wird es im Netz eng. Genau hier setzt bidirektionales Laden an. Dein E-Auto steht ohnehin die meiste Zeit auf dem Parkplatz. Warum also nicht die Batterie nutzen, um Strom zwischenzuspeichern und gezielt wieder abzugeben?
Octopus Energy und Ford wollen dieses Prinzip ab 2026 in Deutschland in ein marktreifes Angebot gießen. Laut Unternehmensangaben sollen bestimmte Ford-Modelle wie Capri und Explorer in Kombination mit einer bidirektionalen Wallbox und einem speziellen Tarif Teil eines Gesamtpakets sein. Versprochen werden unter anderem ein monatlicher Bonus bei ausreichender Anschlusszeit und Preisvorteile beim Laden. Doch wie funktioniert das im Alltag wirklich, und wo liegen die Grenzen?
Was Octopus und Ford konkret planen
Nach Angaben von Octopus Energy und Berichten aus der Branchenpresse soll das Angebot aus drei Bausteinen bestehen: einem V2G-fähigen Ford-Elektroauto, einer bidirektionalen Wallbox des Herstellers Ambibox und einem speziellen Octopus-Tarif. V2G steht für “Vehicle-to-Grid” und meint die Rückspeisung ins Stromnetz. Teilweise ist auch “Vehicle-to-Home” möglich, also die Versorgung des eigenen Haushalts.
Für Kundinnen und Kunden ist vor allem das Preismodell interessant. Berichtet wird von einem Bonus von 30 Euro pro Monat, wenn das Fahrzeug mindestens 300 Stunden im Monat angeschlossen ist. Das entspricht rund zehn Stunden pro Tag. Zusätzlich soll es einen Preisnachlass von 18 Cent pro Kilowattstunde auf den Haushaltsstromanteil fürs Laden geben. In einem Beispiel wird so ein effektiver Ladepreis von rund 15 Cent pro Kilowattstunde genannt.
Laut Branchenberichten stellt Octopus in Aussicht, dass sich über Bonus und Preisnachlass rechnerisch bis zu 2.400 Kilowattstunden pro Jahr kompensieren lassen.
Rein mathematisch entspricht das bei einem Verbrauch von 15 Kilowattstunden pro 100 Kilometer einer Fahrleistung von etwa 16.000 Kilometern pro Jahr. Diese Werte stammen aus Beispielrechnungen in der Berichterstattung. Ob sie im eigenen Alltag erreichbar sind, hängt stark vom Fahrprofil und der tatsächlichen Anschlusszeit ab.
| Merkmal | Beschreibung | Wert |
|---|---|---|
| Monatlicher Bonus | Bei mindestens 300 Stunden Anschlusszeit pro Monat | 30 Euro |
| Preisnachlass Laden | Rabatt auf Haushaltsstrom fürs Laden | 18 Cent pro kWh |
| Theoretische Kompensation | Beispielrechnung laut Berichten | bis zu 2.400 kWh pro Jahr |
Wie bidirektionales Laden technisch funktioniert
Beim bidirektionalen Laden fließt Strom nicht nur vom Netz ins Auto, sondern auch zurück. Dafür müssen Fahrzeug, Wallbox und Stromanbieter miteinander kommunizieren. Das Auto braucht eine geeignete Leistungselektronik, die Energie aus der Batterie ins Hausnetz oder ins öffentliche Netz zurückwandeln kann. Die Wallbox steuert den Energiefluss und misst, wie viel Strom geladen oder abgegeben wird.
Im Hintergrund läuft eine Software, die entscheidet, wann geladen und wann entladen wird. Octopus spricht davon, günstige oder besonders CO2-arme Zeiten zum Laden zu nutzen und Strom bei hoher Nachfrage wieder einzuspeisen. Für dich als Nutzerin oder Nutzer soll das automatisiert ablaufen. Du kannst laut Berichten aber auch sofort mit bis zu 11 Kilowatt laden, wenn du es brauchst.
Damit das abrechnungstechnisch funktioniert, müssen die Energiemengen genau erfasst werden. Hier spielen zertifizierte Zähler und die Abstimmung mit dem Netzbetreiber eine Rolle. Details zu den genauen Abrechnungsprozessen oder zur Firmware der Wallbox wurden in öffentlichen Mitteilungen bislang nicht vollständig offengelegt. Das ist technisch lösbar, aber für die praktische Umsetzung entscheidend.
Für wen sich das Modell lohnen kann
Profitieren dürften vor allem Haushalte, die ihr Auto regelmäßig und lange zuhause angeschlossen haben. Die Hürde von 300 Stunden pro Monat ist hoch, wenn du viel öffentlich lädst oder dein Auto tagsüber unterwegs ist. Wer im Homeoffice arbeitet oder das Fahrzeug nachts und am Wochenende an der eigenen Wallbox hat, kommt eher in diesen Bereich.
Besonders spannend wird das Modell in Kombination mit einer Photovoltaikanlage. Eigener Solarstrom kann ins Auto geladen werden, und bei Bedarf speist das Auto Energie zurück ins Haus. So lässt sich der Eigenverbrauch erhöhen. In Verbindung mit dynamischen Stromtarifen kann das System zusätzlich auf Preisschwankungen reagieren.
Rein rechnerisch wirken 30 Euro im Monat und ein deutlicher Preisnachlass pro Kilowattstunde attraktiv. Doch entscheidend ist dein tatsächlicher Strombedarf fürs Laden. Wer im Jahr nur wenige tausend Kilometer fährt, schöpft das Potenzial kaum aus. Wer 15.000 Kilometer oder mehr fährt und das Auto oft angeschlossen hat, kommt der Beispielrechnung deutlich näher.
Voraussetzungen, Grenzen und offene Fragen
Das Angebot setzt ein kompatibles Ford-Modell voraus. Nach bisherigen Angaben sind das bestimmte Varianten von Capri und Explorer ab Modelljahr 2026. Hinzu kommt eine bidirektionale Wallbox von Ambibox. Diese muss installiert und beim Netzbetreiber angemeldet werden. Je nach Region können zusätzliche Vorgaben gelten, etwa zur maximalen Einspeiseleistung.
Ein weiterer Punkt ist die Batteriealterung. Jede zusätzliche Lade- und Entladebewegung erhöht den Energieumsatz der Batterie. Ford betont laut Berichten, dass die Fahrzeuge entsprechend getestet wurden. Konkrete Angaben zu Garantiebedingungen im Zusammenhang mit V2G wurden öffentlich jedoch nicht detailliert erläutert. Hier lohnt sich ein Blick in die Vertragsunterlagen.
Schließlich bleibt die Frage der Skalierung. Für das Stromnetz kann es hilfreich sein, wenn viele kleine Speicher flexibel reagieren. Damit das zuverlässig klappt, müssen Steuerung, Abrechnung und Netzkommunikation stabil funktionieren. Der geplante Marktstart im Sommer 2026 wird zeigen, wie reibungslos sich das Modell im Alltag bewährt.
Fazit
Bidirektionales Laden rückt mit der Kooperation von Octopus und Ford ein Stück näher an den Alltag. Das Konzept ist klar: Auto als Heimspeicher und Netzpuffer nutzen, dafür Bonus und Preisnachlass erhalten. Die genannten Beispielwerte mit 30 Euro pro Monat und bis zu 2.400 Kilowattstunden pro Jahr zeigen, welches Potenzial möglich ist. Ob sich das für dich rechnet, hängt von Anschlusszeit, Fahrleistung und technischer Ausstattung ab. Wer viel zuhause lädt und sein Fahrzeug regelmäßig angeschlossen hat, kann von dem Modell profitieren. Für Gelegenheitsfahrer mit wenig Standzeit am eigenen Haus fällt der Effekt deutlich kleiner aus.





