Batteriespeicher-Tolling: Was es für Strompreise bedeutet

Batteriespeicher-Tolling beschreibt Verträge, bei denen ein Investor einen Stromspeicher baut und ein Energieversorger oder Händler feste Nutzungsrechte gegen eine planbare Vergütung erhält. Für dich als Stromkundin oder Stromkunde klingt das weit weg vom Alltag. Doch genau diese Vertragsform entscheidet mit darüber, wie viele Speicher gebaut werden, wie stark Preisspitzen an der Börse ausfallen und wie stabil das Netz läuft. Der Artikel erklärt verständlich, wie ein Tolling Vertrag Stromspeicher Finanzierung erleichtert – und warum das indirekt Strompreise senken Risiko kann.

Einleitung

Wenn der Strompreis an der Börse stark schwankt, spürst du das oft zeitversetzt auf deiner Rechnung. Hohe Preisspitzen schlagen über Beschaffungskosten und Netzentgelte durch, besonders in Phasen mit viel Wind- und Solarstrom. Gleichzeitig braucht das Stromsystem mehr Flexibilität, damit Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht bleiben. Genau hier kommen große Batteriespeicher ins Spiel.

Doch solche Speicher kosten Millionenbeträge. Ohne verlässliche Einnahmen bekommen Projekte oft keine Finanzierung. Laut einer Analyse der Kanzlei Orrick aus dem Jahr 2024 werden deshalb zunehmend sogenannte Tolling-Verträge genutzt, um Einnahmen planbarer zu machen. Auch Fachliteratur wie eine Studie auf ScienceDirect aus 2022 beschreibt, dass solche Vertragsmodelle das Marktrisiko verringern und Investitionen erleichtern. Die Frage ist: Führt das am Ende zu stabileren oder sogar niedrigeren Strompreisen?

Was Batteriespeicher-Tolling konkret bedeutet

Beim Batteriespeicher-Tolling baut und betreibt ein Unternehmen den Speicher. Ein Energieversorger, Händler oder großer Stromabnehmer erhält gegen eine feste Vergütung das Recht, den Speicher zu steuern oder wirtschaftlich zu nutzen. Vereinfacht gesagt: Der Speicher gehört dem Investor, aber ein anderer Akteur entscheidet, wann geladen oder entladen wird.

In der Praxis gibt es unterschiedliche Varianten. Häufig zahlt der sogenannte Offtaker eine feste Kapazitätsgebühr pro Megawatt Leistung. Dafür verpflichtet sich der Betreiber, den Speicher verfügbar zu halten. In anderen Modellen wird zusätzlich ein Teil der Markterlöse geteilt. Die juristische Ausgestaltung mit Verfügbarkeitszusagen und möglichen Vertragsstrafen beschreibt Orrick in seinem „Energy Storage Update and Outlook 2024“ sehr detailliert.

Ziel solcher Verträge ist es, die schwankenden Markterlöse in kalkulierbare Zahlungsströme zu übersetzen.

Wichtig ist: Tolling selbst erzeugt keinen Strom und senkt keine Preise direkt. Es ist eine Vertragsform. Ihre Wirkung entsteht indirekt, weil sie darüber entscheidet, ob ein Speicherprojekt finanziert und gebaut wird.

Vereinfachter Vergleich: Merchant-Modell vs. Tolling
Merkmal Merchant-Modell Tolling-Vertrag
Einnahmen Voll vom Marktpreis abhängig Feste Gebühr, teils mit Erlösbeteiligung
Risiko Liegt überwiegend beim Betreiber Teilweise auf Offtaker verlagert
Finanzierbarkeit Schwierig bei stark schwankenden Preisen Besser planbar für Banken

Warum Investoren solche Verträge brauchen

Ein großer Batteriespeicher mit mehreren hundert Megawattstunden Kapazität kostet schnell einen dreistelligen Millionenbetrag. Die Erlöse entstehen vor allem durch Arbitrage. Das bedeutet, Strom wird bei niedrigen Preisen geladen und bei hohen Preisen wieder verkauft. Diese Preisdifferenzen schwanken stark.

Die Studie „Storage power purchase agreements to enable the deployment of energy storage“ aus 2022 kommt zu dem Ergebnis, dass vertragliche Absicherungen wie PPAs oder tolling-ähnliche Modelle Investitionen erleichtern, weil sie das Erlösrisiko senken. Banken vergeben Kredite eher, wenn ein Teil der Einnahmen über mehrere Jahre fest vereinbart ist.

Auch die deutsche Stromspeicher-Strategie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz von 2023 betont die wachsende Rolle von Speichern für ein erneuerbares Energiesystem. Mehr Speicher gelten dort als Voraussetzung für Versorgungssicherheit bei steigendem Anteil von Wind- und Solarenergie. Wenn Tolling-Verträge dazu beitragen, dass Projekte realisiert werden, wirken sie indirekt als Beschleuniger für diesen Ausbau.

Wie Speicher auf Strompreise und Netzentgelte wirken

Mehr Batteriespeicher verändern das Marktgeschehen. Wenn bei viel Wind und Sonne zu viel Strom im Netz ist, laden Speicher und verhindern extrem niedrige oder sogar negative Preise. In Zeiten knapper Erzeugung speisen sie wieder ein. Dadurch werden Preisspitzen gedämpft.

Sinkende Preisspitzen bedeuten nicht automatisch dauerhaft niedrige Strompreise. Aber starke Ausschläge nach oben können abgeschwächt werden. Für Energieversorger reduziert das Beschaffungsrisiken. Für Industrieunternehmen mit flexiblem Verbrauch kann es die Planbarkeit erhöhen.

Zusätzlich stabilisieren Speicher das Netz, indem sie kurzfristige Schwankungen ausgleichen. Wenn weniger teure Reservekraftwerke vorgehalten werden müssen, kann das langfristig Kosten im System senken. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt von Regulierung, Netzausbau und Marktregeln ab. Tolling selbst legt nur fest, wer das Marktrisiko trägt. Die preisliche Wirkung entsteht durch die tatsächliche Nutzung der Speicher im Strommarkt.

Was das für Stadtwerke, Unternehmen und Haushalte heißt

Für Stadtwerke kann ein Tolling-Vertrag ein Instrument sein, um sich flexible Kapazität zu sichern, ohne selbst einen Speicher zu bauen. Sie zahlen eine feste Gebühr und erhalten Zugriff auf die Leistung. Das verschiebt Risiken, schafft aber auch Verpflichtungen über mehrere Jahre.

Große Industrieunternehmen nutzen ähnliche Modelle, um ihre Strombeschaffung abzusichern. Für Haushalte wirkt sich das nur indirekt aus. Wenn mehr Speicher im System sind und Preisspitzen gedämpft werden, kann das die Großhandelspreise stabilisieren. Diese fließen über Lieferverträge und Tarife in die Endkundenpreise ein.

Entscheidend ist die Gesamtentwicklung. Laut Branchenberichten wie dem Beitrag von pv magazine aus 2025 wurden in Deutschland erste tolled BESS-Projekte erfolgreich finanziert. Das zeigt, dass sich das Modell am Markt etabliert. Ob daraus spürbar niedrigere Stromrechnungen entstehen, hängt jedoch von vielen Faktoren ab, darunter Netzentgelte, Steuern und Umlagen.

Fazit

Batteriespeicher-Tolling ist kein Zauberinstrument zur direkten Senkung deiner Stromrechnung. Es ist ein Vertragsmechanismus, der Investoren stabile Einnahmen verschafft und damit den Bau von Speichern wahrscheinlicher macht. Mehr Speicher können Preisspitzen glätten und das Netz stabilisieren. Das reduziert Risiken im System und kann sich dämpfend auf Großhandelspreise auswirken. Wie stark dieser Effekt bei dir ankommt, hängt von Marktregeln und Tarifgestaltung ab. Klar ist: Ohne tragfähige Finanzierungsmodelle wird der notwendige Speicherausbau kaum stattfinden.

Wie schätzt du die Rolle großer Batteriespeicher ein? Diskutiere mit und teile den Artikel, wenn dir transparente Energiepolitik wichtig ist.

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