Batteriespeicher: Neue US-FEOC-Regeln könnten sie verteuern

Ein verständlicher Blick auf neue Herkunfts- und Kontrollvorgaben aus den USA und mögliche Folgen für Speicherpreise in Deutschland.

Die US-Regeln zu „Foreign Entities of Concern“ (FEOC) zielen darauf, bestimmte Herkunfts-, Eigentums- und Kontrollbeziehungen in Batterie-Lieferketten auszuschließen. Auch wenn sie in den offiziellen Texten vor allem im Umfeld des US-Steuerbonus für Elektroautos verankert sind, können die FEOC-Regeln über gemeinsame Zell- und Materialströme auf Batteriespeicher wirken. Dieser Artikel erklärt, was genau geprüft wird, welche Komponenten besonders betroffen sein können und warum Projektierer weltweit vorsichtiger planen. Mit Germany Angle: Woran du mögliche Effekte bei Netz-, Heim- und Gewerbespeichern erkennen könntest.

Einleitung

Du willst einen Heimspeicher nachrüsten, ein Gewerbeprojekt kalkulieren oder liest von neuen Großspeichern fürs Stromnetz und fragst dich, warum Angebote plötzlich mehr Nachweise verlangen oder Lieferzeiten „unter Vorbehalt“ stehen? Ein Teil der Antwort kann aus den USA kommen: Dort werden Batterie-Lieferketten durch neue Vorgaben stärker nach Herkunft und Kontrolle sortiert.

Im Zentrum steht der Begriff „Foreign Entity of Concern“ (FEOC). Dahinter steckt keine neue Zellchemie, sondern eine Compliance-Frage: Wer hat eine Firma unter Kontrolle, wo findet ein Fertigungsschritt statt, und welche Vertragsrechte steuern am Ende die Produktion? Für Unternehmen bedeutet das zusätzliche Prüf- und Dokumentationsarbeit. Für Märkte kann es heißen, dass bestimmte Lieferketten weniger flexibel nutzbar sind, bis Alternativen aufgebaut und vertraglich sauber abgesichert sind.

Wichtig ist die Einordnung: Die maßgeblichen US-Texte betreffen konkret Vorgaben im Umfeld des „Clean Vehicle Credit“ (Steuergutschrift für neue saubere Fahrzeuge) und definieren Zeitpunkte und Ausschlüsse für Batteriekomponenten sowie kritische Mineralien. Trotzdem können sich die Effekte in andere Segmente durchziehen, weil viele Zellfabriken, Vorprodukte und Qualitätsstandards für E-Autos und stationäre Batteriespeicher gemeinsam genutzt werden.

Was die FEOC-Regeln technisch verlangen

Die US-Regeln bauen auf einer klaren Idee auf: Bestimmte Batterien sollen nicht förderfähig sein, wenn zentrale Teile der Batterie-Lieferkette von einem „Foreign Entity of Concern“ geprägt sind. In den US-Finalregeln von Treasury/IRS wird dazu ein Ausschlussmechanismus beschrieben, der an festen Stichtagen greift: Für Fahrzeuge gilt ein Ausschluss, wenn Batteriekomponenten von einem FEOC hergestellt oder montiert wurden (für Fahrzeuge, die nach dem 31.12.2023 in Betrieb genommen werden), und ein weiterer Ausschluss für kritische Mineralien, die von einem FEOC gewonnen, verarbeitet oder recycelt wurden (für Fahrzeuge nach dem 31.12.2024).

Die technische Schlüsselfrage lautet damit nicht nur „aus welchem Land kommt das Produkt?“, sondern: Welche juristische Einheit und welcher Standort haben den relevanten Schritt tatsächlich ausgeführt, und wer kontrolliert diese Einheit? Das US-Energieministerium (DOE) liefert dazu 2024 eine Auslegung, die vor allem drei Prüfpfade verständlich macht: Jurisdiktion (wo ist eine Einheit verankert oder wo findet die Produktion statt), Kontrolle (ab wann gilt Einfluss als beherrschend) und „effective control“ über Verträge.

Die DOE-Auslegung arbeitet mit einer administrierbaren, harten Schwelle: Erreicht staatlicher Einfluss aus bestimmten Ländern 25 % oder mehr (je nach Messgröße), kann eine Einheit als FEOC gelten.

Für die Praxis ist wichtig, dass „Kontrolle“ nicht nur über Aktienmehrheiten gedacht wird. In der DOE-Leitlinie werden unter anderem 25 % als Schwelle genannt, jeweils separat betrachtet für Stimmrechte, Eigenkapitalanteile oder Board-Sitze. Zusätzlich können Verträge und Lizenzen eine Art „effektive Kontrolle“ über Produktionsmengen, Zeitpläne oder die Nutzung von Outputs vermitteln. Das ist der Punkt, an dem auch Lieferverträge und Joint-Venture-Strukturen plötzlich in den Mittelpunkt rücken.

FEOC-Kernlogik: Worauf es in der Prüfung typischerweise ankommt
Merkmal Beschreibung Wert
Stichtag Batteriekomponenten Ausschluss, wenn Batteriekomponenten von einem FEOC gefertigt oder montiert wurden (bezogen auf Inbetriebnahme des Fahrzeugs). nach 31.12.2023
Stichtag kritische Mineralien Ausschluss, wenn „applicable critical minerals“ von einem FEOC gewonnen, verarbeitet oder recycelt wurden. nach 31.12.2024
Kontroll-Schwelle Staatlicher Einfluss kann über Stimmrechte, Eigenkapital oder Board-Sitze bewertet werden. jeweils 25 %
„Covered nations“ Die FEOC-Auslegung bezieht sich auf eine fest definierte Ländergruppe in den US-Querverweisen. u. a. VR China, Russland, Nordkorea, Iran
Vertragliche „effective control“ Auch Vertragsrechte können eine Einstufung beeinflussen, wenn sie Produktionsentscheidungen faktisch steuern. Prüfung von Vertragsrechten

Welche Teile der Lieferkette ins Risiko rutschen

Für stationäre Batteriespeicher gilt zuerst eine nüchterne Feststellung: Die zitierten US-Finalregeln (Treasury/IRS) sind explizit im Kontext des US-Steuerbonus für Neufahrzeuge formuliert. Trotzdem können sie auf Speicherprojekte ausstrahlen, weil Hersteller ihre Lieferketten oft nicht für jedes Endprodukt komplett separat aufbauen. Eine Zelle, die für einen US-förderfähigen Fahrzeugakku qualifiziert wird, ist für Anbieter oft auch ein „Premium“-Baustein für stationäre Systeme. Umgekehrt kann ein Zell- oder Materialfluss, der für die US-Anforderungen nicht mehr passt, in andere Märkte umgelenkt werden.

Welche Stellen in der Kette sind dabei praktisch relevant? Bei Batteriespeichern lässt sich grob in fünf Ebenen denken: (1) Rohstoffe und deren Verarbeitung, (2) aktive Materialien (z. B. für Anode und Kathode), (3) die Zellfertigung, (4) Modul- und Packmontage, (5) das Gesamtsystem mit Leistungselektronik, Batteriemanagement und Sicherheitskonzept. Die FEOC-Logik greift je nach Regeltext an unterschiedlichen Punkten: Einmal bei „battery components“, also Komponenten, die im Batteriepaket stecken und deren Herstellung oder Montage eine Rolle spielt. Und einmal bei „applicable critical minerals“, bei denen es um Gewinnung, Verarbeitung oder Recycling geht.

Das klingt abstrakt, wird aber konkret, sobald du es als Prüfprozess siehst. Ein typisches Projekt (ob Netzspeicher oder Gewerbespeicher) muss ohnehin technische Datenblätter, Zertifikate, Garantien und Lieferpläne sammeln. Unter FEOC-Logik kommt eine zweite Dokumentationsschicht dazu: Wer ist die rechtliche Einheit hinter dem Werk, in dem ein Schritt stattfindet? In welcher Jurisdiktion liegen Sitz und maßgebliche Aktivitäten? Und wie sieht die Eigentümer- und Kontrollstruktur aus, inklusive möglicher indirekter Beteiligungen?

Der zweite „Risk-Trigger“ sind Verträge. Die DOE-Auslegung macht deutlich, dass es nicht nur um Pass- oder Firmenregisterdaten geht, sondern auch um faktische Steuerungsrechte. Das betrifft in der Praxis Dinge wie Exklusivitätsrechte, Abnahme- und Weisungsrechte, Vorgaben zu Output-Mengen oder detaillierte Eingriffsrechte in den Produktionsbetrieb. Für Projektierer und Hersteller entsteht dadurch ein ganz neues Feld: Lieferkette ist nicht nur Logistik, sondern auch Vertragsarchitektur.

So reagieren Hersteller und Projektierer

Wenn Regeln in einem großen Absatzmarkt strenger werden, ist die erste Reaktion selten ein kompletter Neustart. Häufiger ist ein pragmatisches Paket aus Nachweisen, Vertragsänderungen und einer schrittweisen Umstellung. Genau hier liegt der Mechanismus, der Batteriespeicher indirekt verteuern kann: Nicht weil die Chemie plötzlich komplizierter wird, sondern weil Unsicherheit und Prüfaufwand in die Kalkulation wandern und weil sich Beschaffung auf „sauber dokumentierbare“ Lieferketten konzentriert.

In der Praxis sind drei Arten von Maßnahmen naheliegend:

  • Nachweis- und Auditketten: Zusätzliche Selbstauskünfte von Zulieferern zu Sitz, Produktionsstandorten und Kontrollstrukturen. Für große Projekte können Auditrechte und regelmäßige Re-Attestierungen (z. B. jährlich oder bei Eigentümerwechsel) gefordert werden.
  • Vertragsklauseln zur FEOC-Risikoabgrenzung: Beispielsweise Zusicherungen („Representations and Warranties“) zur Nicht-Qualifikation als FEOC, Mitteilungspflichten bei Strukturänderungen, sowie Abhilferechte (Ersatzlieferung, Re-Sourcing, Preisanpassungsmechanismen) falls sich eine Einstufung ändert oder eine Behörde die Auslegung verschärft.
  • Portfolio- und Zeitplan-Management: Hersteller können bestimmte Zelllinien oder Materialrouten priorisieren, um in den USA förderfähig zu bleiben. Für Projekte außerhalb der USA kann das heißen: mehr Nachfrage nach den „US-kompatiblen“ Komponenten oder ein Ausweichen auf alternative Konfigurationen, falls die bevorzugte Linie ausgelastet ist.

Für Speicherprojekte ist außerdem der Zeitfaktor entscheidend. Die Stichtage in den US-Finalregeln sind hart. Unternehmen, die Lieferketten ohnehin umstellen wollen, planen solche Umstellungen entlang von Produktionsanläufen, Rezertifizierungen und Vertragslaufzeiten. Das kann die Verfügbarkeit bestimmter Konfigurationen in Wellen verändern, statt gleichmäßig. Für Projektierer bedeutet das: Angebotsgültigkeiten werden kürzer, „subject to compliance“-Formulierungen nehmen zu, und technische Alternativen (z. B. unterschiedliche Zellformate oder Integrationspartner) werden früher im Projekt geprüft.

Wichtig: Nicht jede zusätzliche Prüfpflicht führt automatisch zu höheren Preisen. Manche Kosten sind Einmalaufwand (Systeme für Lieferkettendaten, Vertragsstandardisierung), manche senken sogar Risiken (bessere Rückverfolgbarkeit, weniger Streitfälle). Teuer wird es vor allem dann, wenn Projekte wegen unklarer Nachweise warten müssen oder wenn ein Anbieter nur noch einen kleineren Pool an lieferfähigen Komponenten hat und damit weniger Wettbewerb entsteht.

Germany Angle: Was sich in Deutschland verändern kann

Deutschland baut Batteriespeicher parallel an mehreren Stellen aus: im Hauskeller, in Gewerbebetrieben und als große Anlagen fürs Stromnetz. Die „Electricity Storage Strategy“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) bündelt dafür Beobachtungen, Hürden und Maßnahmen. Ein Teil der dort genannten Zahlen und Einordnungen stammt aus 2023 und ist damit älter als zwei Jahre. Als Trendbild bleibt es trotzdem hilfreich: Speicher werden als zentraler Baustein für ein Stromsystem mit hohem Anteil erneuerbarer Energien beschrieben, und es wird an Regelfragen gearbeitet, die Anschluss und Betrieb erleichtern sollen.

Wie kann nun ein US-Regelwerk, das formal auf den Fahrzeugsteuerbonus zielt, in Deutschland „ankommen“? Vor allem über zwei Kanäle:

  • Globaler Wettbewerb um dokumentierbare Lieferketten: Wenn Hersteller bestimmte Zell- oder Materialrouten so aufsetzen, dass sie US-Anforderungen erfüllen, können diese Varianten international begehrter werden. Das kann die Verfügbarkeit für europäische Speicherprojekte beeinflussen, besonders bei großen Mengen für Netzspeicher.
  • Risikopreise durch Unsicherheit: Wenn Lieferanten nicht sicher zusagen können, wie eine Lieferkette nach FEOC-Definition bewertet wird, wird das Risiko vertraglich eingepreist oder über Bedingungen abgesichert. Das kann sich als Aufschlag, als strengere Zahlungspläne oder als längere Reservierungsfristen bemerkbar machen.

„Woran du es merken“ könntest, ohne selbst Compliance-Spezialist zu sein:

  • In Angeboten tauchen neue Fragen auf, die nichts mit Leistung (kW) oder Kapazität (kWh) zu tun haben, sondern mit Herkunft, Produktionsstandorten und Eigentümerstrukturen von Zulieferern.
  • Lieferzeiten werden öfter an Bedingungen geknüpft (z. B. Nachweisunterlagen bis zu einem bestimmten Meilenstein).
  • Projektverträge enthalten häufiger Klauseln, die einen Zell- oder Lieferantenwechsel erlauben, falls sich rechtliche Bewertungen ändern.
  • Du siehst stärkere Spreizung zwischen „sofort lieferbaren“ Systemen und Varianten, die erst nach zusätzlicher Dokumentation freigegeben werden.

Und der indirekte Bezug zu Netzentgelten und Strompreisen? Hier ist Vorsicht wichtig: Der BMWK-Text beschreibt Speicher als Baustein für Systemeffizienz und Integration erneuerbarer Energien, aber er gibt keine einfache Formel „mehr Speicher = x % weniger Strompreis“ vor. Was man seriös sagen kann: Wenn Großspeicher-Projekte teurer werden oder sich verzögern, kann das die Geschwindigkeit beeinflussen, mit der Flexibilität ins System kommt. Wie stark sich das in Preisen niederschlägt, hängt in Deutschland von vielen Faktoren ab, unter anderem Netzausbau, Marktdesign, Anschlussprozessen und der konkreten Nutzung der Speicher (Netzdienlichkeit vs. reine Preisarbitrage).

Fazit

Die FEOC-Regeln sind vor allem ein Regelwerk über Kontrolle, Jurisdiktion und Vertragsmacht in Batterie-Lieferketten. Treasury/IRS setzen dafür feste Stichtage im Kontext des US-Steuerbonus für Neufahrzeuge, und das DOE präzisiert, wie „FEOC“ praktisch ausgelegt werden kann, einschließlich einer 25 %-Schwelle und der Rolle von Vertragsrechten. Für Batteriespeicher ist der Effekt meist indirekt, aber potenziell spürbar: Sobald Hersteller und Zulieferer Lieferketten nach US-Kriterien neu dokumentieren oder umstellen, ändern sich Verfügbarkeiten, Risikozuschläge und Vertragslogik auch außerhalb der USA. In Deutschland kann das vor allem bei großen Projekten und in Phasen hoher Nachfrage sichtbar werden, etwa durch strengere Angebotsbedingungen oder längere Planungs- und Beschaffungsprozesse. Entscheidend ist, die Mechanik zu verstehen und in Projekten früh zu prüfen, welche Nachweise realistisch beschaffbar sind.

Welche Nachweise würdest du als Kunde oder Projektierer akzeptieren, ohne dass Projekte unnötig blockiert werden? Teile deine Einschätzung und Erfahrungen.

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