Batteriespeicher-Deals in Deutschland: Was Tolling wirklich bringt

Große Batteriespeicher entstehen in Deutschland zunehmend mit internationalen Partnern und neuen Vertragsmodellen. Besonders auffällig sind sogenannte Tolling-Verträge, bei denen feste Erlöse statt schwankender Marktgewinne im Vordergrund stehen. Dieser Artikel erklärt verständlich, wie solche Modelle im Kontext von Batteriespeicher Deutschland funktionieren, warum sie Investoren anziehen und welche Folgen sie für Strompreise, Netzentgelte und Versorgungssicherheit haben. Der Fokus liegt auf belegbaren Entwicklungen aus den Jahren 2024 und 2025, ohne Unternehmens-PR oder unbelegte Erwartungen.

Einleitung

Strom aus Wind und Sonne ist günstig, aber nicht immer verfügbar. Viele Menschen merken das indirekt über schwankende Strompreise oder Diskussionen um Netzausbau und Versorgungssicherheit. Genau an diesem Punkt rücken große Batteriespeicher in den Fokus, weil sie Strom zwischenspeichern und gezielt wieder abgeben können.

In Deutschland entstehen seit 2024 vermehrt große Speicherprojekte, an denen internationale Investoren beteiligt sind. Auffällig ist dabei, dass diese Projekte oft nicht mehr rein auf eigene Marktgewinne setzen. Stattdessen werden Batteriespeicher über sogenannte Tolling-Verträge vermarktet. Dabei übernimmt ein externer Partner die Nutzung des Speichers gegen eine feste Vergütung.

Für Außenstehende klingt das zunächst abstrakt. Doch dieses Modell hat direkte Auswirkungen auf Finanzierung, Strommärkte und langfristig auch auf die Stabilität des Energiesystems. Um das einzuordnen, hilft ein Blick auf konkrete Projekte und auf die Mechanik hinter einem Tolling Vertrag Batteriespeicher.

Warum Tolling bei Batteriespeichern an Bedeutung gewinnt

Große Batteriespeicher können auf Strommärkten Geld verdienen, indem sie günstig Strom einkaufen und später teurer verkaufen. Diese sogenannten Erlöse mit Stromspeichern hängen jedoch stark von Marktpreisen, Handelsmöglichkeiten und technischen Grenzen ab. Für Banken und langfristige Investoren ist das ein Risiko.

Laut einer Analyse von Fraunhofer SCAI und RIVACON aus dem Jahr 2025 schwanken die erzielbaren Tagesgewinne stark, selbst bei optimierter Vermarktung im Day-Ahead- und Intraday-Handel. Diese Unsicherheit erschwert die Finanzierung über Kredite erheblich.

Fest kalkulierbare Einnahmen senken das Finanzierungsrisiko deutlich und machen Batteriespeicher für institutionelle Investoren zugänglich.

Ein greifbares Beispiel ist ein Speicherprojekt in Stendal. Dort wurde 2025 ein Batteriespeicher mit 104,5 MW Leistung und 209 MWh Kapazität über einen siebenjährigen Tolling- beziehungsweise Flexibilitätsvertrag finanziert. Die Projektfinanzierung lag laut Branchenberichten bei rund 86,5 Mio. Euro. Dieses Modell gilt als eines der ersten seiner Art in Deutschland.

Beispielhafte Eckdaten eines tolled Batteriespeicherprojekts
Merkmal Beschreibung Wert
Standort Großbatteriespeicher in Deutschland Stendal
Leistung und Kapazität Maximale Abgabe und Speichermenge 104,5 MW / 209 MWh
Vertragslaufzeit Dauer des Tolling-Vertrags 7 Jahre
Investitionsvolumen Projektfinanzierung laut Bericht 86,5 Mio. Euro

Was ein Tolling-Vertrag technisch und wirtschaftlich regelt

Ein Tolling-Vertrag bedeutet vereinfacht, dass der Betreiber eines Batteriespeichers seine Anlage gegen eine feste Vergütung einem Partner zur Verfügung stellt. Dieser Partner entscheidet, wann der Speicher geladen oder entladen wird, und trägt dafür das Marktrisiko.

Technisch ist das anspruchsvoll. Studien von Fraunhofer SCAI zeigen, dass Faktoren wie Ladeverluste, begrenzte Zyklen pro Jahr und Reaktionszeiten der Steuerung großen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit haben. Diese Punkte müssen im Vertrag klar geregelt sein, um spätere Konflikte zu vermeiden.

Wirtschaftlich ähnelt das Modell einem Mietvertrag. Der Speicher erhält planbare Einnahmen, während der Vermarkter versucht, durch geschickten Handel höhere Erlöse zu erzielen. Für den Speicherinvestor sinkt damit das Risiko, aber auch die Chance auf außergewöhnlich hohe Gewinne.

Besonders wichtig sind laut den analysierten Verträgen klare Regeln zu Abnutzung und Garantien. Wird ein Speicher häufiger genutzt als vorgesehen, kann das seine Lebensdauer verkürzen. Deshalb legen viele Tolling-Verträge Obergrenzen für Ladezyklen fest, die sich an Herstellergarantien orientieren.

Auswirkungen auf Strompreise, Netze und Versorgungssicherheit

Für Verbraucher stellt sich die Frage, ob solche Batteriespeicher-Deals die Strompreise senken. Eine direkte, kurzfristige Wirkung ist laut verfügbaren Analysen nicht zu erwarten. Großspeicher wirken eher stabilisierend, indem sie Preisspitzen abfedern und sehr niedrige Preise nutzbar machen.

Netzseitig können Batteriespeicher helfen, Engpässe zu reduzieren. Wenn Strom lokal gespeichert und später wieder eingespeist wird, entlastet das Übertragungsnetze. Studien aus dem Umfeld von Fraunhofer zeigen jedoch, dass dieser Effekt stark vom Standort und von der Betriebsweise abhängt.

Für die Versorgungssicherheit sind Tolling-Modelle interessant, weil sie den Bau von Speichern beschleunigen können. Durch feste Erlöse lassen sich Projekte schneller finanzieren. Das erhöht die verfügbare Flexibilität im Stromsystem, besonders bei wachsendem Anteil erneuerbarer Energien.

Gleichzeitig bleibt der Einfluss begrenzt. Batteriespeicher ersetzen keine Kraftwerke mit langer Laufzeit. Sie überbrücken Stunden, nicht Tage oder Wochen. Das gilt auch für große Anlagen im Bereich von mehreren hundert Megawattstunden.

Chancen und Grenzen aus Sicht des Energiesystems

Tolling-Verträge können den Ausbau von Batteriespeichern in Deutschland deutlich beschleunigen. Internationale Investoren erhalten Planungssicherheit, während Vermarkter ihr Know-how im Stromhandel einbringen. Diese Arbeitsteilung gilt als einer der Hauptgründe für den aktuellen Deal-Cluster.

Grenzen zeigen sich dort, wo Marktregeln oder Netzentgelte sich ändern. Fachanalysen weisen darauf hin, dass Erlösmodelle stark von Handelsmöglichkeiten und Produktgrößen abhängen. Änderungen wie kürzere Handelsintervalle können Chancen eröffnen, aber auch bestehende Kalkulationen entwerten.

Aus Systemperspektive sind Tolling-Modelle kein Allheilmittel. Sie schaffen Anreize für Investitionen, lösen aber nicht automatisch Probleme wie langfristige Dunkelflauten oder den Bedarf an saisonaler Speicherung. Hier bleiben andere Technologien notwendig.

Trotzdem zeigen die bisherigen Projekte, dass Batteriespeicher mit klaren Vertragsstrukturen ein fester Baustein der Energieinfrastruktur werden können. Ihr Nutzen liegt weniger im einzelnen Deal, sondern im Zusammenspiel vieler Anlagen im Netz.

Fazit

Batteriespeicher-Deals mit Tolling-Verträgen verändern den Markt in Deutschland spürbar. Sie verschieben Risiken vom Investor zum Vermarkter und machen große Speicherprojekte besser finanzierbar. Für das Stromsystem bedeutet das mehr Flexibilität und eine höhere Bereitschaft, in neue Infrastruktur zu investieren.

Die Auswirkungen auf Strompreise und Netzentgelte bleiben jedoch indirekt und langfristig. Große Batteriespeicher können Preisspitzen glätten und Netze entlasten, ersetzen aber keine grundlastfähigen oder saisonalen Lösungen. Ihre Stärke liegt im kurzfristigen Ausgleich.

Wer über Erlöse mit Stromspeichern spricht, sollte deshalb zwischen stabilen, vertraglich gesicherten Einnahmen und risikoreichen Marktchancen unterscheiden. Tolling ist kein Gewinnversprechen, sondern ein Werkzeug zur Risikosteuerung im Energiesystem.

Wie siehst du die Rolle großer Batteriespeicher für die Energiewende in Deutschland? Diskutiere mit und teile den Artikel.

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