BalWin2 Ibbenbüren: Netzentgelte rauf – wird Strom sicherer?

BalWin2 Ibbenbüren ist eine geplante 2-Gigawatt-HGÜ-Verbindung für Offshore-Windstrom. Solche Projekte tauchen nicht direkt auf deiner Stromrechnung auf, wirken aber über die Netzentgelte. Der Netzentwicklungsplan 2035 führt BalWin2 als 2.000-Megawatt-Gleichstromanbindung mit geplanter Inbetriebnahme um 2030. Dieser Artikel zeigt, welche Kostenbestandteile typischerweise in Netzentgelte fließen, was die Technik für die Versorgungssicherheit bedeutet und was in Ibbenbüren konkret passiert.

Einleitung

Wenn über neue Stromleitungen gestritten wird, geht es schnell um Bilder von Baustellen oder um die Frage, ob irgendwo ein Mast entsteht. Für dich zählt am Ende etwas anderes: Wird Strom sicherer verfügbar und steigen die Netzentgelte weiter? BalWin2 Ibbenbüren ist ein Beispiel dafür, wie Offshore-Windstrom über eine Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung, kurz HGÜ, an Land gebracht wird. Laut Netzentwicklungsplan 2035 handelt es sich um eine 2.000-Megawatt-Verbindung mit geplanter Inbetriebnahme um 2030.

Als Einstieg diente in der Region auch eine spektakuläre Sprengung alter Infrastruktur. Doch jenseits solcher Bilder entscheidet sich die Wirkung von BalWin2 im Detail: in regulatorischen Kostenregeln, in Technik gegen Engpässe und in ganz praktischen Fragen wie Baustellenverkehr und Lärmfenstern. Genau dort schauen wir jetzt hin.

Kosten: Was bei BalWin2 in Netzentgelte fließt

BalWin2 wird im Netzentwicklungsplan 2035 als Offshore-Netzanbindung NOR-10-1 mit 2 Gigawatt Leistung geführt. Technisch besteht das System aus einer Offshore-Konverterplattform, einem HGÜ-Seekabel und einer Onshore-Konverterstation mit Anbindung an das 380-Kilovolt-Netz. Diese Bausteine sind typisch für große Offshore-Anbindungen.

Solche Anlagen sind regulierte Netzinfrastruktur. Das heißt: Die Investitionen werden von einem Übertragungsnetzbetreiber getragen und über die Netzentgelte refinanziert, die von der Bundesnetzagentur reguliert werden. Der Netzentwicklungsplan beschreibt Methodik und Investitionsrahmen auf Programmebene, veröffentlicht aber keine detaillierten Projekt-Einzelkosten für BalWin2.

Typische Kostentreiber sind klar benennbar. Erstens die Offshore-Plattform mit Leistungselektronik für 2.000 Megawatt. Zweitens die Länge und Verlegung des HGÜ-Kabels im Meer und an Land. Drittens der Bau der Konverterstation samt Netzanschluss. Dazu kommen Planung, Genehmigung und Ausgleichsmaßnahmen, etwa wenn Schutzgebiete betroffen sind.

In der landesplanerischen Feststellung für die Landkorridore von BalWin1 und BalWin2 werden Natura-2000-Gebiete und Trinkwasserschutzzonen genannt. Solche Auflagen können spezielle Bauverfahren wie Horizontalbohrungen unter Flüssen oder sensiblen Bereichen erforderlich machen. Das erhöht Aufwand und Kosten. Auch Verzögerungen durch Klagen oder Materialpreise wirken sich aus, weil Finanzierungskosten mitlaufen.

Typische Kostenbestandteile einer 2-GW-HGÜ-Anbindung
Baustein Funktion Einfluss auf Netzentgelte
Offshore-Konverter Wandelt Wechselstrom aus Windparks in Gleichstrom Hoher Investitionsanteil, lange Abschreibungsdauer
HGÜ-Kabel Transportiert Strom über See und an Land Kosten abhängig von Länge, Boden und Schutzauflagen
Onshore-Konverter Wandelt Gleichstrom zurück in Wechselstrom Zusätzliche Netzanbindung und Baukosten

Sicherheit: Was eine HGÜ-Leitung wirklich leistet

HGÜ steht für Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung. Anders als klassische Wechselstromleitungen transportiert sie große Leistungen verlustarm über lange Distanzen. Bei BalWin2 geht es um 2.000 Megawatt. Das entspricht in der Größenordnung mehreren großen Kraftwerksblöcken.

Für die Versorgungssicherheit bedeutet das vor allem eines: Offshore-Windstrom kann gezielter in Verbrauchszentren eingespeist werden. Der Netzentwicklungsplan 2030 und 2035 beschreiben, dass solche Leitungen Engpässe im Übertragungsnetz reduzieren sollen. Wenn viel Wind weht, muss weniger Strom abgeregelt werden, weil ein leistungsfähiger Transportweg existiert.

Das ist jedoch kein Blackout-Versprechen. Eine einzelne HGÜ-Verbindung erhöht die Transportkapazität, ersetzt aber kein robustes Gesamtsystem. Fällt eine 2-GW-Verbindung aus, fehlt kurzfristig viel Leistung. Deshalb werden solche Anlagen in ein Netz aus mehreren Trassen und Reservekapazitäten eingebettet.

Praktisch heißt das für dich: Mehr Offshore-Anbindungen wie BalWin2 stabilisieren das System bei hoher Einspeisung aus Wind. Sie lösen aber nicht jedes Problem von Strompreisspitzen oder regionalen Engpässen. Dafür braucht es zusätzlich Netzausbau an Land, flexible Kraftwerke und Speicher.

Lokal: Was in Ibbenbüren konkret geplant ist

Die landesplanerische Feststellung des Amts für regionale Landesentwicklung Weser-Ems legt Korridore für BalWin1 und BalWin2 fest. Darin werden auch mögliche Konverterflächen und Drehstromanbindungen beschrieben. Ibbenbüren wird im Zusammenhang mit Konverterstandorten genannt.

Für die Region bedeutet das vor allem Bauarbeiten über mehrere Jahre. Dazu gehören Kabeltrassen, Baustellenzufahrten und ein Konverterareal mit großen Hallen für Leistungselektronik. In Schutzgebieten sind besondere Bauweisen vorgesehen, um Grundwasser und Natur zu schonen. Das kann zeitliche Beschränkungen für Arbeiten bedeuten.

Verkehrsführung und Lärm hängen stark vom final genehmigten Trassenverlauf ab. Die landesplanerische Entscheidung bildet die Grundlage, ersetzt aber nicht das eigentliche Planfeststellungsverfahren. Erst dort werden Details zu Bauzeiten, Auflagen und Ansprechpartnern verbindlich geregelt.

Für Anwohner ist deshalb entscheidend, die nächsten Verfahrensschritte zu beobachten. Öffentliche Auslegungen und Erörterungstermine sind der Moment, in dem Einwendungen möglich sind.

Zeitstrahl und Fortschritts-Check bis 2030

Im Netzentwicklungsplan 2035 wird BalWin2 mit einer geplanten Inbetriebnahme um 2030 geführt. Dieser Termin setzt voraus, dass Genehmigungen, Ausschreibungen und Bau planmäßig laufen. Verzögerungen durch Umweltauflagen oder juristische Auseinandersetzungen können den Korridor verschieben.

Woran erkennst du Fortschritt? Erstens am Status des Planfeststellungsverfahrens für die Landtrasse und den Konverterstandort. Zweitens am offiziellen Baubeginn der Kabeltrassen. Drittens an sichtbaren Meilensteinen beim Konverter, etwa Fundamentarbeiten oder die Montage großer Transformatoren.

Ein kurzer Risiko-Check bleibt: Wenn Zuständigkeiten zwischen Netzbetreibern unklar sind oder Auflagen in Trinkwasserschutzzonen verschärft werden, steigt der Koordinationsaufwand. Das kann sich auf Zeitplan und damit indirekt auf Finanzierungskosten auswirken.

Fazit

BalWin2 Ibbenbüren ist eine 2-Gigawatt-HGÜ-Anbindung mit geplanter Inbetriebnahme um 2030. Die Investitionen für Offshore-Plattform, Kabel und Konverter fließen als regulierte Netzkosten in die Netzentgelte ein. Konkrete Projekt-Einzelkosten werden im Netzentwicklungsplan nicht veröffentlicht, doch typische Kostentreiber wie Schutzauflagen, Materialpreise und Bauverfahren sind benennbar. Technisch erhöht die Leitung die Transportkapazität für Offshore-Wind und reduziert Engpässe, ersetzt aber kein umfassend ausgebautes Netz.

Wenn du wissen willst, wie sich Netzentgelte und große Netzausbauprojekte in deiner Region entwickeln, behalte Genehmigungsstände und Baufortschritte im Blick und diskutiere mit.

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