Agrar-PV-Kosten in Deutschland: Wer zahlt den Aufpreis?

Die Agrar-PV Kosten Deutschland liegen laut aktuellen Studien teils deutlich über klassischen Freiflächenanlagen. Je nach System berichten Fachquellen von bis zu 73 % höheren Investitionskosten und rund 25 bis 40 % höheren Stromgestehungskosten. Was bedeutet das konkret in Euro pro Kilowatt und Euro pro Megawattstunde? Und wer trägt das Strompreis Risiko, wenn solche Projekte über Ausschreibungen oder PPAs refinanziert werden? Dieser Artikel übersetzt Prozentwerte in nachvollziehbare Rechenbeispiele und zeigt, wann sich Agrar-PV für Landwirte, Kommunen und Projektierer trotzdem rechnen kann.

Einleitung

Steigende Strompreise, Flächenkonflikte und ambitionierte Ausbauziele setzen Kommunen und Projektierer unter Druck. Gleichzeitig stehen viele Landwirte vor der Frage, wie sie zusätzliche Einnahmen generieren können, ohne ihre Flächen dauerhaft aus der landwirtschaftlichen Nutzung zu verlieren. Genau hier setzt Agrar-Photovoltaik an.

Doch die zentrale Frage lautet: Wer zahlt am Ende den Aufpreis? Studien von Fraunhofer ISE und weitere wissenschaftliche Analysen zeigen, dass Agrar-PV in Deutschland häufig höhere Investitionskosten verursacht als klassische Freiflächenanlagen. Teilweise werden Mehrkosten von bis zu 73 % gegenüber Standardanlagen berichtet. Das klingt dramatisch. Entscheidend ist jedoch, was das in Euro pro Kilowatt und in Euro pro Megawattstunde wirklich bedeutet.

Dieser Artikel rechnet die Prozentwerte transparent durch, ordnet sie in den deutschen Markt ein und leitet konkrete Wenn-dann-Regeln für Projekte ab.

Was bedeutet „bis zu 73 % teurer“ konkret?

Laut einer 2024 veröffentlichten Fallstudie in Cell Reports Sustainability können die Investitionskosten einer Agrar-PV-Anlage in einem konkreten Szenario rund 73 % über denen einer vergleichbaren Freiflächenanlage liegen. Andere Übersichtsarbeiten nennen je nach Bauart Mehrkosten zwischen etwa 20 % und 80 %. Die Bandbreite ist groß, weil Bauhöhe, Fundamentierung, Maschinenzugang und Modultechnik stark variieren.

Höhere Unterkonstruktionen und größere Reihenabstände sind die zentralen Kostentreiber von Agrar-PV.

Ein realistisches Rechenbeispiel verdeutlicht die Größenordnung. Für klassische Freiflächenanlagen werden in Studien Investitionskosten von etwa 500 bis 650 €/kWp genannt. Für hoch aufgeständerte oder bifaziale Agrar-PV-Systeme liegen veröffentlichte Werte häufig zwischen 700 und 1.220 €/kWp.

Vergleich typischer Kosten- und Ertragswerte aus Studien
Merkmal Freiflächen-PV Agrar-PV
Investitionskosten ca. 500–650 €/kWp ca. 700–1.220 €/kWp
Beispielhafte Stromgestehungskosten ca. 55 €/MWh ca. 68 €/MWh
Spezifischer Jahresertrag ca. 950 kWh/kWp bis ca. 1.266 kWh/kWp

Das Fraunhofer ISE berichtet für eine Pilotanlage in Heggelbach einen spezifischen Ertrag von rund 1.266 kWh pro kWp und Jahr. Zum Vergleich wird für Deutschland häufig ein Wert um 950 kWh pro kWp angesetzt. Höhere Erträge können die Mehrkosten teilweise ausgleichen. Dennoch zeigen Modellrechnungen Stromgestehungskosten von etwa 68 €/MWh für Agrar-PV gegenüber rund 55 €/MWh bei klassischen Freiflächenanlagen unter vergleichbaren Annahmen.

In der Praxis bedeutet das: Die Investition steigt stärker als die laufenden Stromkosten. Der Aufpreis schrumpft auf Ebene der Stromgestehungskosten, verschwindet aber nicht.

Folgen für Ausschreibungen, PPAs und Strompreise

Höhere Agrar-PV Kosten Deutschland schlagen sich unmittelbar in Geboten für EEG-Ausschreibungen oder in Preisforderungen für langfristige Stromabnahmeverträge nieder. Wenn die Stromgestehungskosten statt bei rund 55 €/MWh eher bei 65 bis 75 €/MWh liegen, muss dieses Niveau refinanziert werden.

Erstens steigen die Gebote in innovationsspezifischen Ausschreibungen, sofern keine gesonderte Förderung existiert. Zweitens benötigen Projekte unter Umständen höhere Marktprämien oder spezifische Boni, um wirtschaftlich darstellbar zu sein. Ohne solche Instrumente verschiebt sich das Strompreis Risiko stärker auf Projektierer oder Abnehmer.

Drittens kann ein langsamerer Zubau die Systemkosten beeinflussen. Wenn Agrar-PV Projekte wegen hoher CAPEX nicht realisiert werden, fehlen zusätzliche Erzeugungskapazitäten. In Phasen mit wenig Wind und Sonne steigt dann die Importabhängigkeit. Höhere Preisvolatilität an der Strombörse wirkt sich mittelbar auf Endkunden aus, insbesondere über Beschaffungskosten und Netzentgelte.

Wichtig ist jedoch: Nicht jede Agrar-PV-Anlage führt automatisch zu höheren Umlagen. Entscheidend sind Ausschreibungsdesign, Standortqualität und Finanzierungsstruktur.

Die fünf Kennzahlen, die über Wirtschaftlichkeit entscheiden

Ob ein Projekt finanzierbar ist, entscheidet sich selten an einem einzelnen Prozentwert. Fünf Kennzahlen geben die Richtung vor.

Erstens die Investitionskosten pro kWp. Steigen Fundament- und Stahlkosten stark an, kippt die Kalkulation schnell. Zweitens die laufenden Betriebskosten. Zusätzliche Wartung, erschwerte Logistik oder Erntefenster erhöhen OPEX.

Drittens der reale Ertragsverlust oder -gewinn durch Aufständerung und größere Abstände. Ein Mehrertrag durch bifaziale Module kann die Lücke verkleinern. Fällt der Ertrag hingegen unter Erwartung, steigt das Strompreis Risiko.

Viertens Pachtzahlungen oder agrarische Mehrerlöse. Wenn Kulturen unter Modulen stabilere Erträge liefern oder Bewässerungskosten sinken, verbessert das die Gesamtrechnung. Fünftens Netzanschlusskosten und Wartezeiten. Ein teurer oder verzögerter Netzanschluss kann die Wirtschaftlichkeit stärker beeinflussen als zehn Prozent Mehrkosten bei der Unterkonstruktion.

Projektverträge sollten daher klare Klauseln zu Pachtindexierung, Rückbaupflichten, Erntezugang, Abregelung bei Netzengpässen und Preisformeln im PPA enthalten. Unklare Curtailment-Regeln können Erlösprognosen deutlich verzerren.

Wann Agrar-PV trotz Mehrkosten rational ist

Trotz höherer Investitionskosten gibt es Konstellationen, in denen Agrar-PV ökonomisch sinnvoll ist. Ein zentrales Argument ist die Vermeidung von Flächenkonflikten. Wenn landwirtschaftliche Nutzung nach DIN SPEC 91434 gesichert bleibt, erhöht das die Akzeptanz vor Ort.

Auch Standorte mit hoher Einstrahlung und geeigneten Kulturen können profitieren. Das Fraunhofer-Pilotprojekt zeigt, dass spezifische Erträge deutlich über dem deutschen Durchschnitt liegen können. In solchen Fällen schrumpft der Abstand bei den Stromgestehungskosten spürbar.

Schließlich kann die Kombination aus Stromverkauf und landwirtschaftlicher Produktion das Gesamtrisiko diversifizieren. Zwei Erlösquellen auf derselben Fläche stabilisieren Einnahmen. Voraussetzung ist jedoch eine realistische Kalkulation ohne Schönrechnen bei Erträgen oder CAPEX.

Rational ist Agrar-PV also dann, wenn Flächennutzung, Akzeptanz und kombinierte Erträge die Mehrkosten übersteigen. Nicht finanzierbar wird sie, wenn hohe Stahl- und Netzanschlusskosten auf durchschnittliche Erträge treffen und keine spezifische Förderung greift.

Fazit

Agrar-PV ist kein billiger Ersatz für klassische Freiflächenanlagen. Studien zeigen Investitionsmehrkosten von bis zu 73 % in konkreten Fällen und häufig 25 bis 40 % höhere Stromgestehungskosten. Gleichzeitig können höhere spezifische Erträge und doppelte Flächennutzung diesen Abstand teilweise reduzieren. Entscheidend sind fünf Kennzahlen: CAPEX, OPEX, realer Ertrag, agrarische Zusatznutzen und Netzanschlusskosten. Wer diese Faktoren transparent rechnet, erkennt schnell, ob das Projekt tragfähig ist oder das Strompreis Risiko zu groß wird.

Wie würdest du Agrar-PV in deiner Region bewerten? Diskutiere die Zahlen, teile den Artikel und bring eigene Projekterfahrungen ein.

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