45 Milliarden Euro für Windkraft: Kommt der Ausbau zurück?

45 Milliarden Euro sollen 2025 in neue Windprojekte in Europa geflossen sein. Nach Jahren mit Lieferkettenproblemen, steigenden Zinsen und stockenden Genehmigungen wirkt das wie ein Signal für einen Neustart. Doch was steckt hinter der Summe genau? Dieser Artikel ordnet die aktuellen Investitionen in die Windkraft in Europa 2025 ein, trennt Zusagen von tatsächlichem Ausbau und zeigt, was Onshore- und Offshore-Projekte realistisch für Strompreise und Versorgungssicherheit bedeuten.

Einleitung

Du liest von 45 Milliarden Euro für Windkraft und fragst dich vielleicht: Bedeutet das endlich wieder sinkende Strompreise und mehr Versorgungssicherheit? Nach schwierigen Jahren mit hohen Finanzierungskosten und Problemen in den Lieferketten war der europäische Windmarkt unter Druck. Projekte wurden verschoben, Hersteller kämpften mit Verlusten, Investoren zögerten.

Jetzt meldet der Branchenverband WindEurope für 2025 neue Investitionen in Höhe von 45 Milliarden Euro in europäische Windprojekte. Gleichzeitig wurden 19 Gigawatt neue Windleistung installiert. Das klingt nach Aufbruch. Doch Investitionssummen sind nicht automatisch gleichbedeutend mit sofortiger Stromproduktion. Ein Teil der Mittel fließt in Projekte, die erst später ans Netz gehen.

Entscheidend ist deshalb die Einordnung: Wie verteilen sich die Investitionen zwischen Onshore- und Offshore-Wind? Welche Länder bauen besonders stark aus? Und was heißt das konkret für dein Stromsystem, für Netze und Preise?

Woher kommen die 45 Milliarden Euro?

Die Zahl von 45 Milliarden Euro stammt aus den Jahresstatistiken von WindEurope für das Jahr 2025. Laut Verband wurden in Europa 19,0 Gigawatt neue Windkraftleistung installiert. Insgesamt liegt die installierte Windleistung damit bei rund 304 Gigawatt.

Europa investierte 2025 rund 45 Milliarden Euro in neue Windenergieprojekte, während 19 Gigawatt neu installiert wurden.

Wichtig ist der Unterschied zwischen installierter Leistung und Investitionsvolumen. Die 19 Gigawatt beziehen sich auf Anlagen, die 2025 tatsächlich in Betrieb gingen. Die 45 Milliarden Euro umfassen nach Branchenangaben jedoch mehr als nur Turbinen und Fundament. Darin stecken auch Netzanschlüsse, Projektentwicklungen, Finanzierungskosten und teilweise Investitionsentscheidungen für Projekte, die erst 2026 oder später Strom liefern.

Rechnet man die 19 Gigawatt grob mit typischen Investitionskosten pro Megawatt hoch, landet man je nach Annahme deutlich unter 45 Milliarden Euro. Das deutet darauf hin, dass die Summe breiter gefasst ist als reine Baukosten. Für dich heißt das: Die Schlagzeile beschreibt Kapitalflüsse, nicht die sofort verfügbare zusätzliche Strommenge.

Zentrale Kennzahlen zur Windkraft in Europa 2025
Merkmal Beschreibung Wert
Neu installierte Leistung Windkraftanlagen, die 2025 ans Netz gingen 19,0 GW
Gesamt installierte Leistung Windkraftbestand in Europa Ende 2025 rund 304 GW
Investitionen Gemeldetes Volumen für neue Projekte 2025 45 Mrd. Euro

Onshore dominiert, Offshore bleibt teuer

Von den 19 Gigawatt neu installierter Leistung entfielen rund 90 Prozent auf Onshore-Windparks an Land. Das entspricht etwa 17 Gigawatt. Offshore-Anlagen auf See kamen auf rund 2 Gigawatt neu angeschlossene Leistung.

Diese Verteilung ist entscheidend für die Kostenstruktur. Onshore-Anlagen sind pro Megawatt deutlich günstiger zu errichten als Offshore-Projekte, die aufwendige Fundamente, Spezialschiffe und Netzanbindungen benötigen. Selbst wenn Offshore nur etwa ein Zehntel der neu installierten Leistung ausmacht, verschlingt dieser Teil einen überproportionalen Anteil des Kapitals.

Das erklärt, warum hohe Investitionssummen nicht automatisch eine ebenso hohe zusätzliche Strommenge bedeuten. Offshore-Wind liefert zwar oft mehr Volllaststunden, also mehr Strom pro installiertem Megawatt. Doch die Bau- und Finanzierungskosten sind entsprechend höher und die Realisierungszeiten länger.

Für das Stromsystem bedeutet der starke Onshore-Anteil 2025 vor allem eines: Der kurzfristige Ausbau kommt primär aus Projekten an Land. Offshore bleibt strategisch wichtig, etwa für Küstenländer wie Deutschland, das Vereinigte Königreich und Frankreich. Der große Volumenschub im Jahr 2025 kam jedoch klar vom Land.

Wer investiert und welche Länder profitieren?

Beim Zubau lagen 2025 mehrere Länder vorn. Deutschland installierte rund 5,2 Gigawatt neue Windleistung. Es folgten die Türkei mit etwa 2,1 Gigawatt, Schweden mit rund 1,8 Gigawatt und Spanien mit ungefähr 1,6 Gigawatt.

Diese Zahlen zeigen, dass der Ausbau nicht auf ein einzelnes Land konzentriert ist. Große Energiemärkte wie Deutschland treiben das Volumen, doch auch Länder außerhalb der EU spielen eine Rolle. Investoren sind in der Regel Energieversorger, Infrastruktur- und Pensionsfonds sowie Projektentwickler. Konkrete Einzelinvestoren werden in den zusammengefassten Jahreszahlen allerdings nicht ausgewiesen.

Nach Jahren mit gestiegenen Zinsen war 2025 auch ein Test für die Finanzierungsfähigkeit der Branche. Dass dennoch 45 Milliarden Euro mobilisiert wurden, deutet darauf hin, dass Windprojekte wieder besser kalkulierbar erscheinen. Auktionen, langfristige Stromabnahmeverträge und staatliche Rahmenbedingungen geben Investoren mehr Planungssicherheit.

Gleichzeitig bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Hersteller kämpfen weiterhin mit Preisdruck und hohen Materialkosten. Die Investitionssumme zeigt also Kapitalbereitschaft, sagt aber noch nichts über die Margen der Unternehmen oder die Stabilität der Lieferketten aus.

Was davon geht 2025 und 2026 wirklich ans Netz?

19 Gigawatt neue Leistung im Jahr 2025 sind ein klarer Zuwachs. Dennoch deckt Windenergie damit nur einen Teil des steigenden Strombedarfs, etwa durch Elektromobilität, Wärmepumpen und Industrieelektrifizierung.

Entscheidend ist der Zeitversatz zwischen Investitionsentscheidung und Inbetriebnahme. Ein Offshore-Projekt benötigt oft mehrere Jahre von der Planung bis zur ersten Kilowattstunde. Selbst Onshore-Projekte können durch Genehmigungen und Klagen verzögert werden. Ein Teil der 45 Milliarden Euro wird sich daher erst 2026 oder später in messbarer Stromproduktion niederschlagen.

Für Strompreise heißt das: Kurzfristige Effekte bleiben begrenzt. Mehr Windstrom kann langfristig den Großhandelspreis dämpfen, wenn viel erneuerbare Energie im Netz ist. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Netze und Speicher. Wird mehr Strom erzeugt, als lokal verbraucht wird, müssen Leitungen ausgebaut oder flexible Verbraucher integriert werden.

Die Investitionen von 2025 sind deshalb ein Baustein im größeren Umbau des Energiesystems. Sie erhöhen die erneuerbare Kapazität, lösen aber weder Netzausbau noch Speicherbedarf automatisch.

Fazit

45 Milliarden Euro für Windkraft in Europa im Jahr 2025 sind ein deutliches Signal nach einer Phase der Unsicherheit. Mit 19 Gigawatt neu installierter Leistung kommt der Ausbau wieder in Fahrt, vor allem an Land. Gleichzeitig zeigt der Blick hinter die Zahl, dass Investitionen und tatsächliche Stromproduktion zeitlich auseinanderfallen können.

Ob daraus ein nachhaltiger Ausbau-Schub wird, hängt von stabilen Rahmenbedingungen, funktionierenden Lieferketten und schnellerem Netzausbau ab. Die Kapitalbereitschaft ist da. Jetzt muss sie sich in dauerhaft steigender Stromerzeugung und einem robusteren Energiesystem niederschlagen.

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