2G-Abschaltung eCall: Prüfe jetzt, ob dein Auto noch Hilfe ruft

Stand: 07. February 2026
Berlin

Auf einen Blick

2G-Abschaltung eCall kann in älteren Autos den automatischen Notruf aushebeln: Wenn das Fahrzeug nur über 2G/3G telefoniert, erreicht es nach Netzabbau keinen 112‑Notruf mehr automatisch. Europa stellt auf Next‑Generation eCall über 4G/5G um. So prüfst du dein Modell – plus Sofortplan und Optionen für Updates/Retrofits.

Das Wichtigste

  • Legacy-eCall hängt technisch an 2G/3G (circuit-switched) – fällt dieses Netz weg, kann der Auto-Notruf je nach Fahrzeughardware ausfallen.
  • Next‑Generation eCall (NG eCall) läuft über 4G/5G (IMS); Deutsche Telekom berichtet von Netztauglichkeit seit Ende 2023 und Interop-Tests (Plugtests) im Jahr 2025.
  • Zur Zahl „5,5 Mio. betroffene Autos“: Sie kursiert in Berichten, lässt sich aber aus öffentlich zugänglichen KBA-Statistiken nicht eindeutig belegen – realistisch ist mindestens: Es geht um eine große, heterogene Bestandsflotte, die du individuell prüfen musst.

Einleitung

Wenn dein Auto beim Unfall automatisch den Notruf wählen soll, darf es nicht an einer alten Mobilfunktechnik scheitern. Genau das droht bei Fahrzeugen, deren eCall-/Telematik-Modul nur über 2G/3G arbeitet. Weil Netzbetreiber in Europa diese Alttechnik schrittweise abbauen, lohnt sich jetzt ein schneller Check: Ist dein Wagen bereits NG‑eCall‑fähig (4G/5G) – oder steht ein Update/Retrofit an?

Was neu ist

Europa migriert eCall von 2G/3G auf NG eCall über 4G/5G. Hintergrund ist der laufende Rückbau von 2G/3G in vielen Ländern und die technische Weiterentwicklung hin zu paketbasierten Notrufen über IMS (VoLTE/5G‑Core). Deutsche Telekom berichtet, dass ihr Netz für Next‑Generation eCall seit Dezember 2023 bereit ist und im Juni 2025 Industrie‑Interoperabilitätstests (Next‑Generation eCall Plugtests) im Telekom‑Netz stattfanden. Parallel warnen Fachgremien aus dem Notruf-Umfeld: Beim Abschalten alter Netze können Fahrzeuge mit Legacy‑eCall (2G/3G) ihren automatischen Notruf verlieren, wenn es keine Übergangs- oder Nachrüstlösung gibt. Faktencheck (Quellen unten): (1) Die Risiken der 2G/3G‑Abschaltung und die Notwendigkeit koordinierter Übergänge sind in Regulierungs- und Notruf-Empfehlungen dokumentiert. (2) Netze in Deutschland testen/aktivieren NG‑eCall‑Funktionalität. (3) Einzelfall-„Betroffenheit“ hängt an der verbauten Hardware und an freigegebenen Hersteller-Updates.

Was das für dich bedeutet

Für deutsche Autofahrer ist das keine abstrakte Netzpolitik, sondern eine Sicherheitsfrage: Wenn dein Fahrzeug eCall/Telematik nur über 2G/3G abwickelt, kann der automatische Notruf in Zukunft lokal ausfallen – selbst wenn dein Smartphone daneben problemlos 4G/5G hat.

Checkliste (praktisch, ohne Rätselraten):
(1) So prüfst du, ob dein Auto betroffen ist
Handbuch/Infotainment prüfen: Suche nach Begriffen wie „eCall“, „Telematik“, „SOS“, „Notruf“, „Mobilfunkmodul“ sowie nach Hinweisen auf „GSM/2G/UMTS/3G/LTE/4G“.
Fahrgestellnummer (VIN) bereithalten: Mit der VIN kann der Hersteller oder Händler oft eindeutig feststellen, welches Kommunikationsmodul verbaut ist.
Hersteller-Portal/App & Service-Mitteilungen: Viele Marken informieren über „Connected Services“ und technische Umstellungen im Kundenkonto oder per Brief. Verlasse dich dabei auf offizielle Mitteilungen.
Händler/Werkstatt mit konkreter Frage anrufen: „Ist mein eCall-/Telematik-Steuergerät 2G/3G‑abhängig? Gibt es ein freigegebenes Update oder ein Austauschmodul?“

(2) Sofortmaßnahmen für den Notfall (wenn du unsicher bist)
112 bleibt deine sichere Rückfallebene: Im Zweifel sofort manuell 112 wählen (Smartphone oder jedes erreichbare Telefon).
Smartphone vorbereiten: Notfallkontakte und SOS‑Funktionen (iOS/Android) aktivieren, Lade-/Powerbank im Auto, Standortfreigabe einrichten.
Unfallroutine: Eigenschutz, Warnweste, Warndreieck, Erste Hilfe (nach deinen Kenntnissen), Rettungsgasse und klare Ortsbeschreibung (Straße, Fahrtrichtung, km‑Angaben, nächste Ausfahrt).

(3) Kosten & Optionen (realistisch einordnen)
Software-Update (OTA oder Werkstatt): Nur möglich, wenn die Hardware 4G/5G und die nötigen Notruf-Protokolle unterstützt und der Hersteller ein Update freigibt.
Hardware-Tausch/Retrofit: Bei 2G‑Only‑Modulen bleibt oft nur ein Austausch des Telematik-/eCall‑Moduls. Preise schwanken stark je nach Marke, Einbauaufwand und Teilelage – lass dir vorab ein schriftliches Angebot geben.
Nachrüstlösungen von Drittanbietern: Können als zusätzliche Sicherheit dienen, ersetzen aber nicht automatisch ein integriertes, zugelassenes System. Achte darauf, dass ein Gerät in Deutschland zuverlässig 112 erreicht und rechtlich/technisch sauber betrieben wird.

(4) Fristen, Zuständigkeiten & mögliche Folgen
Fristen: Konkrete Abschaltzeitpunkte für 2G/3G unterscheiden sich je Netzbetreiber und Region. Entscheidend ist: Der Übergang läuft bereits, und bei Bestandsfahrzeugen entscheidet die verbaute Technik.
Zuständig in Deutschland: Für Fahrzeugthemen und Rückrufe ist typischerweise das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) relevant; für verkehrspolitische Rahmenfragen das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV).
Versicherung/Pannenhilfe: Uns ist keine pauschale Regel bekannt, nach der ein ausfallender Auto‑eCall automatisch den Versicherungsschutz beendet. Verbindlich sind aber deine Vertragsbedingungen und die Leistungsbeschreibung deiner Pannenhilfe.

„3 Schritte jetzt“ (Social/Discover‑Vorlage):
1) VIN raus, Hersteller/Händler fragen: 2G/3G‑abhängig – ja/nein?
2) Falls ja: Update/Modultausch anfragen und Termin sichern.
3) Bis dahin: Smartphone‑SOS einrichten und 112‑Plan im Auto griffbereit halten.

Wie es weitergeht

Die technische Richtung ist klar: NG eCall über 4G/5G wird zum Standard, 2G/3G verschwindet. Für dich heißt das ganz pragmatisch: Beobachte Mitteilungen deines Herstellers (Connected‑Services‑Portal, Post, Werkstattinfos) und achte auf Hinweise zu „Telematik‑Update“, „SOS‑Modul“ oder „eCall‑Umrüstung“. Wenn du eine Flotte betreibst (Handwerk, Pflegedienst, Carsharing), lohnt sich ein strukturierter VIN‑Check jetzt – Werkstattkapazitäten und Teileverfügbarkeit werden bei großen Umrüstwellen schnell zum Engpass.

Fazit

2G-Abschaltung eCall ist kein „Tech-Nerd“-Thema, sondern kann im Worst Case Sekunden kosten, wenn es zählt. Weil die Betroffenheit stark vom verbauten Modul abhängt, ist die beste Strategie simpel: mit VIN klären lassen, ob dein Auto Legacy‑eCall nutzt, dann Update/Retrofit einplanen – und bis dahin den manuellen Notruf-Fallback (112 + Smartphone‑SOS) sauber vorbereiten. Die oft genannte Größenordnung „Millionen Fahrzeuge“ zeigt vor allem eins: Du solltest nicht darauf warten, dass jemand dich rechtzeitig warnt.

Hast du von deinem Hersteller schon eine Info zur 2G/3G‑Umstellung bekommen (Brief, App‑Hinweis, Werkstatt)? Schreib uns Modell + Baujahr und was dir konkret angeboten wurde.

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